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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-01 · 47 (1.12.1916) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
47 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 47 Lr. Bloch'S Wochenschrift (Seite 79( In der verflossenen Woche übergaben wir der mütterlichen Erde die sterblichen Ueberreste des verdienstvollen Großindustriellen Ludwig Bruml und kürzlich traf aus Prag hier die erschütternde Nachricht ein, daß Herr Rudolf Fteifchrr, Erotzkausmann, Kommissionär der Kriegsgetreidevertehrsanstalt und Inhaber der bekannten Firma Hermann Fkeifchrr, Klattau. verschieden ist. Der Verblichene, der im 55. Lebensjahre stand, war nicht nur ein gewiegter, sehr intelligenter und dabei bescheidener Kaufmann, sondern auch ein treuer, erprobter Glaubensgenosse, der mit allen Fasern seines goldenen Herzens an dem Judentums hing. Er gründete vor 30 Jahren den fsrael. Chor- und Eeselligteitsverein in Klattau und blieb bis zu seinem Tode der bewährte und verdienstvolle Obmann dieser Innung, die für die Juden Klattaus und der Umgebung eine wahre Heimstätte bedeutet, lleberall wurde sein Rat eingeholt; viele Korporationen wählten ihn in den Vorstand. So leitete er eine Zeit das hiesige Handelsgremium, war durch viele Jahre Mitglied der k. k. Steuerbemessungslommission. saß im Kuratorium der städtischen öffentlichen Handelsschule, fungierte Jahrzehnte hindurch als Arrendator für das k. u. k. Militärärar, leitete im Vorjahre mit allseits anerkanntem Erfolge die Approvisionierung der königl. Stadt Klattau und ähnliches mehr. Fiume. Am 20. November, um 10 Uhr früh, lvurde der Präsident der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Advokat Dr. Heinrich Sachs Edler v. Gric, zu Grabe getragen. Der Verstorbene, einer der bestell ulld edelsten Menschen und ein echter Sohn Israels, erfreute sich in der ganzen Stadt, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, des größten Ansehens. Der Verstorbene, einer unserer ersten Advokaten, stand 25 Jahre lang an der Spitze unserer Gemeinde, und seinem segensreichen Wirken hat dieselbe vieles zu verdanken, denn unser herrlich-schöner Tempel ist zum größten Teil sein Verdienst. Das Leichenbegängnis des leider so früh Verstorbenen — er zählte erst 57 Jahre — gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der ganzen Stadt. Erschienen waren: Se. Exz. der Gouverneur Gras Stefan Wicken bürg samt Gemahlin, die Ministerialräte Kanko v s ky, Eg an und Po pp mit vielen Beamten, der Magistratsdirektor mit den Magistratsbeamten, die Bürgermeister von Bolosca und Abbazzia, die Spitzen der Behörden des Barreaus, der Banken, der Institute. Industrielle, die Kausmannschast wie der Bürgerstand waren stark vertreten und legten Zeugnis ab für die allgemeine Verehrung des Heimgegangenen. Trotz des strömenden Regens hatte sich eine zahlreiche Gemeinde aus dem Friedhose eingesunden, um den Verstorbenen bis zum Grabe zu geleiten. In der Zeremonienhalle intonierte der Oberkantor Rosen bäum mit tiefergreifender und tränenerstickter Stimme die Trauergesänge. Rabbiner Doktor Frank hielt eine tiefempfundene Trauerrede, in der er die großen Verdienste des Verstorbenen als Mensch und als Jude hervorhob. Am offenen Grabe hielt Doktor David Friedmann, Präsident der Chewra-Kadifcha, einen Nachruf, worin er die Verdienste des Verstorbenen als1 Förderer der Chewra-Kadischa würdigte. Dr. E. Pazmany sprach im Namen des Barreaus und würdigte die Verdienste des Heimgegangenen als Kollegen und warnten Freund der jüngeren Generation. Chefredakteur Dr. Brajer sprach im Namen der Freimaurerloge „Sirius" und schloß mit dem Worten: „Du warst ein wahrer Bruder und hast nur gute und edle Werke hinterlafsen." Um halb 1 Uhr verließen alle den Friedhof, und wir Juden mit der Ueberzeugung, einen der Besten der Mutter Erde übergeben zu