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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-24 · 46 (24.11.1916) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
46 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jeder treue Jude zeichnet die fünfte Kriegsanleihe. Seite 770 M. Bloch's Wochenschrift Nr. 46 der Hochverratsprozeß gegen den bekannten russischen Schriftsteller Koro lento wegen Veröffentlichung einer Druckschrift statt. Anlaß zur^Klageerhebung bot ein Artikel Korolenskos in der Sache Beilis. Nach den „Birshewija Wjedomosti" ist Koro len ko seit Tolstois Tod der größte russische Dichter. Das Blatt betont, in keinem kultivierten europäischen Staate 'würde einem Schriftsteller von solchem Range eine derartige Unbill widerfahren, wie sie K o r o l e n k 0 drohe. Er mußte die rücksichtsloseste Behandlung über sich ergehen lassen, nur weil er den Mut ausbrachte, für eilten arnren, schrecklich verfolgten Menschen mit dem ganzen Gewicht seines Ansehens einzutreten. Die gesamte ^russische und ausländische Intelligenz sähe mit größter Span-- nung diesem Sensationsprozeß entgegen und gäbe der Hoffnung Ausdruck, daß fein Ausgang der feindlichen Presse keine Gelegenheit zu einein Driumph verschaffen werde. __ Spanische Reue. Unter den ottomanischen Juden, die die französische Regierung als feindliche Ausländer aus dem Lande auszuweifen oder als Zivilgefangene zu behandeln verordnet hatte, fanden sich zirka 2000 Sephardim, Abkömmlinge der einst aus Spanien ausgewie,enen Juden. Diese ihre „Zugehörigkeit" zum spanischen „Vaterland" bewahrte sie vor der Härte der französischen. Maßregeln. Der spanische Botschafter in Frankreich bat nämlich die französische Negierung, diese sephardischen Juden, die „nach Sprache, Sitte und Geschichte eigentlich Spanier seien", nicht gleich den anderen feindlichen Ausländern zu behandeln und auf sie diese Maßnahmen nicht in Anwendung zu bringen. Die spanische Oeffentlichteit, die für die „ehemaligen spanischen Bürger", denen gegenüber sich das spanische Volk für die einst begangene Mißhandlung in inniger Reue verpflichtet fühlt, wiederholt ihre Sympathien ausgedrückt hat, unterstützte auch in diesem Falle die Forderung des spanischen Botschafters. Nachdem die Bitte der spanischen Regierung bewilligt war, erhielt Briand von den Vertretern der spanischen Intellektuellen ein Dankschreiben für diese Gastfreundschaft, die die französische Regierung den „ehemaligen Spaniern" entgegenbrachte, den „entrissenen Gliedert: des spanischen Voltes, die in itc Fremde leben" und die trotz der langen Zeit „die Erinnerung an Spanien, seine Sprache und Sitte treu bewahrt haben". „Pro Jsrsele." In der italienischen Oeffentlichkeit ist seit geraumer Zeit viel von dem Problem der Judenfrage die Rede. Bekanntlich ist ein nichtjüdisches Komitee gegründet worden, das die Kreise der italienischen Intelligenz, < in einem Aufruf dazu aussorderte, für die jüdischen Jnteressen einzutreten. Den Text dieses Appels hat, wie jetzt bekannt wurde, die italienische Journalistin Elga Ohlsen verfaßt, die sich schon öfters in Aufsätzen mit dem Problem des jüdischen Volkes beschäftigt hat. Den: Komitee haben sich berühmte italienische Persönlichkeiten angeschlossen, darunter auch Deputierte der italienischen Kammer, Universitätsprofessoren, Advokaten, Journalisten usw. In dem Zirkular, das das Komitee Versands hat, wird die italienische Gesellschaft über die rechtliche Lage des jüdischen- Volkes und über Bestrebungen in anderen Ländern, ihm überall die Gleichberechtigung zu verschaffen, aufgeklärt. In diesem Zirkular heißt es am Schluß: „Um dieses Ziel besser zu erreichen, ist es nötig, daß an der Bewegung möglichst viele nichtjüdische