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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-03 · 43 (3.11.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
43 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zajhgasg 12X111 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unter essen des Zudentums. Wien. 3. November 1916 Lrscbetnr z'eden Fretrag. Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. oo-. — —==00 Vrrugsprrl» für Vestrrrrirh: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Suslilnv: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitze'.le 48 Heller. Q(\— ■ —■ —:—Qn A. k. Postsxarkasfenami Slearing-Verkebr m. 810.976. Red aktton und Administration: wir» II,i. Praterstraße 9. Telephon 45.359 Inhalt: Leitartikel: Germanen und Juden. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Die fünfte Auszeichnung. — Zum zweitemnale ausgezeichnet — Die Kriegs-„Morenu" des Oberleutnants Frisch. — Fünf Söhne und neun Enkel des jüdischen Lehrers. — Acht Söhne., im Felddienste. — Dr. Alfred Fischt. — Das dritte Kind ... - Ein interessanter Feldvosrbrief. — Wie Soldaten ihren Seelsorger ehren. Bei den rumänischen Kriegsgefangenen. - Monatsbericht des Pasteur-Jnstituies in Jerusalem für die Zeit vom 15 August bis 15. September 1916. — Korrespondenzen: Ans der Plenarsitzuug des Kultusvorstandes vom 15. Oktober 1916. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 28. Oktober >9 6. — Wien. „Genial, aber höchst unanständig." — Zur Naturgeschichte des Renegatentums. — Fetdrabbinat in Budapest. — Brüx. — Saaz. — Fürsorge für die jüdischen Soldaten in Klagenfurt. — Vermischtes. — Feuilleton: Der fromme Mann. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. fln die geehrten Rbonnenten in Ungarn, Kroatien und Bosnien. Unsere geehrten Abonnenten in Ungarn, Kroatien und Bosnien machen wir aufmerksam, daß laut einer neuen Verordnung der königl. ungarischen Poftdirekiion ab 1. Jänner 1917 Abonnements auf unser Blatt nach obgenannten Ländern ausschließlich bei den dortigen Postämtern angemeldet werden müssen. Germanen nvd Indrn Von Matthias Mieses. II. Die Germanophilie der Juden dürfte auf tiefliegende, seelische Motive zurückgehen, aus eine psychologische Aehnlichkeit, deren Signatur aus einer ganzen Reihe gleichartiger Objekrivationen des Kultur-, Sprachi- und Gesellschaftslebens sich seststellen läßt. Der Jude ist ein innerlich veranlagter Mensch, der sür die Form, für die äußeren Empsinoungswerte kein Verständnis hat. „Es möge dich nicht die Weisheit Griechenlands täuschen, sie hat nur Blumen, aber keine Früchte," heißt es beim jüdischen Philosophen und Dichter Juda Halevi. „Trug ist Anmut, eitel ist Schönheit," ist schon im Schlußkapitel der biblischen Proverbien zu lesen. „Blicke nicht aus den Krug, nur aus den Inhalt," wußten auch die mischnaitischen Väter in ihren Sprüchen zu sagen. Bei den Germanen läßt sich eine analoge Bevorzugung des Inhalts über die äußere Gewandung beobachten. Der bekannte deutsche Aefthetiker Wilhelm Lübke bemerkt: „Es liegt in der Eigenart der nordischen Völker begründet, daß sie den Inhalt über die Form, die Wahrheit über die Schönheit stellen."*) Wilhelm Lübke: Grundritz der Kunstgeschichte, III (Die Kunst der Renaissance), 13, Etzlingen a. N. 1907. Dagegen der Grieche, der Romane sind Anbeter der Form, verehren die Geste, berauschen sich an der Phrase, treiben einen Kultus der Sinne, stellen einen schönen Lebensstil über alles. Der äußerliche Südeuropäer projiziert seine Träume nach außen, denkt in klaren, ästhetisch abgerundeten, umrissenen Gestalten, apperzepiert Eindrücke in ihrer realen Sinnfälligkeit, formt sein Seelenleben apollinisch, bildhaft, ist Schöpfer des Dramas, des richtigen Epos, der farbenreichen, naturgetreuen Mal- und Bildhauerkunst. Der germanischen Kunst ist „die Richtung aus das Gedankenhafte, aus das selbständige Ergrübeln des Im- Halts" eigen.-) Die psychischen Vorgänge der Deutschen wickeln sich hauptsächlich in Gefühlen, in inhaltlichen Impressionen, in lyrischen Erregungen, in musikalischen Emotionen aus. Die starke Seile des Deutschtums ist die Leier. Die großen Repräsentanten des deutschen Genius, die eine Welt eroberten, sind Händel, Bach, Beethoven, Mozart, Wagner, Liszt, Strauß. Das deutsche Drama hat der Außenwelt nichts Ernstes zu bieten. Das deutsche Epos ist weder großartig noch eindrucksreich. Von der deutschen Poesie ist es die Lyrik allein, die wirklich auf Schöpfungen allerersten Ranges Hinweisen kann. Der Schwerpunkt der hebräischen Poesie wie auch der der Araber lag immer ebenso aus dem Gebiete der lyrischen Dichtung. Das einzige poetische Genie, das das Judentum hervorbrachte, war der Lyriker Heine. Den lyrischen Wellenschlag hört man sogar mit merkwürdiger Auffälligkeit aus der Prosa der jüdischen Journalisten heraus. Epische Erzeugnisse brachten weder die Hebräer noch die Araber je zustande. Ein Theater besaßen die antiken Semiten ebensowenig wie die mittelalterlichen Mauren. Selbst die modernen Juden vermochten kein Bühnenstück von Bedeutung, trotz aller ihrer etwas erzwungenen Theatersreudigkeit, der Weltliteratur zu schenken. Stark sind die modernen Juden auch aus dem Gebiete der Musik (Mendelssohn-Bartholdy, Meyerbeer, Halevy, der Halbjude (mütterlicherseits) Frederic Chopin, 2) Ibidem.

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