Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 42 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Yr. 42 Jahrgang XXXUI Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. Oü--- ■ ' " p A. kr. PofilxsrKassenaint Slearing-Verkebr Mr. S10.976. Redaktion und Administration: Wien H/i, Praterstraße 9. Ij Telephon 45.359nO - - Qo -- ’ ' - ^ooc-- Wien. 27. Oktober 1916 Erscheint jeden jfretta0.= Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. O Ir - —--o o p Derugspreis für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene PetitzcUe 48 Heller. O Q-.- - -0 o Inhalt: ^Leitartikel: Ministerpräsident Karl Gras Stürgkh. — Dr. Gustav Kahn. — Konfessionelle Statistik. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten.— Weitere Auszeichnungen. — Zum zweitenmale ausgezeichnet. — Belobende Anerkennung des Armeekvmmandos. —Der Sohn des jüdischen Lehrers. - Jüdische Familien int Felde. — Drei Brüder an der Front. — Kommando- Belobung vor Abrückung ins Feld. — Ausländische Dekorat onen. — Ernennung von Auditoren. — Militärische Auszeichnung einer Frau. — Eiserner Halbmond. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Heldentod mehrfach Ausgezeichneter. — Korrespondenzen: — Federbusch und Kerzendocht. — Das Rote Kreuz und die Kricgsspitalshilfe. — Kricgsspitceshilfe für Palästina. — Zur Nachahmung empfohlen. — Die Generversammlung des jüdischen Rationalvereines in Oesterriech. — Wien. Brünn. — Die Krieg - slüchtlinge in Deutschbrod. —Ans einem Briese des Herrn Rabbiners M. Groß Jerusalem. — Ber mischtes. — F euilleton: — Malwida von Meysenbug in ihren Beziehungecu zu Juden und Judentum.— Der Dichter S. Frug. — Taweuen. — Literatur. — Berichtigung. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Un die geehrten Hbonnenten in Ungarn, Kroatien und Bosnien. Unsere geehrten Hbonnenten in Ungarn. Kroatien und Bosnien machen wir aufmerksam, daß laut einer neuen Verordnung der königl. ungarischen Poftdirekticn ab 1. Jänner 1917 Abonnements auf unser Blatt nach obgenannten Ländern ausschließlich bei den dortigen Poftämtern angemeldet werden müssen. Mirnsterprriftdent Karl Graf Ktiirgkh. Bon Tr. Heinrich Schreiber. Der dumpfe Knall der Schüsse, mit denen die Pistole eines verblendeten Fanatikers, jäh ausblitzend,- den österreichischen Ministerpräsidenten Karl Gras S t ür g k h hingestreckt hat, hat das Echo eines grellen Ausschreies gelveckt. Die grausame und in ihrer Verwerflichkeit unerhörte Untat hat an jede Menschenbrust schmerzlich gegriffen und jedes fühlende Herz, ist von Entsetzen und Abscheu erfüllt, der den feigen Anschlag bedeckt. Diese Aufwallung rührt sich umso empfindlicher, als der Mord nicht -etwa in der trüben Hefe ungeschlachter Verkommenheit emporgewuchert ist, sondern in der hirnverbrannten Exaltiertheit eines Intellektuellen seinen Keim findet. Wer gibt des Rätsels bange Lösung, das wohl nur der helle Wahnsinn ausgeheckt hat? Auch die jüdische Bevölkerung des Reiches, die in dieser schweren, erbarmungslosen Zeit so hart mitgenommen ist, steht angesichts dieses Unglückes schwer betrossen und bekümmert an der Bahre des leitenden Staatsmannes, der, ein „treuer Diener seines Herrn", durch die tötlichje Kugel aus seinem hohen und verantwortlichen Amte herausgerissen wurde. Wir Juden fluchen den blindwütigen Schüssen, die ein kostbares Leben vernichtet und mit seinem Untergange ein schweres Leck in das politische Leben gebohrt haben. Der politische Mord, der hier begangen wurde, schwillt die Ader unseres Zornes, weil wir, als ein Element der Ruhe, Ordnung, Besonnenheit und Sittlichkeit, jede Gewalt verdammen und jedes Geschehnis brandmarken, das, wie dieses, an den sestgefügten Säulen des Staatswesens rütteln will, um in einem grausamen Blutrausche Schrecken und Verderbnis um sich!zu breiten. Wahrhaft, das Blut, das hier vergossen wurde, schreit zum Himmel, und erschüttert beklagen wir das teure Opfer, das die unselige Tat gefordert hat. Wir Juden wissen es nud würdigen es, daß der Ministerpräsident unserer Glaubensgemeinschaft vorurteilslos, gerecht und wohlwollend gegenübergestanden ist, und seine Amtsführung ließ erkennen, daß er, ein Mann überzeugten Freisinns, von sympathievollem Verständnisse für unsere Stellung jm Staate, für unsere patriotischen Bestrebungen und unsere Opfer- Willigkeit für Kaiser und Reich getragen »rar, daß er diese Gesinnung nicht verborgen und sie auch im hohen Rate der Krone hochgehalten hat. Sind es doch auch Glaubensbrüder, die sich berühmen dürfen, daß der Ka valier aus der Steiermark sie mit seinem Vertrauen beglückt, mit seiner Freundschaft geehrt und sie in seinen engeren Kreis gezogen hat. Umso aufwühlender brennt der Schmerz. Wie eine Erleichterung, ja wie ein Trost mag es berühren, daß alle politischen Parteien, gleichviel ob sie sich zur Anhängerschaft oder Gegnerschaft des leitenden Staatsmannes bekennen, das gräßliche Verbrechen verurteilen, daß auch jene Partei, in deren Mitte der Unhold gewirkt hat, sich längst mit ihm zerworfen und sich von ihm losgesagt hat, daß der Attentäter von seinen eigenen Genossen gemieden und geächtet war. Fluchbeladen wird die Faust zerschmettert werden, welch? die mörderische Waffe geschwungen hat; die blutige Saat, die sie ruchlos ausstreuen wollte, wird verkümmern und verdorren. Die Hand jedoch, die das Staatsruder ge führt hat und jetzt erkaltet ist, wird von frischen Armen abgelöst werden, die es machtvoll und verläßlich über