Elemente teilnehmen". Es wird in dem Rundschreiben vorgeschlagen, eine Bewegung für die jüdischen Interessen ins Leben zu rufen, die mit ähnlichen Bestrebungen unter der Leitung des Senators Mazzini in Florenz und des Advokaten Sabbatino Lapel in Mailand parallel tätig sein soll. Das Ziel der Bewegung, das auf einer Konferenz festgesetzt wurde, ist die Forderung der Gleichberechtigung für die Juden in allen Ländern und die Aufstellung dieser Forderung bei den nach Beendigung des Krieges einsetzenden politischen Verhandlungen. Tod des englischen Philanthropen Sir Jakob Sassoon. Aus Bombay kommt die Nachricht, daß Sir Jakob Sassoon, Chef der Bankfirma E. D. Sasson and Co., gestorben ist. Sir Jakob, der im Jahre 1844 geboren wurde, war ein Enkel des bekannten jüdischen Bankiers David S a s s o o n, der das nachmals weltberühmte Bankhaus zu Bombay gegründet hat, das durch nahezu ein Jahrhundert mit der Entwicklung Bombays zu einem Welthandelsplatz eng verbunden gewesen ist. David Sassoon starb im Jahre 1854 und hinterließ sein Bankgeschäft seinem Sohne Elias, der es unter der Firma E. D. Sassoon and Co. bedeutend erweiterte und Zweigsilialen in den Bertragshäfen Chinas sowie in Hongkong und Schanghai errichtete. An diesen Filialgründungen nahm der nachmalige Baronet tätigen Anteil, und als 1880 sein Vater starb, kehrte er mus China nach Indien zurück, um gemeinsam mit seinen beiden Brüdern, jedoch als Chef der Firma, das ganze, weitverzweigte Geschäft in seine Hand zu nehmen. Unter seiner kundigen Leitung wurden Filialen in London, Manchester, Japan, Persien, Arabien, Kalkutta Md Curachee eröffnet, wobei Bombay das Zentrum blieb, von dem aus die weitverzweigten Geschäfte des Bank- und Exporthauses ausgingen. Sir Jakob war einer der größten Philanthropen Indiens, wobei er der von seinem Vater und Großvater begründeten Tradition folgte. Die Sassoons sind eine der ältesten und bekanntesten jüdischen Familien Ostasiens. Der Vater des eingangs genannten David Sassoon war ein reicher mesopotamischerKaufmann und lange- Jahre Schatzkanzler des türkischen Gouverneurs von Bagdad. Die Sassoon werden nicht mit Unrecht die „Rothschild des fernen Ostens" genannt. 1900 wurde den: verstorbenen Jakob Sassoon die englische Baronetswürde verliehen, die nunmehr mit seinem Tode an seinen in London lebenden Bruder Edward Elias übergeht, dessen beide Söhne als Offiziere in der britischen Armee dienen. Breslau. (Eine . Jubelfeier . im Jüdischtheologischen S e m i n a r.) Der 5. November, der Tag, an dem Prof. Dr. Brann vor 25 Jahren seine Lehrtätigkeit im Jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau begonnen hat, gestaltete sich zu einen: Ehrentage der jüdischen Wissenschaft. An dem schönen Sonntag strömten Scharen von Gästen in bä*1 Haus des Jubilars, die ihm Glückwünsche, Blumen und Spenden aller Art, unter denen eine große kostbare Silberschale als Gabe des Kuratoriums der Fraenckelschen S t i f t ungen hervorragte, in reicher Fülle darbrachten. Die ersten, die da kämen, waren die Vertreter der Körperschaften, die an der Feier am nächsten beteiligt waren: das Lehrerkollegium und die Hörerschaft des Seminars und das Kuratorium d e r F r a e n ck e l s ch e n Stiftungen, deren Sprecher, Professor Dr. Leoy, Dr. Sch ist an und Stadtrat M a r ck, künstlerisch ausgestattete Adressen als dauernde Merkzeichen des Dankes für segens- und erfolgreiches Wirken überreichten. Mit ehrenden Worten wird in diesen Adressen des ruhmvollen Forschers gedacht, der als der ebenbürtige Schüler und Nachfolger seines unsterblichen Lehrers, des Professors Graetz, dessen Amt in vorbildlicher Weise weiterführte und sein

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