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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-09-08 · 36 (8.9.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
36 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 602 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 36 Feuilleton. Zur Psychologie christlicher und jüdischer Schüler.^) Von Dr. Ottokar Nvmeöek. Der furchtbare Weltkrieg, beit wir nun durchleben/ wird auf allen Gebieten der Kultur, demnach auch auf dem der Schule, grundstürzende Aenderungen Hervorbringen, und so mag denn der alte griechische, vorsokratische Denker in sgewiffchn Sinne Recht haben, der vor Jahr-, tausendeir den Satz prägte: „Der Krieg ist die Quelle aller Dinge". Vielleicht ist der Erlaß des niederösterreichischen Landesschulrates, der schon viel Staub in den Tages'blättern auswirbelte und dem wir durchaus nicht das Wort reden wollen, so Zu verstehen, daß bei der sicherlich eintreten-! den Neuordnung aller Verhältnisse darauf von Seite der in Betracht kommenden Unterrichtsbehörden geachtet werden möge, unbegabte Sch ü l e r von den höheren Unterrichtsanstalten möglichst ferne zu halten und sie mehr praktischen Berufen Zuzumenden, eine Anschauung, der alle einsichtigen Lehrer Zustimmen werden, ohne Zu fragen, ob der unbegabte Schüler reich oder arm, ob er der Sohn eines Hofrates oder Bantherrn, oder der eines Briefträgers oder eines Handwerkers ist. Nach den Erfolgen einer Ausnahmsprüfung in de Mittelschule darf und kann man auch nicht auf die Begabung eines Schälers für das höhere Unterrichtsfach schließen. Dies nur nebenbei bemerkt. Wir stehen auch durchaus nicht auf dem Standpunkte, daß die Begabung der Schüler im allgemeinen vom religiösen Bekenntnisse oder von der Rassenzugei Hörigkeit abhängig ist. Es gibt begabte und unbegabte Schüler bei allen Völkern und Bekenntnissen und, wenn man schon bon Rassen sprechen will, auch bei diesen. Dr. Ottokar Nemeeek, Lehrer an einer höheren Handelsschule in Wien, macht nun in der uns vorliegenden, höchst lesenswerten, gründlichen Broschüre den durch zahlcnreiches, statistisches Material unterstützten Versuch, eine Vergleichung Zwischen der besonderen Begabung und allgemeinen Geisteskraft christlicher und jüdischer Schüler anzustellen. Zeugnisse, schriftliche Arbeiten, geeignete Versuche erzielter Aeußerungen sollen Zu einer gründlichen Festlegung der psychologischen Unterschiede zwischen christlichen und jüdischen Schülern führen. Es muß vorausgeschickt werden, daß sich die Versuche meist oder nur auf Haudels- und Realschüler beziehen, es wird aber nicht schwer fallen, Dr. N e m e Leks Folgerungen auch für Gymnasiasten, im allgemeinen,- richtig zu finden. Wir haben es bei dieser Arbeit mit einer im Geiste des berühmten Wundt vorgehenden Methode zu tun, dessen zahlreiche Schüler der experimentellen Psy-i chologie, angewendet auf das Gebiet der Pädagogik, zum Siege zu verhelfen versuchen. In dieses Fach gehört auch der Versuch der „Bildbeschreibung" (nach Alfred B inet). Die vorliegende Broschüre zerfällt in vier Paragraphen. Im ersten macht uns der Verfasser mit der Aufgabe und dem Gange seiner Untersuchung bekannt, im zweiten gibt er eine Zensurstatistik, nach den sprachlich-historischen, mathematisch-natuAvissenschastlichen und Handelsfächern geordnet, spricht von den Fertigkeiten (Freihandzeichnen, Kalligraphie »und Stenographie), dann von den allgemeinen Noten '(Betragen), es folgen der Binetsche *) Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung. Beihefte zur „Zeitschrift für Kindersorschung". Herausgegeben von I., Trüper, Direktor des Erziehungsheimes und Jugend sanaloriums auf der Sophienhöhe bei Jena. Heft 123. Langensalza, Hermann