Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 50 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 626 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 80 Der Name Jude hatte in deutschen Landen nie beit Beigeschmack, den er in romanischen und stavischen Gebieten hat. In Frankreich darf der Jude offiziell nie anders als „Jsraecite", in Rußland als „Jewrej", in J.a-ien als„Eluao"be i<ett werden. Die Hisi0tisa,e Bezeichnungen Juif, bezw. Z,chyd, Giubeo, gellen zuwege ihres üblen Nebengeruches als verpönt und werden in den diesbezüglichen Ländern als Sch imp,wort aw e ehur. Ter bekannte Vor.ämpser der jüdstchen Emanzipac.on zur Zeit der großen französischen Revo.utton, der Abbs G.ego.re, führ.e darüber Klage, daß der Name Jude zum Scyimpf wurde.") Wie anders ist es in Deutschland. Das emanzipierte Judentum hatte kein Bedürfnis, eine Namensänderung vorzunehmen. Diesbezügliche Versuche vereinzelter Gruppen wurden jüsischerseits, wie vom aufrechten Gabriel Rießer, schroff zurückgewiesen. Auch der preußische Staat sah eine Substituierung des Namens Jude durch eine andere Bezeichnung als sinnlos und unnötig an. Ein Reskript des preußischen Juftizminisie.i.nns vom 1. Oktober 1836 lautet: „Wo es aus seine Glaubensverhältnisse ankommt, da ist die Bezeichnung „Jude" oder „jüdische Religion" ganz am Platze und dieser uralte Volksname jedenfalls ehrwürdiger und treffender als der mosaische, alttestamentarische Glaubensgenosse, und wie die Erfindungen der neueren Zeit alle heißen mögen, deren Gebrauch, weit entfernt, etwas Höheres auszudrücken, nur verletzend ist, weil lein Jude, und überhaupt kein vernünftiger Mensch, Zugeben wird, in der Benennung Jude liege etwas, was man zu umschreiben nötig habe."") Das deutsche Volk scheute sich nicht, an der deutschen Erde den Judennamen festzuanlern. Das österreichische Ministerium des Innern befindet sich „am Judenplatz". Im Gegensatz dazu, tilgen die Polen systematisch an die Judenschaft erinnernde Namen auch ganz nebensächlicher Seitengäßchen. Die Deutschen benannten selbst auch größere deutsche Siedlungspuuk.e, Stäote und Dörfer, mit dem Judenepitheton. Es gibt in keinem Landl der Welt nur entfernt vergleichsweise soviel judäophore Namen wie im ethnographischen Deutschland. Im slavischen Osteuropa, wo doch die überwiegende Mehrheit der Juden wohnt, in Frankreich, Spanien, Sizilien, wo einst im Mittelalter sich große Judenzentren befanden und der Einfluß der Judenheit auf die Landesverhältnisse ein ungewöhnlich großer und ihre politische Stellung durch große Zeitabschnitte eine achtunggebietende war, gibt es überhaupt oder beinahe überhaupt keinen Namen irgendwelcher Ortschaft, irgendwe.ch:n, auch kleinen Marktfleckens oder Dorfes, der auf Juden Bezw haben sollte. Wie schaut es dagegen in Den schland aus! In Niederösterreich gibt es zwei Dörfer, von dem eines „Judenhof", das andere „Judenau" heißt. In Oberösterreich gibt es ein „Judenlei.hen" und ein „Judendorf". In Steiermark heißt eine Stadt „Judenburg" und zwei Dörfer tragen den Namen „Judendorf". In Kärnten werden fünf Dörfer „Judendorf" benannt. In Salzburg gibt es ein „Judendorf". In Böhmen kennt man „Jüdi'ch-Lieben" und eine Ortschaft, die „Judenstadt"-heißttt'Z In Bayern befindet sich ein Dorf „Judenberg". In Ostpreußen kennt man Ortsnamen :. Juden, Judendorf, Judenstein. Je eine Ortschaft mit einem jüdischeren Namen gibt es in Schlesien, Brandenburg und Sachsen Meiningen.") 