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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-24 · 46 (24.11.1916) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
46 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 776 Tr. Bloch's Wochenschrift m. 46 C « «A * c 9 T> C w D 3 3 V kam jeder rechtliche Unterschied zwischen Christ?n und Juden in Fortfall. Die gegenwärtige jüdische Gemeinde Korfus setzt sich aus verschiedenen Nationalitäten zusammen. Als im Jahre 1493 Ferdinand der Katholische in kurzsichtiger Verblendung seine jüdischen Untertanen in die Fremde stieß, fanden zahlreiche spanisch-jüdische Familien eine neue Heimat in dem meerumrauschten Korfu. Nach einem halben Jahrhundert sollte sich auch der Wohlklang der italienischen Sprache mit der spanischen und portugiesischen vermählen; denn da trug die blaue Meereswcllc eine starke Kolonie verbannter Juden aus Apulien alt Korfus Ztrand. Die sprachen verschmolzen allmählich zu dem noch jetzt gesprochenen Dialekt, einer Mischung von italienischen und griechischen Worten, der dem Griechen wie dem Italiener gleich unverständlich ist. Die italienischen Flüchtlinge gründeten mit ihren spanischen Glaubensgenossen eine Synagoge, die zum Unterschied von der ältesten „griechischen" die „avülische" oder ..spanische" genannt wurde. Die im Jahre 1558 400 Mitglieder umfassende Gemeinde verdreifachte sich im Lause der folgenden zwei Jahrhunderte und zählt geaentvärtia an 3000 Seelen. t;tterahtr. Das Judentum von Jesus dis zur Gegenwart. Von Lic. theol. Paul F i e b i g, Gymnasialoberlehrer in Gotha. Verlag Paul Siebeck, Tübingen 1916. Vorliegendes Büchelchen, das im ganzen 67 Seiten stark ist, behandelt eigentlich nur die jüdischen Gebete, mit deren Geist es die deutsche christliche Gegenwart vertraut machen will. Es ist nämlich ein Teil der religionsgeschichtlichen Volksbücher, welche der oben genannte Verlag herausgibt. Dem Verfasser must das ungeteilte Lob ausgesprochen werden, dast er sich bei Behandlung dieses schwierigen, aber auch heiklen Stoffes einer sehr rühnrenswerten Objektivität befleißigt, wie es dem wahren Gelehrten geziemt. Damit der vielversprechende Titel nicht enttäusche, nennt der Verfasser diese seine Schrift eine ..kurze Skizze". Um die Entwicklung der Gebete klar auseinandersetzen zu können, bespricht der Verfasser auch das Parteileben im Judentum, berührt die Kabbala und den Chassidismus, die bleibende Spuren in der jüdischen Liturgie zurückgelassen hatten, und zeigt sich in der rabbinisch-halachischen. wie agadischen Literatur sehr gut orientiert. Hat doch her Verfasser bereits einige Mischnatruktate des babylonischen Talmud übersetzt und schon 1912 ein ausgezeichnetes Buch unter dem Titel „Judentum in Religion, Geschichte und Gegenwart" herausgegeben. Mit Recht meint daher der gelehrte Verfasser. dast das Studium ,,der mitten unter Christen lebendigen jüdischen Religion" wichtiger sei. als die Erforschung der „Primitiven". der Inder und Chinesen. Der Verfasser lobt die Eigenschaft des jüdischen Volkes, sich dem Studium seines Schrifttums hingegeben zu haben, wodurch es trotz des Verlustes der nationalen Selbständigkeit „innerlich gefestigt" wurde. Und sehr richtig hebt der Verfasser die Tatsache rühmend hervor, dast das Judentum des Mittelalters trot grausamer Verfolgung, der es ausgesetzt war. eine reiche geistige Tätigkeit entfallet habe. Hie und da unterlaufen dem Verfasser einige Unrichtigkeiten. So sagt er z. B.: „P b i l i p p s o n hat auch die jüdische Konfirmation (Barmizwah-Feier) eingerichtet, bei der nach Schluß des 13. Lebcnsjabres der jüdische Knabe ein Stück aus der Bibel vortragen must." Als Kenner des jüdischen Schrifttums und als Uebersetzer der Sprüche der Väter batte es der Verfasser nicht übersehen dürfen, dast bereits Rabbi Moses Isserles (1552 Mitglied des Rabbinats in Krakau, gest. 1572) auf Grund der Sprüche der Väter. V. 21, und babyl. Talmud, Traktat Succa, 42 a, und Abraham Abele Ha-Ievi Eombiner (gest. 1691 in