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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-24 · 46 (24.11.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
46 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Fayrgang XXX11I Nr. 46 Dr. Bloch’s Zentralorsan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. OLr . — -=0O p A. kr. Postsxarkraksenanli Slearing-Verkebr ' Mr. 810.976. NcdaMon und Administration: Wien H/i, Praterstraße 9 5 Telephon 45.359. oO - - ■ r-On Wien. 24. November 1916 Erscheint jeden Freitag, Brief-Adresse: Wie«, Ü/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O c^- - - -oo p Verugopreis für Oesterreich: 0* Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare .'.0 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 1V Lronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mc>l gsfpal» S lene Prtitze'.le 48 Heller. 4 Inhalt: Leitartikel: Kaiser Franz Josef I. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Ein Jude zum General-Oberstabsarzt befördert. — Zum zweitenmale ausgezeichnet — Auszeichnung zweier Lebensretter. — Deutsche Auszeichnungen. — Aus dem goldenen Buche der Armee. — Jüdische Familien aus Holleschau im Felde. — Liste der vom 15. September bis 15. Oktober in Wien beerdigten Offiziere und Mannschaften. — Eine Episode aus der neunte» Jsonzoschlacht — Gottesdienst im Felde. - Die Erlebnisse des Austauschinvaliden Goldsteiu. — Rumänische Juden an der Front. — Korrespondenzen: Die Flüchtlinge in Oberösterreich. — Jüdische Kundgebungen anläßlich der Proklamation Prlens. — Die erweiterte Autonomie Galiziens und die Zionisten. — Große Stiftung für die Aktion zur Rettung verlassener Kinder Galiziens. — Errichtung eines Kriegswaisenheimes durch den Verein „Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswcnsen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen" in Wien. - Kultusgemeinde-Organisation im Generalgouvernement Warschau. — Was sie in Graz sür Sorgen haben! — Der russische Schriftsteller Koroleuko vor Gericht. - Spanische Reue. — „Pro Jsraele." — Tod des englischen Philanthropen Sir Jakob Sassoon. — Breslau — Vermischtes. — Feuilleton: Das Ghetto in Korfn. — Lite atur. — Briefkasten. — Notiz.— Inserate. IkAiser Franz Aoset I. Mitten in den Stürmen des Weltkrieges ist unser alter Kaiser 'zur Ruhe gegangen. Ein Neuzigjahriger fast, hatte er sich eine Rüstigkeit des Körpers und eine Frische des Geistes bewahrt, die ihn befähigten, den Erregungen der Zeit standzuhalten, den politischen Weltlauf aufmerksam zu verfolgen und sich unverdrossen den mehr als je gehäuften Regierungsgeschäften zu widmen. Als hochbetagter Greis hat er noch die ungeheuerste Erschütterung, den opferschwersten Krieg erlebt, der jemals die Existenz der Monarchie gefährdete. Aber er durfte auch noch das Schauspiel genießen, wie dieses alte Reich ungeahnte Jugendkraft des Widerstandes und der Lebensbehauptung entwickelte, und konnte, in neugestärktem Vertrauen auf die Zukunft der Monarchie, ruhig sein Haupt zum ewigen Schlummer hinlegen. Unter den Völkern dieses weiten Reiches, die sein edles Herz mit gleicher väterlicher Liebe umschloß, ist keines von solch inniger Dankbarkeit erfüllt für sein segensreiches Walten wie das Volk der Juden. Franz Josef I. Bild hängt in der guten Stube des Juden neben dem Porträt des vom schönsten Ruhm umstrahlten Josef II., neben allen Bildern, vor welchen jüdische Dankbarkeit einen unsichtbaren Altar errichtet hat. Denn Franz Josef I. war es, der die Tore des Ghettos aufaerissen hat, unter seiner glorreichen Regierung schrillen gedrückte Gestalten aus der Judengasse, um stolze Bürger des Reiches zu werden. Nach dem Märzsturme von 48 kam der Frühling auch für die Juden. Eine nach dem anderen fielen bie; Schranken, hinter denen man sie als Heloten des Staates gehalten hatte. Abgedankt die zahllosen Behörden, die uns von der Wiege bis zum Grabe Vormund sein rollten und zeitlebens Tyrannen waren. Äbaefchafft der ver haßte Zwang zu Geldgeschäften, deren letzte Zinsen der Zorn des Schuldners sind. Nicht nur die freien Be' rufe, jeder Beruf wurde deri Juden frei. Und vor allem das königliche Gescheut: man gab den Juden die Mannes ehre. Keine Paßvorschriften, leine Kovssteuer, leinen an gewiesenen Wohnsitz, reine von den Lasten mehr, unter denen das Herz und der Charakter zusammeuschrnmvsen. Unsere Väter wußten uns viel Leides zu erzählen: daß wir sie anhörten, ohne wie ein leiblicher Zeuge emv finden zu können, verdanken wir der Wüto dieses Für - sten, der bereitwilligst und sogleich seine Zustimmung gab, wann immer durch die Regierungen und Paria mente nach vielen Jahrhunderten de n Judenvvlte wieder Menschenrechte gegeben werden sollten. Diese Bereitwilligkeit war nicht da? Ergebnis kühler Berechnung, nach welcher alle Kräfte im Staate zu nütz licher Mitarbeit herangezogeu werden sollten. Sie entsprang der Herzensgüte, sie folgte dem Verständnis für die Kultur dieses Jahrhunderts. Sein Edelsinn wies scharf die Zumutung zurück, den Zufall der Geburt einem Menschen zum Vorwurf zu machen, und persönlicher Widerwillen trennte ihn weltenweit von den Leuten, welche die Brutalität des großen Hausens gegen die hilflose Minderheit aufstacheln, um eine Rolle svielen zu können. Vor Jahren schon erstickte ein Kaiserwort die Gefahr rumänischer Zustände,

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