Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 47 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 768 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 47 O ran sch hilfreich Kur Seite. Bei der Militärbehörde fanden die Herren das weitgehendste Entgegenkommen. Eine größere Anzahl von Kriegsgefangenen arbeitete durch mehrere Monate unter Aussicht eines Unteroffiziers an der Applanierung des 32 Meter breiten und 48 Meter langen Platzes, Oberleutnant Scheuer verfaßte den Entwurf, Feldwebel Rotter vollendete das Denkmal. Dasselbe stellt sich als 12 Meter hoher Obelisk dar und trägt unterhalb des Davidsschildes in deutscher, polnischer und hebräischer Sprache die Aufschrift: „Dem Andenken der in den Kriegsfahren 1914—1916 gefallenen Krieger." Eine vornehm gehaltene Treppe.führt zu den Gräbern, deren jedes durch eine die Personaldaten enthaltende Tafel gekennzeichnet ist. Besonders ergreifend wirkt die Grabstätte eines Brüderpaares, des Regimentsarztes Doktor Bernhard Mund und des Pionierleutnants Adolf Mund, ihnen zur Seite ruht der polnische Legionsoffizier Blauer, etwas weiter die Leutnants Greyb und Landau. Auch ein russischer Regimentsarzt hat hier seine Ruhestätte gefunden. Die Feier selbst, deren Arrangement von der Kultusrepräsentanz im Einvernehmen mit der Militärbehörde getroffen wurde, vollzog sich im Beisein der Spitzen der Militär- und Zivilbehörden wie auch zahlreicher Deputationen und nahm einen sehr schönen Verlauf. Auf dem mit Tannenreisig geschmückten Platz? vor dem Denkmale war um die angesetzte Stunde eine Ehrenkompagnie des Bukowinaer Hausregimentes mit der Musikkapelle und eine Abordnung der polnischen Legionisten aufmarschiert. Auch die Zöglinge des Kriegs^- und Gemeinde- Waisenhauses hatten dort Aufstellung genommen. Zur gleichen Zeit begann die Auffahrt der Gäste. Es hatten sich eingeffrnden: Stadtkommandant General Rimmel von Alt-Rosen bürg, Major Bittner in Vertretung des II. Armeekommandos, Major B i l w. i n alswom Etappen- S rationskommändo, in Vertretung der deutschen Armee ' der bayerische Oberstleutnant Becker mit mehreren deutschen Offizieren und Aerzten, Oberst Ljubanowicz in Vertretung der österr.-ungar. Kriegsgräberinspektion, her Konrmandant der MMärpolizei Major Nestorowicz, Oberleutnant Dr. Pick von der Expositur des Landwehrkommandos, ferner Deputationen sämtlicher Militärspitäler, die Oberleutnants Dr. Hauer und Glückmann in Vertretung des hier stationierten Ersatzbataillones; ferner w aren anwesend: Polizeidirektor Hofrat Dr. R e i n - länder, der Regierungskommissär der Stadt Lemberg . Bezirkshauptmann Grabowski mit seinem Stellvertreter Hofrat Prof. Fiedler und den Mitgliedern des Beirates, ein Vertreter des deuffchen Generalkonsuls, der Regierungslommisiär der Kultusgemeinde Dr. Emil P a rn a s mit den Mitgliedern des! Beirates Dr. Masse r. Dir. Karczynski, Dir. Oran sch, Oberfinanzrat Dr. Grab scheid, die Mitglieder des Spitalsrates und der Tempelverwaltung, der Präses des Jüdischen Rettungslomitees Pros. Dr. Bromberg mit dem Generalsekretär Rüben za hl, eine Abordnung des Handwerkervereines „Jad Charuzim", außerdem zahlreiche Gemeinde- Mitglieder aller Richtungen. Außer der ausgesuchten Truvpe sah man auch eine Abordnung deutscher Soldaten. Die Ehrengäste wurden von den Repräsentanten der Gemeinde begrüßt und in den für sie reservierten Raum geleitet. , Die Feier wurde durch ein hebräisches Gebet des konservativen Rabbiners Br a u d e eingeleitet, der Tempelchor sang das Schiwissi, Oberkantor Seitz das El mole rachamim-Gebet sehr ergreifend, worauf Rabb. Dr. Guttmann