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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-09-08 · 36 (8.9.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
36 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 69Ö Tr. BLoch'S Wochenschrift Nr. 36 Sanitätsdienst, die Bestimmung, daß die jüdischen, einem besonders hohen Schulgeld nnterworsenen Kinder nur dann in eine Schule überhaupt zuzulassen seien, wenn nicht genügend „rumänische" Kinder da seien, die widerrechtlichen Ausweisungen au£ den Landgemeinden, die furchtbaren Pogrome vom März 1907, die gesetzwidrigen Landesverweisungen des gleichen Jahres und andere Gewaltakte zeigen, mit welch unerhörter Willkür die rumänischen Machthaber borzugehen sich nicht scheuten, wenn ies sich um eine schwache und schutzlose Minderheit handelt. Ein späterer Geschichtsschreiber, der sich die Frage vorlegen wird, wie es niöglich war und geschehen konnte daß die christlichen Völker im 20. Jahrhundert mit solch erlesener Grausamleit gegeneinander wüten, daß sie jede Gemeinheit, jeden Wort- ■ und Vertragsbruch, ja jeder Lüge und Fälschung gegeneinander skrupellos verüben und selbst an wehrlose Gefangene ihre Wut auslassen, ohne daß irgendwie das religiöse oder das menschlichsr Gewissen dagegen sich regt und empört — der Geschichtsforscher, der wird zur Erklärung dieses betrübenden Rückfalles der christlichen Völker Europas in die ärgste Barbarei nur eine Tatsache haben — durch die antisemitischen Agitationen während dreier Jahrzehnte wurden die christlichen Völker moralisch vergiftet und in ihrer Mitte die Roheit der Sitten und das Gefallen an Grausamkeiten erzeugt. Was man gegen die wehrlose jüdische Minorität durch drei Jahrzehnte für erlaubt, moralisch unbedenklich hielt, das wurde allmählich Zur zweiten Natur und betätigt sich nun während dieses schauerlichen Weltkrieges im Verhalten der christlichen Völker gegeneinander. die Juden wurden in Riw mänien gerade wegen ihrer Sympathien für Deutschland verfolgt. Die Juden Rumänierrs nämlich sind der deutschen Kultur immer besonders zugänglich gewesen. In den meisten jüdischen Häusern wird man deutsche Klassiker und andere deutsche Bücher finden. In ihren Schulen ist die deutsche Sprache immer gründlich gepflegt worden. Der ehemalige Rektor der Jassyer Universität, Professor Stere, gewesener russischer Revolutionär, der nach Sibirien verbannt gewesen und nach Rumänien flüchten konnte, um es hier (bis zum aussichtsreichen Ministerkandidaten zu bringen, hat einen größeren Aufsatz über die Bauern- und Judenfrage geschrieben, der folgenden Satz enthält: „Man muß beachten, daß ein russischer, deutscher, französischer Jude, wenn er sich die europäische Kultur angeeignet und aus der Sphäre des Judaismus austritt, sich der Nationalkültuii des betreffenden Landes anschließt, während er bei uns in diesem Falle höchstens der deutschen Kultur gewonnen ist, die, der unseren überlegen, ihm durch Sprache, gemeinsamen (?) Ursprung und durch den ganzen Kompler der wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen zugänglicher ist." Ju einein Mailänder Blatte „Resto bei Carlino" wurde kürzlich an Xeiteiiber Stelle und in Fettdruck das rumänische Volk mit folgenden Worten charakterisiert: „Wenn die Rumänen wirklich, wie sie sich rühmen, von unserem Stamme wären, müßten wir uns tausendmal schämen, solche Gaukler und käufliche Lumpen zu Vettern zu haben! Diese B a st a r d e und . Getreidehändler an der Mündung der Donau haben vom Römischen Mur ^den Namen und die Sprache. Den Namen könnte man ihnen wieder nehmen und sie mit dem Namen nennen, den sie bis vor wenigen Jahrzehnten trugen: Moldau-Walachen. Ihre Sprache ist eine so unglückselige, lächerliche Entstellung lateinischer Wurzeln, daß selbst das Portugiesische im Vergleich damit ein volltöniges und reines Idiom ist. Von den paar tausend Kolonisten, die einst aus Italien kamen, ist dort hoffentlich nichts mehr übrig! Das rumänische Volk ist ein 'Mischmasch von barbarischen Dakern, die unter römischer Herrschaft Lateinisch lernen mußten, Slawen und Zigeunern. Wenn man noch