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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-17 · 45 (17.11.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
45 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 746 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 45 für „Deutschland, Deutschland über alles", qualifizieren sämtliche nich.germanifche, dunkelhaarige Nationen der Erde als Ntederrapen, träumen mir Wilfer, Ehamberlain und Genossen.,vom Germanentum als Salz uec Erve, auf dessen Einschlag alle geistige Probmtivi.är der Menschheit zurückzu,üyrm ,em sock. Die-Wirchichireit, die LarsL-^Lcyen Werte werden gar nicht zur Kontrolle herangezogen, über die Tatsache, daß geraoe Leute von süolänoffaMi Typus, dunkelhaarige, uu he^vorragenostm Reptchen.unten der germanischen Kultur sind, wie Luther, Dürer, Shakespeare, Goethe, Beethoven u. v. a., wird hinweggeschaut und mit blindem Eigensinn, aus reiner Phantasie, werden die Vertreter der großen südlichen Geistigkeit, die Schöpfer der Renaissance, die großen, hellenischen Denker und Dichter, die Gründer des Christentums zu Nachkommen von germanischen Einwanderern umgestempelt. Die hohe Meinung der Germanen von sich ist kein Analogon zu dem oft auch bei objektivistischen Nationen von hoher Kultur vorkommenden egozentrisch chm Selbstgefühl. Das deutsche Selbstbewußtern ergab sich aus der inneren Veranlagung der Deutschen noch in der Zeit vor dem großartigen Ausstieg der deutschen Kultur, noch, vor Königsberg, Weimar und Bayreuth. Die. Ueoerzeugnng von der eigenen Ueberlegenheit tritt schon iit früheren Jahrhunderten entgegen, wo von einer wirklichen Suprematie nicht die Rede sein konnte. Schon im Jahre 1577 bezeichnete Albert Oelmger im Gegensatz zu den Sprachen acker westlichen Nachbarvölker, zu Italienisch, Spanisch, Französisch Englisch, die ..aus der Verderbnis ihres Ursprungs entstanden sind" p-x curruptioue origims surieiiaiae/, die deutsche Sprache als der griechischen, hebräischen oder lateinischen Sprache ebenbürtig, da „sie aus sich selbst entstanden und durch sich selbst besteht" (ex se mua et per se ijj>am.xousja.uO.,3) Eine ähnliche Ansicht vom Range der deutschen Sprache, dem bloß Latein, Arabisch und Griechisch gleichkommen, äußerte der Herausgeber der Gesammelten Schriften von Paracelsus im Jahre 1616 in Straßburg. Die Ueberhebung über die Welschen läßt sich bei den germanischen Völkern feftstelren sogar noch in jenen Jahrhunderten, als sie in dunkelster Barbarei stecken. Liutprand, der Bischof von Cremona, schreibt um das Jahr 972: „Wir Langobarden, Sachsen, Franken, Lothringer, Bayern, Sueven, Burgunder verachten so die Welschen (Romani),, daß im Zorn gegen einen Feind wir kein anderes Schimpfwort als: Welscher! sprechen, unter diesem einzigen Worte verstehen wir alle Schändlichkeit, Feigheit, Geiz, Verschwendung, Lüge und sonst alle anderen Fehler."^) Im 8. Jahrhundert heißt es in einem lateinisch-deutschen Glossar aus Kassel, das Diez herausgab: „Tole sint Wal ha, spähe sint Peigira; iuzie ist spalii in Wailiura*4 (Dumm ist der Welsche, gescheit ist der Bayer; klein ist die Vernunft bei den Welschen). Im Prolog zum Gesetz der Salischen Franken, dessen Grundform aus Chlodwig, um die Wende des 5. Jahrhunderts, zurückgeht, lautet es: „Das berühmte Volk der Franken wurde von Gott, dem . Urheber, gegründet, stark in Waffen, fest im Bunde des Friedens, tief im Rat, wohlgestaltet, edel usw." „Es lebe, wer die Franken liebt, Christus schützt ihr Reich, ihre Führer erfüllt er mit dem Lichte seiner-Gnade." Der Prolog begnügt sich nicht mit dieser Anpreisung der Franken, er übergeht bald zu einer Ueberhebung über die Römer. Die Franken „sind das Volk, das..von seinem Nacken das sehr harte Joch der Römer abschüttete und die Körper der 3) Albertus Oelmger: lnslilutionpL veiaegermameae