Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 44 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 44 Lerir 732 Woher kommt cs dann, daß einzelne Blätter in einer gewissen Beziehung machen tonnen, was sie wollen? Gibt es mehrere Sor.en von Burgfrieden, mehrere Sorten Verordnungen für die Blätter, mehrere Lorten von Staatsbürgern? Liese Fragen tauchen auf, wenn man die Zeitung zur Hand nimmt, die unter anderem auch vom Antisemi-.ismus lebt. Man hat ihr zwar den Ton der Gosse und der Gasse eingestellt, aber inan hindert sie nicht daran, die Hetze gegen die Juden au, die verschiedenste Art zu betreiben. Alles wird herangezogen, was diesem edwn Zwecke dienlich sein rann. Ein englischer oder italienischer Minister brauche nur unter seinen Voreltern einen Juden zu haben — ose ist diese Kleinigkeit auch gar nicht nötig und schon wird ihm der gerbe Fleck angehängt, als hätten nicht die Engländer und Italiener Krieg mit unserer Monarchie, sondern die Juden. Es soll allerdings auch unter den christlich,ozialer: Führern Judcnftämmlinge geben odergegeben hauen - in diesem Falle überdeckt jedoch der Parteist^rnpel den gelben Fleck. Es gibt aber auch ganz gewiß christttchfoziale Preistreiber, Aufkäufer, Üebensmittelfchwindler. Warum sind es denn gerade nur die jüdischen, welche in den Spalten der antisemitischen Blätter so tendenziös, ,o einseitig und ausschließlich genannt werden, als ob nur sie allein auf der Welt wären und ihre christlichen Konkurrenten gar nicht existierten. Wir wollen die jüdischen Ucbeltäwr nicht in Schutz nehmen, im Gegenteil, wir wollen aber Gerechtigkeit für alle, wir wollen das Ende der Tendenzmacherei, tvelche sich schließlich an den anständigen Juden ausgeht und nichts anderes ist als das Hep-Hep in anderer Form. Man sollte gar nicht glauben, daß es eilte Papiernot gibt, wenn man so jede Kiste Rostnen vermerkt sieht,, welche ein Jude gelaust har und wegen der er schließlich unter Gerichtssaal säuberlich in der antisemitischen Presse vermerkt wird. Wenn es aber einem Christlichsozialen gilt, dann tritt die Papiernot auf der Stelle ein. Es gibt nämlich auch Lerne von dieser Partei, deren Vergehen und Prozesse wegen Preistreiberei und anderem so groß sind, daß man sie unmöglich ganz verschweigen kann. Dann plötzlich schrumpft die Rubrik Gerichtssaal in der anlisemirijcher: Presse vollständig zusammen. Die Buchstaben werden kleiner, die Zeilen werden knapp, die Berichte werden farblos oder geschminkt. Diese Beobachtung konnte man beim Prozeß des Pfarrers Jvanka, der ein Vorkämpfer der Christlichsozialen in Ungarn und ein Lieferant von „gesalzenem" Vieh war, und im Prozeß des Advokaten Rabenda, der mit den Rathausgrößen intim verkehrte und die Depots seiner Klientel: unterschlug. Während bei der Verhandlung gegen einen jüdischen Flüchtling die Rufzeichen allein ein paar Zeilen ausmachen, macht diesmal.der ganze Bericht nur ein paar Zeilen aus — da ist es halt etwas anderes. Wo bleibt da die Zensur in der gerechten Verteilung der Pflichten? Will man wirklich nur die Juden als die Ursache alles Nebels hinstellen lassen und nicht auch ein bißchen Umschau halten unter den Wählern der Christlichsozialen, unter den Wirten und Greislern, den Obsthändlern und Landwirten? Wir wollen von diesem Kapitel jetzt nicht reden, wir wollen es bloß andeuten, damit unsere Behörden einsehen, daß den Juden mit der Behandlung durch die antisemitische Presse Unrecht geschieht. Man unterscheidet doch bei der Berichterstattung nicht auch zwischen Katholiken und Protestanten und n:an muß es auch nicht tun