Beyer & Söhne, 1916. Versuch der Bildbeschreibung, der Aschaffenburgsche Versuch der Wortreproduktion, der Versuch über die Schreibgeschwindigkeit, endlich äußert sich der Verfasser über die Frage der Rassenunterschiede. Bessere Leistungen als die christlichen Schüler weisen zunächst -die j ü d i s ch e n in den sP r a ch, l i d} e n Fächern auf. fDies ist aber, nach den statistischen ZiP sammenstellungen, nicht auf den größeren Fleiß der jüdischen Schüler zurückzuführen, sondern auf das größere Interesse für Sprachen und auf ihre größere Veranlagung. Hätte der Herr Verfasser sich auch ein wenig in der jüdischen Geschichte umgesehen, er würde Belege genug für diese Erscheinung gefunden haben. Für diese müssen weder emotionelle (Gefühls?) noch intellektuelle (Verstandes-)Grütlde ins Feld geführt werden. Juden Zeichneten sich immer durch große Sprachenfähigkeiten aus, sie mußten viele Sprachen lernen, da sie mit vielen Völkern in Berührung kamen und sie sich deshalb in verschiedenen Idiomen zu verständigen genötigt waren. 'Man braucht dabei gar nicht an eine „angeborene" Veranlagung und auch nicht an „eine durch ein bestimmtes, in jüdischen Kreisen vorherrschendes Milieu und dessen Lebensgewohnheiten entwickelte Disposition" zu denken. In bezug auf das Sprachstudtum haben die Juden, wie in manchem anderen Betracht, viele Aehnlichkeit mit den Deutschen. Man lese doch, um dies zu verstehen, den prächtigen neuesten Roman von Friedrich Freksa: „Gottes Wiederkehr". S. 231—234. — Bei den christlichen Schülern überwiegt der beschreibende und beobachtende 'Typus, während bei den Juden der emotionelle, der Gefühlstypus, die Oberhand gewinnt. Wie sagt Freksa von den Juden: „Gerade bei ihnen wird eine sonderliche sehnsüchtige Liebe für deutsche Romantik, innerliches Verständnis für einen Novalis, einen Eichendorff gefunden." > * Auch ■ Otto- E r n st>. in seinem neuesten Buche „A s m n s S e m p e r, d e r Mann," schließt viele Seiten dieser unergründlichen, jüdischen Psyche ''auf und gibt sich dabei gar nicht als Judenfreund aus. Auch einen größeren Sprachschatz und ein größeres Wortgedächtnis, eine raschere Wortreproduktion, eine größere Geläufigkeit des Sprech- und Schreibapparates stellt Nömeeek bei den jüdischen Schülern fest. Diese Erscheinungen haben ihren Grund in dem mehr intellektuellen Charakter der Juden, der auch in der Mathematik, 'Physik, Chemie und den juridischen Fächern hervortritt. Der soziale Ehrgeiz als Bildungsfaktor zeigt sich auch im deutschen Unterricht. Der jüdische Schüler offenbart großes Interesse für die Literatur, namentlich für die neueste, ein Interesse, das sich besonders auch dem Theater Zuwendet. „In den auf logisch-abstrakten Deduktionen aufgebauten Lehrfächern Mathematik, Physik, Chemie und darstellender Geometrie behaupten offenkundig die jüdischen Schüler den Vorrang. Wieder müssen wir die Begabung der Juden für das intellektuell zu Erfassende, Abstrakte als Ursache ihrer besseren Leistungen ansprechen." Was die „darstellende Geometrie" anlangt, so möchten wir, nach unseren Erfahrungen, ein wenig dem Verfasser widersprechen. Dieser Gegenstand beruht, so wie „die Fertigkeiten", Zeichnen, Kalligraphie, mehr auf Beobachtungsfähigkeit und -Qualität, und in diesen Fächern sowie in der „äußeren Form" sind diechristlichen Schüler den jüdischen, um Fritz Reuters Wort zu gebrauchen, „über". - Fassen wir dies mit dem Autor unserer Schrift zusäm-i men, so finden wir: „Die hauptsächlichste Ursache der Unterschiede in den Leistungen der christlichen und jüdischen Schüler ist in der unleugbaren stärkeren intellektuellen Veranlagung der Letzteren zu suchen." Diese höhere

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