Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 41 (17.10.1916)
- Date
- 1916-10-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Pr. 41 Df« BlOCh’S Jahrgang XXXIII Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wien. 17. Oktober 1916 Lrscdetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. 0 0 — - =oo rP Vrxugsprris für Srfirrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» tene Petitze'.le 48 Heller. £ OP- —On OG o DO Q Tt. k. Postsxarkassenamt Clearing-Verkebr Mr. S10.976. Redaktion und Administration: wir» H/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. oP - --On Inhalt: Leitarti kel: Germanen und Juden. — Zur Frage der Ausgestaltung der Israel. Religionsgesellschaft. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Adelsverleihung. — Weitere ^Auszeichnungen. — Außertourliche Beförderung. — Die Zweiundachtziger. — Die Heldentaten des Fähnrichs Leo Deutsch. — Spenden des Kaisers an Soldateneltern. — Jüdische Familien im Felde. — Auszeichnung jüdischer Lehrer. — Opfer des Krieges. — Der Gedenkstein für Oberiugenieur Lela virschler. — Ter Heldentod des Trencstzner Kantors, Fähnrich Goldring — Armin Wassermann gefallen. — Ludwig Schischa. — Zygmunt Ravpaport. — Kanonier Max Strauß. — Korrespondenzen: Frühstück für die Schulkinder. — Ein Stimmungsbild. — Zur jüdischen Waisenaktion in Galizien. — 15. Tätigkeitsbericht des Armen-Ambulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees für Kriegsslnchtlinge. — Jvm-Kippur- Andacht im Dienste. — Der Lemberger Kultusvorstand und die Reichsorganisat'on der Kultusgemeinden. Wahl eines Kultusvorftehers in Karlsbad. — Tee für Flüchtlinge nach Jom-Kippur. — Große Spende für eine Tuberkulosen-Hcilanstalt. — Petersburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Zur Geschichte der Familie Kuh. — Jom-Kippur in Laibach. — Tamenen. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Hn die geehrten Rbonnenten in Ungarn, Kroatien u. Bosnien. Unsere geehrten Abonnenten in Ungarn, Kroatien und Bosnien machen wir aufmerksam, daß laut einer neuen Verordnung der königl. ungarischen Postdirektion ab 1. Jänner 1917 Abonnements auf unser Blatt nach obgenannten Ländern ausschließlich bei den dortigen Postämtern angemeldet werden müssen. Germane« und Inden Von Matthias Mieses. 7. Der Vertreter der sozialistischen Partei der Vereinigten Staaten erklärte unlängst auf der Konferenz der sozialdemokratischen Neutralen im Haag: „Wir haben in unseren Reihen starke prodeutsche Sympathien, besonders unter den aus Rußland und Polen stammenden Juden."*) Etwas ähnliches war in der „Frankfurter Zeitung" ein paar Monate nach Kriegsausbruch zu lesen: „Nach den Deutschamerikanern sind die besten Freunde, die Deutschland in Amerika hat, die Juden. Die Irländer kommen erst in dritter Reihe."?) In Rußland wurde den Juden Deutschfreundlichkeit offiziell wiederholt zum Vorwurf gemacht. In einer vom Großfürsten Nikolaj Nikolajewitsch signierten Kundmachung wurden die Juden als! „verräterisch und illoyal" bezeichnet.3) Beim Herannahen der Deutschen wurden die meisten Juden aus den westlichen Gouvernements „Arbeiter-Zeitung" vom 6. Juli 1916, Nr. 2216, Seite 4, Spalte 3. 2) Karl Eugen Schmidt: Amerikanische griegsbilder, „Frankfurter Zeitung". Zitiert im „Jüdischen Archiv". Heft 2/3, 22, Wien 1915. 3) „Jüdisches Archiv", Heft I, 24. ins Innere Rußlands deportiert. Viele jüdische Gemeinden des westlichen Rußland mußten der russischen Regierung Geisel stellen zur Sicherstellung gegen einen Nachrichtendienst ihrerseits zugunsten beider verbündeten deutschen Großstaaten Mitteleuropas. In Galizien (zur Zeit der Russenokkupation 1914 bis 1915) wurde die Judenschaft in corpore wegen ihrer besonderen Anhänglichkeit an die österreichische Vormauer des Deutschtums für alle Störungen im Telegraphen- und Telephonverkehr verantwortlich gemacht. Als Beispiel diene folgende Afsiche des Vorstehers des Kolomeaer Bezirkes zur Okkupationszeit, des Fürsten Lobanow Rostowski im ersten Kriegsjahre: „Ich tue der gesamten israelitischen Bevölkerung der Stadt Kolomea kund, daß, wenn die Eisenbahn, die Telegraphen- oder Telephonleitung im Rayon der Ortschaften Delatyn, Kolomea^ Sniatyn auch nur im geringsten beschädigt werden sollte, der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt Kolomea eine bedeutende Kontribution auferlegt werden wird."^) Aus Angst vor jüdischer Spionage zugunsten des von ihnen geliebten Oesterreich hoben die Russen, unter ausdrücklicher Angabe des Grundes, am 13/26. Februar 1915 die Freizügigkeit der Juden in Galizien auf, führten aus einer ganzen Reihe von Städten und Marktflecken in der Nähe des Schlachtfeldes viele Juden nach Rußland ab und wiesen aus der eroberten Festung Przemysl zu Beginn der deutsch-österreichischen Offensive im Mai 1915 sämtliche Juden aus. Ist diese freundschaftliche Gesinnung der unter einer zumeist den Deutschen feindlichen Bevölkerung wohnenden Juden des slavischen Ostens und des englisch redenden Nordamerika der Ausfluß einer momentanen politischen Konstellation, eine Reaktion gegen den russischen Antisemitismus, oder liegen hier tiefere Ursachen zugrunde, sind hier Triebkräfte tätig, die einem tiefverankerten Herzensbedürfnis entspringen? Die Germanophilie der Juden datiert nicht seit 4) Ibidem.