Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 45 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Yr. 45 Aayrga«g xxjiii och’s ischeNachmschnst. Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. o Cs- -- —-"~0O? K. lr. PvjtI'xÄrkit,'N>n.:nrt Llearing-Verkebr Mr. 810.976. SHebafUon und Administration: Wir» II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. nP— -... .Qo Wien, 17. November 1916 Erscheint jeöen Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O o—- "-- =x?C p Vrxugspreis fite Bester reich: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen.; Ganzjährig 2C Kronen. j Anzeigen: Die 2mal gespal» j b tene Petitze.le 48 Heller. £ Q O-.- -Oo Inhalt: Leitartikel: G.rman?n und Juden. — Kriegsdekorationen indischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Zum zweitem» Ae ausgezeichnet — Soästige Auszeichnungen. — Fe dpostbrief. — Tie hohen Feiertage im Felde. — Zwei Brüder gefallen. — Einweihung einer Grabstätte jüdischer Soldaten. — Die griechischen Juden gegen Benizelos. Präsident Wilson und die amerikanischen Juden. — Kabbala und Kriegsende. — Ter Rabbiner. — Eine jüdische Urkunde des Versicherungswesen im 16. Jahrhundert. Korrespond enzen: Gras Trsza über die Gleichberechn.,ung der Juden in Polen. — Spendenliste für die Plenarsitzung des Kultusvorstandes in Wien vom 15. Oktober 1916. — Der Verein „Kaiser Franz Josef-Kinderhort" zur Aussveisung armer israelitischer Schulkinder des 12., 13., 14. und 15. Bezirkes in Wien. — Die Konferenz der größeren Kultusgemeinden Galiziens. — Ber mischt es. — Feuilleton: Die Anschauung der B.oel über die Aushungerungskriege. — Die Quarantäne und die heilige Schrift. — Lite atnr. — Briefkasten. — Notiz. — Berichtigung. — Danksagung. — Inserate. Fin die geehrten Abonnenten in Ungarn, Kroatien und Bosnien. Unsere geehrten Abonnenten in Ungarn, Kroatien und Bosnien machen wir aufmerksam, daß laut einer neuen Verordnung der königl. ungarischen Poftclirektion ab 1. Jänner 1917 Abonnements auf unser Blatt nach obgenannten Ländern ausschließlich bei den dortigen Poftämtern angemeldet werden müssen. Germanen und Inden. Bon Matthias Mieses. III. Innere Enlotionswerte sind nicht wägbar. Subjektiviftische Naturen sind außerstande, sich selbst sachlich zu werten, die eigenen Proportionen zur Außenwelt richtig abzumessen und * in ein gerechtes Verhältnis zur Umgebung sich zu setzen. Einseitige Innerlichkeit erzeugt introspektiv-optische Täuschungen, ruft ein überspanntes Selbstbewußtsein hervor, verleitet zu phantastischen Vorstellungen von eigener unübertroffener Einzigartigkeit. Subjektivistische Gruppen sind durch ihren Vorzüglichkeitsdünkel charakteristisch. Sie geraten dadurch in einen mißlichen Gegensatz zu aller Welt und!ziehen sich infolge der aus der Disproportion der Vorstellung und der Wirklichkeit entspringenden unablässigen Reibungen allgemeinen Haß und Unwillen zu. Völker mit nach innen gekehrtem Auge wandeln durch die Weltgeschichte vereinsamt. Das repräsentative Volk der Semiten, die Juden, betrachten sich seit jeher als auserwähltes Volk, als Liebling Gottes, als Zweck der Erdengeschichte. Alle Völker des Erdrundes' sind bloß dazu da, um eine Folie zu diesem Stamme der Verehrer des wahren Gottes abzugeben. Juda Halevi, der tiefsinnige Vertreter jüdischen Fühlens und Denkens im Zeitalter der Mauren, formulierte eine ganze Theorie von den Juden als „Herz der Menschheit", als „Kleinod" der Erde.*) Die an materieller Kultur weit überlegenen Nachbarvölker nahmen das Selbstbewußtsein der Juden nicht gerne hin. Die stolze Selbstseligkeit wurde mit gleicher Münze bezahlt. Schon in Bileams Segen, im vierten Buche des Pentateuchs, sind die Juden ein Volk, das „einsam ruht", mit aller Welt entzweit. Die Römer charakterisierten die Juden als „odium generis humani". Im Mittelalter und selbst in der Neuzeit verfolgte ein eigentümlicher Völkerhaß das Judenvolk unter allen möglichen Himmelsstrichen. Nicht geringer wie das der Juden war immer das Selbstbewußtsein der Deutschen. Hölderlin dichtete: ,,O heilig Herz der Völker, o Vaterland!" Friedrich Graf zu Stolberg sang zur Zeit der Befreiungskriege: „Ja, Herz Europas, sollst du, o Deutschland, sein. So dein Beruf." An Deutschland als Herz der Menschheit glaubte auch Paul de Lagarde?) Alle sonstigen Völker sind minderwertig. Lessing sprach mit Verachtung von den Italienern, die sich Römer zu sein einbilden, weil sie aus den C:' rädern der Römer leben. Fichte suchte in seinen berühmten „Reden an die deutsche Nation" aus spracht psychologischem Wege die Inferiorität der Romanen gegenüber den germanischen Völkern nachzuweisen. Tie Slaven behandelte dieser geistige Wortführer des um seine Freiheit ringenden Deutschrums als gm>n itn »egligvable. Von den romanischen Sprachen als ekelhaften Jargons und Patois sprach Schopenhauer. Friedrich Nietzsche wollte im Germanentum das maskuline, initiatorische, schöpferische Element sehen. Den Franzosen soll nach ihm feminine Passivität, Ausgestaltung von fremden Einflüssen eigen sein. Moderne deutsche Patrioten schwärmen E Juda Halevi: Ltusari, I. 103 jZytomir 1863, p. 52 a). -) Friedrich Lienhard: Schillers Gedichtentwurf „Deutsche Größe", Stuttgart 1916.