Kalisch) entscheiden, dast zwei oder gar drei Monate vor dem vollendeten 13. Lebensjahre der jüdische Knabe Barmizwah wird und verpflichtet ist, mit Tephilin das tägliche Morgengebet zu verrichten. Diese jüdische Barmizwah, die. wie die oben genannten Dezisoren behaupten, zu ihrer Zeit bereits als bestehend gegolten hat, Hai mit der sogenannten Konfirmation, die Geiger und Philippson eingeführt und in ganz anderer Form auf Mädchen übertaaen haben, ni<V das Geringste gemein. Bei Besprechung des Pestach-Festes und dessen Liturgie fertigt der Verfasser die Ritualmordfabilisten mit Verachtung ab. Wir haben es hier mit einem fleißigen und gründlichen Gelehrten zu tun, der mit Liebe sich in seinen Gegenstand vertieft. So manches in seinen Schriften erinnert an Franz Delitzsch und Theodor N ö l d e k e. Vorliegendes Schriftchen, das für die deutsche christliche Gegenwart geschrieben ist, verdient auch von gebildeten Juden gelesen zu werden. Virovitica. Rabbiner Dr. Kaufmann. „Der Jude". Eine Monatsschrift. Herausgeber: Dr. Martin Buber, Heppenheim a. d. Bergstraße (Hessen). Verlag R. L ö w i t. Abteilung „Der Jude", Berlin N. 37, Weitzenburger Straße 6, und Wien. 1. Bez., Wollzeile 6. Heft 8. Inhalt: Nationale Erwählung und nationale Besinnung. Verl Locker : Die allgemcinrn Gesetze der Assimilation und die Ostjuden. - Roberi Welt sch: Ein Feldpostbrief aus dem Osten. - Jakob Klatzk i n : Grundlagen des Rationaljudentums. Ernst Elijahu Rappe p o r t : Ketzerworte des Dr. A. A. Nieser. — M. I. biy G o r i o n : Alljüdische Geschichten. Martin B u b e r : Chassidisches. — Bermerkungen. Daten und Materialien. Preis Kr. 3.50 vierteljährlich, Kr. 14. jährlich. Briefkasten. Kaffeehaus Leopoldstadt. Es ist ja nicht das erstemal, daß die „Arbeiterzeitung" antifemitelt. Sie kann hier ruhig, trotz aller Gegensätze, der „Reichspost" die Hand reichen. Jedes Kind weiß heutzutage, daß die Spekulation in Skodaaktien nicht allein zu den Hauptgegenständen des mühevollen Erwerbes der Börsenjuden gehört, sondern, daß darunter eine erkleckliche Anzahl von Ariern figuriert. K. F. In Bezug auf die hebräische Urkunde über das Seeversicherungswesen im 16. Jahrhundert verweist Herr M. Schwarz auf das Talmudtraktat Baba Kama 116b, wo von Versicherungen zu Land und zur See die Rede ist: iiest rviisn ib isarir -jo bzx? mnn*? p~.Enpj pair"*, rnzssVE bzv <nvr\-b - vin nan ib mns rrrsD 'h Tör rrrao Notiz. Jüdische Bühne. Direktion S. P o d z a in c z e, 2. Bez., Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). Wochen -Programm : Freitag, den 24. Nvv.: „Erste Liebe". Samstag, den 25. Nvv., nachmittags halb 4 Uhr: „Gabriel"; abends 8 Uhr, Neu, zum erstenmale: „Vas Schewa". Sonntag, den 26. Nvv., nachmittags halb 4 /Uhr: „Claim in Amerika"; abends 8 Uhr: „Bas Schewa". Montag, den 27. Nov.: „Jüdele". Dienstag, den 28. Nov.: „Alexander". Mittwoch, den 29. Nov.: „Der Satan im Paradies". Donnerstag, den 30. Nov.: Eordin-Abend: „Kreuzer-Sonate" von Gordin. Li itOb.'n.r Fanny Gpdpmann-Stif.u.tg für K.auir VolbliliM Grjchlechtes. Anzahl der Plätze: Einer oder zwei im Betrage von zusammen Kr. 73.—. B^werbungsberechtigt sind: Arme israel. Kranke weiblichen Geschlechtes. Veriierhupgstag: 29. Januar 1917 (6. Schebat). EesuchsbrUagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Krankheitszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1916. EUreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Der Vorstand der israel. Kultusgrnreinde Wien. KRAUT^ Ich kaufe 5 Waggon Koscher-Sauerkraut, welches jedoch unter Aufsicht eines von mir bestellten Vertrauensmannes hergestellt wird. Offerte mit Preisangabe erbeten an Bernhard Holbauer, Präsident der Volksspeisehalle »Einheit« Wien, II., Malzgasse 12. besre Hahrung für Säuglinge. Minder. Rekonvaleszente nach Magen u. Oarmerkrankungen Jederzeit erhältlich. Probedosen gratis durch die Nestle-Gesellschaft, Wien I., Biberstr. 23 m. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch

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