Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 40 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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* i 6-8 Tr. Bloch's Feinde einen Fingerzeig der Geschichte zu unserer Rettung und Erlösung in diesem noch nie dagewesenen Welträngen. Was zählen die wenigen Juden, die in England, Frankreich und Italien wohnen, wenn sie auch unangefochten, ja sogar anerkannt, gleichberechtigt in diesen Staaten bisher gelebt haben, gegen die großen Massen der anderen, deren Geschick nun an den Sieg des deuts ch e n Volkes und der türkis ch e n Nation geknüpft ist!? Alle insgesamt, die unter den Westmächten leben, zählen nicht soviel, als die einzige jüdische Gemeinde der einen Stadt Warschau zählt! Ist es da zu verwundern, wenn wir Juden mit atemloser Spannung den Siegeszügen jener Mächte folgen, die bestimmt sind, dem Erbfeinde Israels, dem Zarismus, der als das ,.K a 1 c li u t - J a v a h - li a r a- 8 ed all historisch festgestellt ist, das Ende vorzubereiten und in seine alten, dunklen, asiatischen Steppenwüsten des einstigen Tatarenreiches zurückzudrängen!? Ist es da nicht begreiflich, wenn wir Juden in diesem, seinesgleichen noch nie dagewesenen Weltkriege, den von den Patriarchen und Propheten vorausgesagten „Acliar : tli-li aj am im“, am „E nde der Zeiten" stattfindenden, die Menschheit befreienden und Israel endgiltig erlösenden Entscheidungstämps erblicken!? Der deutsche Dichter H a m e r l i n g hat zweien seiner k.deutungsvollsten Bücher jüdische Titel gegeben; das e'ne heißt „Der König von Sion" und das andere „Ahasver in Rom". Aus beiden ist ersichtlich, daß er von dem Gedanken durchdrungen war, die Geschichte der Menschheit sei eine Folie, von der sich die mit ihr innig verbundene .Geschichte Israels abhebe. Das eine Buch! zeigt die Umwälzung des finsteren Mittelalters in die Neuzeit; das andere die des Altertums in das Mittelalter. Es schildert das Debakel des Heidentums im Zusammenbruch des großen römischen Weltreiches. Die handelnde Person ist Nero auf seinem Höhepunkt des Cgsarenwahnsinns. Er zündet sich selbst fein Rom an, um sich an denk Riesenbrand zu ergötzet:. Erkennen wir da nicht im Spiegelbilde das Russentum und seinen Ca.'arenwahnsinn des Panslavismus, der alles niederbrennt hinter sich!? Nero geht des Nachts in Begleitung, um Rom zu durchstreifen. Ein Herkules und ein Mohr sind zu seinen beiden Seiten und Seneca, der Judenfeind, trippelt chm voran. Sie begegnen einer rätselhaften Gestalt, Alter und Jugend, Bettlertum und Hoheit vereinigen sich! in derselben. Das leuchtende Adlerauge blitzt aus dem Gesichte — sie raten, wer diese Gestalt wohl sei —, sie schließt sich ihnen an, es ist — Ahasve r, der ewige Jude! Dieser begleitet alle großen Erscheinungen der Menschheit — diese Gestalt Ahasvers ist das ewig Bleibende in der Erscheinungen Flucht. Eine solche Zeit erleben wir jetzt. Wir gehen einer großen Zeit entgegen. Wir sagen uns, wir leben in A c h a r i t h - h a j a m i m, in einer Zeit, die uns dem Ende der Zeiten entgegenführt, mit höheren Zielen, mit größeren Zwecken, dem Hochziele der Menschheit entgegen. Es gehen demselben, nach alten prophetischen, talmudischen und kabbalistischen Ueberlieferungen, „Tage d«s Gerichtes" voran; einen solchen „Tag des Gerichtes" erleben wir Juden als eine göttliche Verheißung an dem judenhasserischen Rumänien; es werden noch „Tage des Gerichtes" folgen, und wir sind dessen zuversichtlich, es wird auch