anschließend an das' Gebet Menucha Nchauno eine warmenrpfundene Gedenkrede hielt, die, nach Inhalt und Form vollendet, auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Dieser Ort, sagte der ehrwürdige Redner, bedarf erst Seiner besonderen Einweihung, denn diejenigen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, Haben ihn durch ihre todesmutige Tapferkeit selbst geweiht. Gleich der Stimme vom Horeb, rufen uns diese stummen Gräber zu: „Schüttelt den Staub von eueren Füßen, denn der Ort, auf dem ihr stehet, ist geheiliget." Redner betonte, daß die heutige Feier nicht nur den hier Ruhenden, sondern auch der Erinnerung an jene Tausende unserer tapferen Brüder gelte, deren irdischen Reste weithin verstreut, an den Ufern des Jsonzo, auf Alpengletschern, in den Pässen der Karpathen oder in der russischen Sandwüste in Massen^ gräöern ruhen. Der Umstand, daß auf diesem Friedhof auch diejenigen, die Äs Feinde in unser Land gekommen waren, eine ehrenvolle Ruhestätte gefunden, läßt in uns die Hoffnung leimen, daß der Tag nicht fern sei, an dem sich die heute entzweiten Völker miteinander versöhnen und die einstigen Gegner als u n ser e Fre un b e b i e G rab stä tten der Ihrigen in unserem Lande besuchen werden. Nachdem noch Herr Kurzer im Namen des Spitalsrates einige warme Worte gesprochen, hielt Regierungskommissär Dr. P a r n a s eine Ansprache, in der er ausführte, daß "die Juden überall ihre Bürger- und Soldatenpflicht voll und ganz erfüllt haben. Dann richtete er an den Stadtkommandanten das Ersuchen, das Denkmal zu enthüllen. Generalmajor von Rimmel dankte der Generalrepräsentanz für die freundlichen Begrüßungsworte und betonte u. a., daß dieses Denkmal für alle Zeiten Zeugnis von der patriotischen Gesinnung der Juden und der todesmutigen Tapferkeit der jüdischen Soldaten ablegen werde. Während die Hülle fiel, intonierte die Militärkapelle die Kaiserhymne, worauf Feldrabbiner Fischer eine temperamentvolle Schlußrede in ungarischer Sprache hielt. Seitens der Kultusrepräsentanz, des Spitalsrates und des deuffchen Konsulates wurden Kränze am Sockel des Denkmales niedergelegt. Wenn auch der Anlaß ein trauriger war, der dieser Feierzugrundelag, so war es doch ein Ehrentag,- dessen Bedeutung weit über? die Gemarkung unserer Gemeinde hinausgeht. Unseren tapferen Brüdern sei ewiger Frieden. Was sterblich «an ihnen war, wird die Lemberger Gemeinde mit treuer Sorgfalt umgeben, ihr Andenken jedoch wird auch den künftigen jüdischen Generationen heilig sein. _ B . . . . tDermtscbtee, Me neue Kriegsanleihe. Abermals ergeht der Ruf an alle Bürger des Staates', ihrer patriotischen Pflicht zu entsprechen und die neu aufgelegte Kriegsanleihe zu zeichnen. Wie trotz stärkster feindlicher Anstürme unsere tapferen Truppen sich als unbesiegbar erwiesen haben, so müssen die Daheimgebliebenen den Nachweis erbringen, daß wir auch finanziell nicht zu besiegen sind. Je deutlicher dieser Nachweis erfolgt, umso eher kann mit einem Ende des furchtbaren Ringens gerechnet werden. Wie bei den früheren gleichen Anlässen, ist auch in diesem Falle eine hervorragend starke Beteiligung der jüdischen Kreise zu erwarten. Denn jeder treue Jude ist verpflichtet, auf die neue Kriegsanleihe zu zeichnen. Wien. Die „O e st e r r. - I s r a et Unio n" veranstaltet Samstag, den 9. Dezember, halb 8 Uhr abends, im großen Saale des! Hotel „Continental", 2. Bezirk, Taborstraße 4, eine Vereinsversammlung, in welcher Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen Vortrag unter dem Titel: „Kaiser Franz Josef und die Stellung der Juden in Oesterreich" halten wird.