haben. Dr. Heinrich Sachs Edler v. G r i c: „Wir werden Dir ein treues Andenken in unseren Herzen bewahren." Mathilde Horitzky. Altona (Elbe). Anläßlich des 300. Jahrestages der Vollendung des allgemein verbreiteten Mischnah-Kommentars „T o s s a f o t - I o m t o b" von Rabbi L i p - mann Helle r*), hielt Herr Stiftsrabbiner Doktor TAjw*"' irnna 22 siehe seinen Kommentar Ende Spiegel in den Räumen des Altonaer Klaus-Institutes einen Vortrag über das Leben und Wirken des Verfassers. Der Redner schilderte in turzen, kräftigen Zügen das an Kämpfen und Enttäuschungen so reiche Leben diese.' wahrhaft großen Manne?. H. I. Wer weiß? Gesucht wird: Leid Win.te», Kaufinann und Hausbesitzer in Radaut. Auskunft erbeten an das ZentcaUomiter für die jüdische.« F»ächtUnge aus Galizien und der Bmow..ra in Troppau. Frau Lstti Burg fa;nt Tochter Ktara Burg, David Rofe,»zweig samt Familie, aus Russ.-Banilla. werden gesucht von Eft. Hersch Rosenzwüg, Aujierlitz Nr. 68. Feuilleton. Warschauer Ghettoinldrr. In einer Studie, die erfüllt ist von tiefstem Mitleid mit den Aermsten der Armen unter den geknechteten Fremd Völkern des Moswwiterreiches, schildert Fredrik Böök, Schwedens angesehenster und feinsinnigster Essayist, in „Svensra Dagmadet" aus eigener An schau ung das Elend des Warschauer Juden Viertels, in dessen Trostlosigwit die Morgenröte einer neuen 'feit jetzt zum erstenmale seit hundert Jahren einen hoftnungSireudigen Lichtstrahl entsendet. Mehr als eine Biertlmülion Juden lebt, wie man weiß, in Warschau eng zusammengedrängi: lebte bisher zum großen Teile in bitterster Armut, in unbeschreiblicher Verkommenheit. Der ke.anute schwedische Schriftsteller hat in Begleitung deutscher Osftziere diese Stätten grenzenlosen Jammers ausgesucht; was Böök dort gesehen hat, wirkt in seiner meisterhaften Schiloerung erschütternd und wie ein? furchtbare Anklage gegen die erbarmungslose Härte der fühllosen russischen Despotie, die mit vertierter Grausamkeit bis zum letzten Tage ihrer fluchbeladenen Herrschaft in Polen gewütet hat. „Erst im Ghetto von Warschau," so sagt Fredern Böök, „lernt man das Dasein der Juden des 'Ostens in seiner schrecklichen Wirklichkeit kennen. Betritt man das Viertel, so erstirbt das letzte Lächeln aus den Lippen. In den engen, schmutzigen, winkligen Gassen wimmelt es von Menschen zu allen Tages- und Nachtstunden: es ist wie ein einziger Ameisenhaufen, darin sich die Unruhe niemals legt. Es ist, als ob die Juden auf den Straßen wohnten; ihr Leben ist eine endlose Wanderung, ihre Tage sind endlose Gespräche, endlose Geschäfte. Man kann sich nicht gegen den unheimlichen Eindruck wehren: hier lebt ein Volk von Tagedieben, das harte Arbeit nicht kennt. Man versteht plötzlich die Schändlichkeiten der Pogrome, die rohe Herrschaft der Faust und der Reitpeitsche, den schonungslosen Boykott der Nationalpolen — versteht es mit Schaudern, Mitleid und Gewissensbissen. Aber nicht nur die Straßen sind überfüllt, auch die Häuser sind ebenso vollgepackt mit Menschen vom Boden bis zum Keller. Solche Labyrinthe haben oft fünf Hinterhäuser, und in einem dieser Häuser, das nur zwei Klosetts enthält, wohnen 2000 Juden. Dies erklärt den traurigen Gesundheitszustand der Bewohner. Bon den Fleckfiebererkranlungen entfallen denn auch neun Zehntel aller Fälle aus die Juden. Es ist nicht ganz leicht, im Warschauer Judenviertel eigene Beobachtungen zu machen. Wenn ein Wagen der Kommandantur durch die Straßen fährt, so bilden alle die Beschäftigungslosen dichte Gruppen: wirft man eine Frage hinein, so fuchteln unzählige Arme vor den Augen; die Luft ist von Schreien erfüllt: Antworten kreuzen sich, die Stimmen übertönen einander, fast entsteht der Eindruck einer Prügelei. Kriechende Untertänigkeit, haltlose » ' is i Jeder treue Jude zeichnet die fünfte Kriegsanleihe

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