bald, mit Gottes Hilfe, dann endlich „der Tag der Versöhnung" sich anreihen. Wochenschrift A *0 Offener Srref an Gxxeüerr; Sr. Richard Meiskrrchner Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Euere Exzellenz! Schon in der vorletzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" habe ich die Tatsache festgehalten und veröffentlicht, daß in Wien eine Canlacuzinostraße, und zwar im zwölfteu Bezirk, zwischen Meidlinger Hauptstraße Nr. 86 und der Gaßmanngasse verläuft. Wenn Euere Exzellenz im Drange der Geschäfte und der Politik an diese Feststellung vergessen haben sollten, so sei hier nochmals daran erinnert. Ich glaube nicht, daß diese Erinnerung unbeachtet vorübergehen wird/ Die „O esterreich ische Wochenschrift" wird in Ihren Kreisen als ein Spiegel der Vorgänge in der Gemeindestube und rings um das Rathaus bis hinüber zu den Bänken der Christlichsozialen und Deutschnationalen im Parlamente sehr genau betrachtet. Also noch einmal: Die Straßenlasel der Cantacuzinostraße ist ein Schandfleck an den Mauern von Wien und muß ehestens verschwinden! Euere Exzellenz werden sich wohl noch erinnern, wer dieser Michael Cantacuzino ist. Es ist derselbe rumänische Bojar derselbe Bürgermeister von Bukarest, der vor einigen Jahren im Festsaale des Wiener Rathauses zum Schaumwein glatte, höfliche Redensarten von Freundschaft, Treue, Dankbarkeit bis in die ferne Zukunft austischte und sofort nach dem Ausbruch des Weltkrieges als einer der bösartigsten Hetzer gegen die Zentralmächte austrat und in seinem Palais russische Spione beherbergte. Ja ein Cantacuzino rühmte sich ösientlich, nachdem schändlichen Verrat Rumäniens an unseren: Varerlande als Erster an der Spitze der räuberischen rumänischen Heere die Grenzen Siebenbürgens überschritten zu haöen. Man setzte dem Besuch der Bukärester Stadtoüter ein Denkmal, nannte eine Straße nach ihren: Oberhaupt, die zu allem noch in peinlicher Bedeutung die Schönbrunner Allee durchschneidet. Kann man noch einen Augenblick länger dulden, daß diese Straße den Namen des Bukärester Bürgermeisters behält? Das Denkmal an den Besuch der Rumänen in Wien ist ein Denkmal an den gemeinen Hinterhalt der ruinänischen Politik geworden, eine bittere Erinnerung an das Blut unserer tapferen und braven Soldaten, das trotz der Bankettlligen von damals jetzt in Siebenbürgen vergossen wird. Jetzt hat Cantacuzino seine wahren Gefühle in empörender Weise offenbart, als Spion viel mehr,- denn als Gast ist seinerzeit nach Wien gekommen, und deshalb muß auch die Spur an seinen Aufenthalt und an seine Freundschaft ausgemerzt werden. Vergessen wir also jede falsche Scham! Man muß die Angelegenheit ausnehmen, auch wenn manche Erinnerung unangenehm sein sollte. Ueber Anregung Euerer Exzellenz wird der Wiener Stadtrat inmitten seiner politischen und Ernährungssorgen Zeit und Gelegenheit haben, einen blutigen Hohn auf die Ereignisse unserer Tage auszumerzen. Der äußere Anstoß zur Umbenennung der Straße, die ihren Namen zur Ehre eines Gastes erhalten hat und ihm nun zur Schande eines schmutzigen Verräters trägt, kann sehr gut von mir ausgehen. Denn an dieser Stelle in diesem meinem Blatte habe ich! oft genug die Rumänen als feige Tyrannen, als rückständige Barbaren gebrandmarkt, ihre schäbige Denkungsart bewiesen, vor jeder Freundschaft mit ihnen gewarnt. Ich wollte, daß ich nicht zu traurig Recht erhalten hätte. Nun aber schreck von den Fluren der siebenbürgischsächsischen Täler das Blut unserer Helden, von den unga-