14) Sammlung der Schriften an die Nationalversammlung, die Juden.... betreffend. 93. Berlin 1789. 15) Rönne Simon, 44. 16) Josef und Karl Kendler: Orts- und Berkehrslerikon von Oesterreich-Ungarn, 468, Wien 1905.. 17) Petzold: Gemeinde- und Ortslerikon des Deutschen Reiches, I, 435, Bischofswerda 1901. Der Jude trat in der deutschen Volkssage die Erbschaft des curgermanstchen Gottes Wooan an. Der' unruhige, ungew/immer,ort brau,ende und umherziehenoe Wlnogotr wuroe zum „ewigen Juden", der dann zum Siilaoitd des Dia,poraiUoenrums wurde.") Die Judenge,ratt wuroe auch auf deutschen Wappen verwendet, vur, oem Wappen oer Sradt Juoenburg ist das Brustbild eines Juoen mit Spitzbart und Judenhut zu sehen.") In Sach,en wurden im 15. und 16. Jayrhundert Groschen geprägt, mit einem Judemopf im sächsischen Wappen,, mir einem damals üblichen spitzen Hu.ettZ Das iöiiii,a;e Rrtte-.ge schleust der Ino den ,üyrte im Wappen drei Juoenhüw, atteroings lvar dws Geschlecht Mischen Ursprungs.") Im 18. Jahryunderr, zur Zeit des Kampfes der ausstreoenden Vormacyr des deutschen Prorestanttsmus Preuyens mit dem rachottschen Oe,^erreich, scheuten s.ch niü)r gure deutsche Katt)ottttn unter der Maske von Juden polittsche Äro,cyUren zu schreiben, um sich auf die,e Wei,e den Änscyem der Neucrarttät und der objektiven Hauung zu geoen; so verösfenttichte der kathottsche Deurscye, der Nürnverger Advokat Ehtisttan Gotthel, Richter, in den Jahren 1746, 1/47 unter dem P,eudonym eines Marcus Ephraim „Sächsische Chronica". Andere unbekannt geblieoene Pamphrettsten deutsch-arischer Heriünft schrieoen damals „Die Bücher der Chroiilca des Königs von Preußen", „von Kemuel Saddy, Hoguden zu boraiinheim, 1744", „Das. andere Buch vom Kriege der Franzo,en usw. vom Vorsinger der Judenschule zu Prag, 1747". Während des Siebenjährigen Krieges schrieben deutsche Kriegspotttiker „Die Bücher der Chronica von den Kriegen usw., beschrieben nach der Judenart, zu schreiben durch Assur Obadja, Sohn von Jsmael Lbadja, welcher ist entrunnen aus den Händen der Peinigung in Lissabon usw., Leyden, 1777", „Die Chronica des Krieges im Königreich Böheim. . . von Habaiük Rafael, Sohn des Jemini Rafael, Rabbiner in Algier". Jüdische Maskierung wurde von deutschen politischen Fmgb.ätterautoren noch zur Zett der Napoleonischen Kriege verwendet.22) Kriegsdekorationen jüdischer Kffiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: die Kriegsdekoration zum Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde dem Oberleutnant d. Ev. Alfred Frenke st Jntend. eines Mil.-Kmdos.; das Militär verdien st kreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde den Leutnants d. R. AladarReich/ J.-R., Bruno Steiner, Geb.-Art.-Reg., dem Leutnant d. R. Otto Löwner,- J.-R.; den Leutnants d. R. Ludwig Poppe r,; J.-R.; Franz Deutsch, J.-R.; dem Oberleutnant d. R. Maximilian Singer,^ Feldhaub.-Reg.; das silb. Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Josef Proßnitz, Tir. Jägerreg.; E. Mogk: Deutsche MyHologie in Paul: .Grundritz der germanischen Philologie, I, 245. *0) Baumgarten: Die Juden in Steiermark, 10. Wien,. 1903. -0) I. Chr. Adelung: Grammat.-kritisches Wörterbuch, f, v. Judengroschen, II, 1444, Wien. 1811. -i) Brisch: Geschichte der Juden in Cöln, I, 166, Mühlheini am Rhein 1879. ") Ludwig Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der.Juden in Berlin, in Zeitschrift für Geschichte der Juden. IV, 40, Braunschweig 1890. . .7 .