die „griechisch-schismatisch-orthodor-russische" Religion und die „Dynastie" Rumäniens hinzunimmt, so können uns die Rumänen gestohlen werden! Auf ein Bündnis mit Rumänien, dessen Politiker käufliche Lumpen sind, können wir getrost verzichten! Der einzige Verbündete, den die Rumänen, dieses Zigeunervolk, kennen, ist das Geld, und das muß gelb sein! Rumänien ist weder unsere ältere noch unsere jüngere Schwester, höchstens eine illegitime Halbschwester, die ein ferner Ahn einst im Kriege weit vom Hause mit einer Barbarenstlavin zeugte!" Die rumänische Staatsleitung hat den Wortbruch zunr unwandelbaren Prinzip erhoben. Als die Rumänen zum ersten Kriege gegen Bulgarien mobilisierten, glaubten sie sich der Stimmung der jüdischen Soldaten versichern zu Müssen. Diese Soldaten hätten wahrscheinlich ihre Pflicht getan wie immer. Die rumänischen Militärbehörden konnten jedoch nicht glauben, daß: das möglich sein werde. Wie sollten jüdische Kri,e-> ger für ein Vaterland fechten, in welchem sie nicht einmal die Bürgerrechte besaßen, keinen Grundbesitz erwerben, keiir Handwerk ausübeu dürfen, in welchem sie den ärgsten moralischen Unterdrückungen ausgesetzt sind, Steuern zahlen und Soldaten stellen müssen, aber in der Armee auch nicht den geringsten Chargengrad erreichen können. Wahrscheinlich würden christliche Rumänen unter diesen Umständen zum Feinde desertieren. Das, glaubte man, würden auch die jüdischen tun, und gab ihnen gewisse Versprechungen, um sie an ihre Armee zu fesseln. In unzweideutigster Weise kündigte der Minister des Innern eine Vorlage an, nach' (welcher alle Juden, welche für das Vaterland die Waffen ergriffen hätten, das Bürgerrecht bekommen sollten. Wohl das Wenigste, was' man in einem zivilisierten Staat verlangen kann. Denn Rumänien zivilisiert wäre! Man hat das gegebene Wort wiederum gebrochen, man dachte gar nicht an seine Einlösung. Zu Tausenden eilten die rumänischen Juden, di,e bereits im Befreiungskampf Rumäniens ihre volle patriotische Pflicht getan hatten, unter die Fahnen. Selbst rumänische Organe antisemitischer Tendenz konnten damals den Juden nicht das Lob vorenthalten, daß sie, die staatsrechtlich noch immer als „Fremde" gelten, damit einen höchst anerkennenswerten Beweis ihrer vaterländischen Anhänglichkeit erbrachten. Nichts ist bezeichnender für den Charakter rumänischer Politik, besonders gegenüber den 'Juden, als ein Geheimbefehl einer höheren Kommandostelle, der gerade in jenen Tagen patriotischen AufflamMens erflossen war, und von dem die rumänische Zeitung „Seara" Kunde gab. ' „Es ist demnach Ihre Pflicht, folgender Frage besondere Aufmerksamkeit zu schenken: die Kompagniesührer sollen sich nach den Anschauungen aller Mannschaften erkundigen, die nichtrumänischen Ursprungs sind, besonders in betreff aller Juden. Einer alten Verordnung gemäß, die Sie erhalten haben, wäre es ratsam, diese, nämlich die Juden, nicht zu befördern. Andererseits dürfen wir dir Leute nicht unzufrieden machen und müssen deshalb unsere Meinung über sie sehr geheim halten; es darf nichts durchsickern, das sie erkennen liehe, daß ihre gute Gesinnung uns verdächtig ist. Zu diesem Zwecke muh jeder Offizier die vorliegende Ordre geheimhalten und sie niemanden mitteilen. Sie werden den Hauptleuten mündliche Verhaltungsmahregeln geben, die sie für vertraulich anzusehen haben. Wenn Sie der Meinung sein sollten, dah man irgend einer Militärperson nichtrumänischen Ursprungs (Juden niemals!) eine Beförderung oder irgend eine Anstellung geben solle, so haben sie einen wohlbegründeten und vertraulichen Sonderbericht einzureichen." Also: „Juden niemals!!" Gegenwärtig ist das Los der Judelr dort recht bejammernswert. Schon jetzt besteht ein Befehl, daß alle jüdischen Soldaten in die erste Linie zu stellen sind, und in der Moldau werden große Pogroms durch Rumänen und ihre russischen Bundesbrüder befürchtet, für welchen Zweck Hetzbroschüren verbreitet werden. Hoffentlich wird bald das Resultat des! Krieges den Herren Rumänein ein Schicksal bereiten, wie sie es verdienen.

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