Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 51 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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>T Nr. 51 Dr. Bloch’s iiißrcjcinji XXX111 Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Zudentums. Oü- -o D. ft. po p 1 jr<icfta Jteitant t C Clearing-Verkebr Nr. 810.076. Redaktion und Administtatton: Wien II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359nO.— - Qn 7)0 Wien. 29. Dezember 1916 LrscbeLnt jeden FreLtag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. 0 0— -? Vr,»tisprris für Oeflrrrrirft: Halbjähiig 8 Kronen. Einzelrremplare .'0 Heller. Für das Ausland: Halbjährig lO Kronen. Ganzjährig JO Jnoncn. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Pelitzc.le 48 Heller. o O . . o O Inhalt: Leitartikel: Gibt es in Europa Arier'? — Kriegsdekorationen jüdischer Lsfiziere und Loldateu. -- weitere Auszeichnungen. — Dreimalige Auszeichnung des Feldwebels Josef Ei chlor aus Jauow bei Lemberg. — Juin zweiteumale ausgrzeichuer. — Dreifach ausgezeichnet. — Ein siebzehnjähriger Freiwilliger. — Fli'ger-^efreiter Robert Fried. — Aus dem Felde der Ehre gefallen — Auszeichnungen nach dem Tode. — Heldentod zweier Brüder. — Liderleutnaut D e. Albert Tchöichof - gefallen am in Dezember. - Nach dem Tode ausgezeichnet. — Außerge vöhuliche AuSzeichmiug eines gefallenen jüdischen Reserveoffiziers. — Episoden vom rumäui scheu Kriegsschauplah. — Korrespondenzen: Die Königskrönung in Lfen. Tie Hilfsaktion für die notleidenden Juden in Dstgalizieu. — Hilfskommission 19 tö für Palästina. — Israel. HumanitätSverein für die westlichen Bezirke Wiens. - Ausstellung „Die Kunst der Nadel". — Generalversammlung des ..Kaiser Franz Josef-FerienbeimS". — Aufruf für Kriegs:uü ter. — Erhöhung der Flüchtlings-Unterstützung. — Antisemit, Bezirks rat, Trtsschulcat and Hehler. — Befreiung des Lemberger .Kukrusvorstehers Dr. Diamand aus russischer Gesaugerischast. — Krakau. — Vermischt es. — Feuilleton: Die Ede trau und der Jude. — Brief kästen. — Notizen. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen unsere gesckählen Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnements gebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung Her Beträge wolle man sick des der Heutigen Nummer beigelegten Poste»»iag« scheifies bedienen. Die Administration. Gibt es in Europa Arier? Als vor dreieinhalb Dezennien der „Deutsche Schulverein" gegründet wurde, dachte niemand daran, das; dieser je eine andere Missivll habell könnte, als an Orten,- wo eine, überwiegend slavische Majorität leine Gewähr für einen zureichenden. Unterricht der deutschen schulpflichtigen Jugend bot, für diese aus Privatmitteln deutsche Schulen zu errichten und zu erhalten. Irl großer Zahl strömten dem Vereine Mitglieder zu: jeder, der sich /.deutsch" nannte - und wessen Muttersprache die deutsche war, nannte sich so, ohne von Rosenau oder Waidhofen sich die Ermächtigung dazu zu holen ,- wurde gern ausgenommen. Keiner sah in seinem Religionsbekenntnis,- ob katholisch, protestantisch oder jüdisch, eilt Hindernis,- dem Vereine beizutreten und zu dessen Erhaltung aus seinen Mittelll beizutragen, keiner, auch nicht sein Gründer und erster Obmann, Dr. Moriz W eill 0 f, ein deutscher Mann wie nur irgenüeiner. Als nach dem Lessing-Kommers - im Februar 1881 - die „Aka demische Lesehalle" aufgelöst wurde, siel ihr nicht unbe trächtliches Vermögen,- welches statutengemäß in den Besitz einer Einzelperson übergehen mußte,- nach einem Beschlüsse des letzteil Ausschusses .Dr. Weirlos zu. welcher es dem „Deutschen Schnlverein" schenkte. Auch hier wurden die Mittel selbstredend nicht ans ihre konsessionelle oder nationale Provenienz geprüft. Unterdessen wurde mit einem aus der „Vergleichenden Sprachwmen schast" herübergeholten theoretischen Sammelbegriss „Se unten" das Lexikon der Umgangssprache vermehrt,- und als Correlat gesellte sich bald der „Arier" dazu. Doch haben wir nicht die Absicht, eine Geschichte des „Deutschen Schulvereines" zu schreiben, oder zu zeigen, >vie er zu einem eminent politischen Vereine geworden ist. Wir wollen nur daran erinnern, daß in letzter Zeit der Ob manu dieses Vereinen von Bewerbern um Vereinslehrer stellen den Nachweis ihrer „arischen" Abstainmnng sor dert, und uns die Frage erlauben, >vie er sich die Führung eines solchen Nachweises denkt und ans welche Weise er ihn etwa für seine eigene Persoil zu erbringen imstande lväre. Wie ist es möglich, den Mischungen nachzugehen, die gezwungen und sreiivittig erfolgt sind? 'Wieviel jüdisches Blut ist in delltiches geflosseit und umgekehrt? Denn daß unter „arisch" nichts anderes als „deutsch-antisemitisch" zu verstehen und unter „semitisch" ausschließlich „jüdisch" gemeint ist, liegt auf der Hand. Denn daß kein Slovene nild kein Tscheche,- die doch eben - sogut sogenannte „Arier" sind lvie die Deutschen, auch wenn sie sich mit den glänzendsten Lehrbesähignngszeng nis ansznkveisen vermöchten,- all einer deutschen Schul vereillsschnte angestetlt würde, ist geradeso sicher, wie daß allderseits lliewand behaupten lvird,- daß der „An tisewit" dein Araber und Sprer, die so gut Senkiten silid lvie die Inden, feindlich gegellüberstehe. Es gibt kein e „r e i l> e" R a f s e in e h r n u r d e nt e n r 0 p ä i scheu .Kontinente. Der mut verstorbene oster re ich i sche Sprachforscher Friedrich M ü l l e r, ivohl iiraßgebender tu seinein Urteil als alle die Herren, die in Waidhostm ilnd Linz zu Gericht saßeik, und die gesamte Leitung des „Deiltschen Schnlvereines" sagte überdies: „Rasse ist Schivindel." Unb doch gehr dieses Schlagwort als gang bare Münze durch die Menge und sowohl damit wie mit Jeder treue Jude zeichnet die fünfte Kriegsanleihe