bei Christen und Juden. Unsere Behörden haben durch die jetzige Vollkommenheit ihrer Macht Gelegenheit, Gerechtigkeit zu üben, und 'sie sollen diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen. Allerdings bliebe von der antisemitischen Presse sehr wenig übrig, wenn man ihr die Judentreiberei wegnehmen würde. Schlecht wäre das jedoch nicht, vielmehr ein Vorteil für den ganzen Staat. Oft genug haben wir darauf verwiesen, daß der Antisemitismus n'cht allein eine Verfolgung der Juden ist. Er ist eine Schule der Hetzerei, der Versumpfung, der Roheit. An den Juden übt man sich und wenn man es nötig hat, wendet man dann das Gekernte auch gegen andere Gruppen von Staatsbürgern an und läßt sich nicht mehr eindämmen, wenn man einmal gegen die Juden freie Hand gehabt hat. So wird der Antisemitismus zur Quelle des Völkerstreites überhaupt und der Fluch unserer Monarchie, der Nationalitätenstreit, rast weiter. Erst wenn alle gelernt haben werden, daß sic gegen keine Gruppe und Klasse mehr hetzen und schüren dürfen, absolut nicht, daß sie die Gesetze Unbedingt und voll einhalten müssen, sogar gegen die Juden, wird wieder die volle Ruhe und Möglichkeit zur gedeihlichen Arbeit eintreten. Daher mögen die Behörden jetzt, da sQ die Vollmacht haben, für den Burgfrieden arbeiten, für den dauernden Frieden, in der Rubrik Gerichtssaal und überall. Kriegsdekorationerr jüdischer Offiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: die Krieg sch e ko ration zun: Ritterkreuz des Franz Jo se f-O rdens in Anerkennung vorzüglicher und^ aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde den: Stabsarzt Dr. Richard Pollak, Garnisonsspital; das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoratior: dem Regimentsarzt a. D. Dr. Emil Glas, Kindt. eines Spitalszuges; den: Regimentsarzt a. D. Dr. Desiderius Steiner, Feldspital; das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoratior: für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Armin Schwarcz, J.-R., Leo Beer, J.-R.; das silb. Signum lau dis am Bande de? Miln tärverdienstkreuzcs (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) dem Oberleutnant :. Ev. Jakob Flei s ch - mann. Res.-Feidhaubitzenregiment; für lapfere? Verhalten vor den; Feinde dem Leutnant .d. R. Mar-iu Weisz, J.-R.; der: Oberleutnants d. R. Karl Bloch, Sappeurbat., Erwin Bern ste i n, Traindiv., Al-red P i r a, J.-R., Dr. jur. Otto Strauß, Feldkäuonen - regiment, Hugo Tauber. Traindiv.; für vorzügliche und ausopferur:gsoolle Dienstleistung vor dein Feinde bcu Oberärzten Dr. Norbert Türk, J.-R., Dr. Artur Glaser, Feldkanonenreg.; für vo züzlichc Dienstleistung im Kriege dem Oberleutnant d. R. Karl Eisler, Fest.-Art.- Regiment; für tapferes Verhalten der: Leutnants d. R. Rudolf Söwy, Feldkanonenreg., Adalbert Munk, reit. Art.-Div.; für vorzügliche Dienstleistung vor den: Feinde dem Oberleutnant d. R. Oskar Reichen bäum, Traindiv.; für tapferes Verhallen den Oberleutnants d. Ev. Leo Heller, Ldstreg., Artur Löwy, Ldwreg.; das S i g r: u m l a u d i s an: Bande des Militärverdienstkreuzes (kaiserliche belobende Anerkennung', für tapferes Verhalten vor derr: Feinde dem Oberleutnant d. R. Friedrich Pollak, J.-R.; dem Leutnant Bernhard Tannenzapf, J.-R.; dem Leutnant d. R. Dr. jur. Oskar Goldmann, Feldhaubitzenreg.; dem Ldst.-Jng.-Leutnant Dr. Ignaz F r i e d, Armeelmdo.; den Oberleutnants' d. R. Bertold Men dl, Fest.-Art.-Reg., Oskar Ehrlich, Tel.-Reg.; dem Leutnarrt d. R. Ernst Hersch, Feldhaüb.-Reg.; für vorzügliche Dier:ste vor dem Feinde dem Ldst.-Oberleulnantauditor Dr. jür.