Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 40 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 40 ^tchrgang XXX1I1 Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. OG= Do K. kr. Po stsxLrKirffenrmii (Hearing -Verkebr Mr. S10.S76. Nedaltton und Administration: Vien IT/i, Pratcrstraßs 9 Lj Teleplion 45.359. nO ■ — —Qo Wien, 6. Oktober 1916 OCF DO Lrscbetnt jeden Freltsg. Brief-Adresse: Wien. II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wocheuschrist, Wien. P Vrrugsprris für Oesterreich: Halbjährig 3 Kronen. Etnzeleremplare ,D Heller. Für dns Nusland: Halbjährig lü Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mal gespat ^j tene Petitze.le 48 Heller. o O—.. — OÖ Inhalt: Leitartikel: „Der Tag des Gerichtes'. — Offener Brief an Exzellenz Tr. Richard Weiskirchner. — Kriegsdekorativneii jüdischer Offiziere und Soldaten. — Sonstige Auszeichnungen. — Oberleutnant Tr. Geza Pollak. — TavferteirsmedaiUe erster Klaffe. - Zum zweitenmale ausgezeichnet. — Ein dreifach ausgezeichneter Oberarzt. — Tie Geschichte der Auszeichnung eines Rabbiuersohnes. — Indische Familien im Felde. — Ernennung eines Feldrabbiners — Ein jüdischer Leutnant an seinen Rabbiner. — Liste der in Wien beerdigten Offiziere und Mannschaften: — Eine Soldaten-Großmurtcr. — Opfer des Krieges. — Tas dritte Kind verloren. — In einer Woche zwei Söhne verloren. — Jüdische Generale in England. — Korrespondenz e n: Das jüdische Herz. — Sammelstelle für Gefangenenlektüre. — Wiener Bürger-Hilfslegion vom Roten Kreuz. — Tas Neujahrsfest in Laibach. — Flüchttingsstation in Ungarisch-Hradisch. — Medikamentensendung nach Palästina. — Kultusgemeiudevorsteher Ludwig Moser in Kartsbad gestorben. — '?'?? — Vermischtes. — Feuilleton: Feiertags-Erinnerungen. — Ein Schmaus. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Hn unsere Leser! Mit Rücksicht auf die hohen Feiertage wird die nächste Nummer dieses Blattes erst Iienslag, den 17. Oktober ansgegeben. „Der Tag des Gerichtes." Von Oberrabbiner W. Reich in Baden bei Wien. Das jüngste Kind der Entente ist nun auch weidlich verklopst worden. Deru verzärtelten Baby voll fünf Großmachten, denr bald mit Verhätschelungen nachgeschmeichelt, bald mit Drohungen oorgesuchtelt wurde, ist zuerst von hinten — in der Dobrudscha — eine Straflektion von den überfallenen Zentralmächten zuteil geworden und bald nachher nun auch beinr Roteniurmpaß eine schallende Ohrfeige ins Gesicht versetzt worden, daß dem kleinen Gernegroß hoffentlich Hören und Lehen vergeht. Das war „ein Dag des .Gerichtes"! Gerade wir Juden können uns mit diesem „Tage des Gerichtes", der über das falsche, verräterische Rumänien gekommen ist, besonders freuen. Wenn Rumänien zu unseren Zentralmächten als Freund und Bundesgenosse hätte gezählt werden Müssen, wäre es speziell für uns Juden ein Unglück gewesen. Ist es doch ein Land, welches einen Betrug, wie er in der Weltgeschichte nicht verzeichnet ist, konsequent durchgeführt hat, um die Inden zu entrechten, sie zur Blutsteuer heranzuziehen und sie zugleich als rechtlose Fremde zu stigmatisieren. Die Tinte auf dem Vertrage, mit dem es auf dem Berliner Kongresse sich für seine Unabhängigkeit zur Gleichberechtigung der Juden verpflichtete, rvar noch nicht trocken geworden, und schon hatte es den Fremdenparagraph für die Juden ausgeklügelt, mit dem es das ganze Europa durch vier Jahrzehnte nasführte: nun ist sein „Tag des Gerichtes" ge-> kommen! Es ist bereits der dritte Weltgerichtstag, den wir Inden feit Ausbruch des schauerlichen Weltkrieges anstatt des „Tages der Versöhnung" begehen. Kein anderes Volk der Welt fühlt sich so tief und intensiv mitbeteiligt an diesem Riesenkampfe der Menschheit, als das jüdische! Dieses wurde durch das Schicksal dorthin gestellt, wo der Boden am heißesten ist, wo die größten Entscheidungsschlachten geschlagen werden und noch in Zukunft zur endgiltigen Entscheidung in Aussicht stehen. Galizien, Ostpreußen,- Russisch-Polen, Litauen, Kurland und Wolhynien sind gedüngt von dem Blute nicht nur jüdischer Krieger, sondern auch jüdischer Verschleppter, Geiseln und Flüchtlinge. Ein unermeßliches Elend bezeichnet die Spuren von acht Millionen Juden — den Zweidritteilen der Gesamtzahl aller Inden auf der ganzen Erdenrunde. Und in Aegypten, im türkischen Reiche und speziell in Syrien mir Palästina, nicht minder Ut Mesopotamien, mit den uralten Sitzen jüdischer Ansiedlnngen, mit ihren heiligen Stätten, Erinnerungen und nationalen wie religiösen Zusammenhängen, dort soll erst noch die Schlachtenreihe fortgesetzt werden, dort sollen erst recht dem englischen Seeadler die Krallen seiner räuberischen Fänge ausgerissen rverden, um den endgiltigen Sieg der Zentralmächte im Bunde mit der Türkei achf dem europäischen .Kontinente den Weg zu bereiten, und dort das zukünftige. Schicksal des zerst-enten jüdischen Volkes sicy auch voraussichtlich endgücig vollziehen. Da wäre Rumänien, als unser Freund, ein Nonsens der Geich.'.chtsentwicklnng für uns Inden gewesen. Der kleine, freche Staat, mit seiner nicht zu entwindenden Obstination des regelrecht gesetzlich ftipnlierten Judenentrechtungsparagraphen! Die Intellektuellen — selbst in Rußland — bezeichnen die Rumänen als „die schlechteste und verworfenste Ration Europas". Wir sehen in dem Anschluß dieses judenhafierischen Ländchens an unsere.