in^uae Argpntorai' M I XVil. 4) Liutprandus: De legationp Cons anlino oliti; a M'gne Patrologia.iatmu CXXXVI. Märtyrer, die die Römer im Feuer verbrannten, oder mit dem Eisen zerhauten, oder den wilden Tieren zum Zerrerßm vorwarfen, mit Gord und Edelsteinen schmückten"?) Die Germanen standen in einem egozentristischen Gegensatz zu aller Welt, zu allen sonstigen Völkern der indogermanischen Sprachverwandtschaft, bereits im heidnischen Altertum. Die Mythologie der Germanen zeigt schroffen Widerspruch zu der Götterwelt aller sonstigen europäischen und indischen Arier. Der indogermanische Himmelsgott, der als Zeus bei den Griechen, als (Dju) Jupiter bei den Römern, als Djauspiter bei den Hindus die höchste Verehrung genoßt erscheint in der germanischen Edda als Ziu, atk nebensächlicher Kriegsgott, als Schwertgott neben Odin, ja oft sogar als inferiorer Gott des widernatürlichen Krieges. Die oberste Gottheit der südlichen Arier erfuhr bei den Völkern des germanischen Nordens eine Degradation, die Religionssorschern bereits oft auffiel. Ein noch viel ärgeres Los wurde einer anderen lichtumskuteten Glaubensgestalt der sonstigen Arier bei der blonden Rasse des europäischen Kontinents gen Mitternacht zuteil. Loki, in der ältesten germanischen Sage Odins Bruder, etymologisch der strahlende Lichtgott, urverwandt mit „lux" (Licht) und „Lynkeus" (der Weitsichtige), tritt uns im germanischen Glauben als Gegensatz des! Lichtes, als Antithese des Feuers entgegen, als der enragierte Widersacher Odins. Loki ist in der germanischen Mythe die Schande der Götter und Menschen, ein Hauptdämon, der die Riesen gegen die Götter anführt?) Zu führenden Gottheiten in der altgermanischen Glaubenswelt schwangen sich lo-. kale Naturapolheosen auf. .Die sonst vom ganzen sonstigen Ariertum nicht beachtete Personifikation der inireren Naturbewegung, des fluktuierenden Wehen *, des Windes, (der Gott Odin-Wodan, wurde an die Spitze des Pantheons der heidnischen Germanen gestellt.') , Die subjektivisti'che Se.bstsL.igkckt der Dm.sch. n zog nach sich ähnliche Folgen wie die der Juden. Der Romane bezeichnete die Germanen des Kontinents als Barbaren par ex.-elleit-e feit ihrem ersten Zusammentreffen bis auf die jüngste Zeit. Kaiser Julian faßte Deutsch als ein Gekreisch wilder Vögel auf. Die germanischen Vandalen wurden in den Augen der romanischen Welt zum Sinnbild aller rohen Verwüstung. Die u.opischche Schilderung von Tacitus in seiner Germania blieb, wie ähnliche Darstellungen über das ideale Leben der Skythen und Gothen, die im Sinne der kynischen Weltanschauung von der Vollkommenheit der von der Kultur nicht verderbten Primitiven versaßt wurden?) als Tendenzmache ohne jeden Einfluß auf die herrschende Ansicht. Um die Wende des 12. Jahrhunderts klagte Walther von der Vogelweide über die Welschen, die in Rom die Alemannen verlachen?) Der oben erwähnte Oelinger wie auch der Herausgeber von Paracelsus hatten im 16. und 17. Jahrhundert gegen die geringschätzende Meinung des. Auslandes hinsichtlich der deutschen Sprache zu kämpfen. Ein Giordano Bruno qualifizierte deutsche Persönlichkeiten, wie Luther und Melanchthon, als Pedanten, die nicht einmal dm Namen Theologen verdienen. In den Chorus' der Verachmng des Deutschtums stimmten selbst der hispanisierte Karl V. und der sranzösisierte Friedrich der Große 5) Lev sali? Pro 2. Auflage, heraus gegeben von I. Fr' Behrend, 170, Weimar 1697. 6) Karl Simrock: Handbuch der deutschen Mythologie, 274, 94, 96. Bonn 1897. 7) O. Schräder: - Sprachvergleichung und Urgeschichte, 597, Jena. 1890. 8) Trüffel: Geschichte der römischen Literatur, III, '25, Berlin 1913. 9) Walther von der Vogelweide: Sämtliche Gedichte, 83 * (Germanistische Handbibliothek, herausgegeben von W. Wilmanns, I, 279, Halle 1369).

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