Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 34 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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’jlr. 34 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 569 Bald hernach Fant auch bic zweite k. u. I. iHOteilimg au, in welcher sich drei jüdische Ossiziere und viele jü dische Uulerossiziere befanden. Für diese Deraustallece die Lämelschnle einen Festgotlesdienst, rvelchen Feldrabbiner G r o ß unter Mitwirkung de; Kantors R i b l i n uud des Chors der Anstalt leitete. Erhebend war es, als die jüdischen k. u. k. Soldaten im Hofe der Lämelschnle das hebräische Kaiftrgebet „Hauanoseu Aeschuoh" für Franz Joses I. sprachen. Nach dem Gottesdienste verweilten die jüdischen Soldaten noch bis Mitternacht im gastfreundlichen Kreise. (Vom k. u. k. Pressequartier genehmigt.) Wer weist? Chaim Me-tdel Bleiweist aus Wiznitz (Butowiua), derzeit Sobikow, Post Welhartitz (Böhinen), sucht Aron Herfch Loäee, dessen Frau Chauze! und Kinder Prrl uud S5'-raje aus Wiznitz (Bukowina), welche sich in Oberösterreich befinden: ferner Frau Chase SLtzmaan aus Kamena bei Czernowttz und deren. Tochter Jude; Kalman, Frau des Anczrt Kak-ua.;, aus Kosow. Fisch! Reiter aus Puzniki, Bcz. Tiumacz, sucht seine Frau Feige Reiter und seine zwei Söhne Chai-n und Marurs. Gest. ^Nachrichten erbeten an den Vorstand dec israel. Kultüsqe-ne-nve in Teltsch. Das „Altgem. österr.-'rfrael. Tkubst-unmeni-iftitirt" in Wie.:, 3. Be;., Rudolfsgafse 22, sucht den Aufenthalt folgender Personen: Chase Hinde Fingerhut aus Brody: Osias Keims aus Brody; Leib Mernes aus Brody; Oberrcoident Moritz Knebel aus Czernowitz; Fische! Dorter aus Delatyn; Alter Leib Kanter aus Kolomea; Israel Haiiczer aus Kvpyczynce; A. Ackermann aus Kopyczynce; Chaim Ber Webe! aus Monasterzyska; Moses Bodaar aus rnadworna; Fische! Zimsl aus Nowosietta bei Podyasce. Frau Nuchrl Kriege;, verehel. Adlerc-öerg, aus Radworna wird von ihrem Gatten Zecherje gesucht, weicher in Nustlans gefangen war, jetzt ausgetauscht worden ist und sich in einem Spital in Lohmen befindet. Zuschriften erbelei an I. Stein, Neuern (Böhmen). Vermißt wird Frau Betti Feder aus Doroschoutz, Bezirk Sasiasna (Bukowina), verloren in Kosow a.n 15. Ju;ri 1913. ^Nachrichten an das Ra'ebinat Reichencerg. Chaim Haller, Landsturnrm., sucht seine Frau Sissel Haller und Kinder, aus Storvzynecz in der Bukowina geflüchtet. Gesucht werden Frau Fanny SB'ei, geb. Hsnselmanu» wohnhaft in Bobestie (Bukowina) und deren Kinder La rach Me.iSe! Ssbel, Israel Sobel und Bertha Sovel sowie deren Großvater Moses Josef Hauselmann. Nähere Auskunft über deren Aufenthalt Erbittet Mechel Ssbel, Offiziersdiener bei Bittor A.rmann, k. u. t. Oberleutnant bei der Traindivision Nr. 11 in Mähr.-Ostrau. Gesucht werden aus Holleschru: Seide Wirselma-nr aus .Kosow sucht Chaim Leid S-ie'.norecher aus Kuty, welcher im Ilng.-Hradischer Flüchtlingslager gewesen und uubeka:iut wohin abgegangeu ist. Jona Meisinger sucht seine Schwiegertochter Berta Wrisinger aus Buczacz und seinen Sohn Elias Weifinger. Frau Se'rdner Ianitel aus Stanesta sucht ihre Tochter Witwe Marie Sch nerhold aus Kolomea. Toni Pfau aus Kuty sucht Familie Mantschte Pfau ans Kuty. Samuel Kwstfchrr aus Kosow sucht Dr. Jakob Zaslaars«, Advokat, aus Kosow, der angeblich in Wien sein soll. Etwaige Nachrichten werden an Her-n Leo Grün in Holleschau erbeten. Hersch Eiseniraft aus Kniaze sucht Mechel Klipper und Resste Klein mit sechs Kindern. Frieda Siegler sucht Amaria Ratz er und Mejchnl'en Dien es. David ErünblstL sucht seine Kinder Samuel und Ma?i Siegler. Frau Eberhard sucht ihre Söhne David 'und Hermann Eberhard. Frau Tannenzaxf sucht Paul Blättersreund samt Frau und Jude Klifch samt Frau aus Kolomea. Familie Lehrer sucht Jtzig Zier! ans Nybno. Bruche Weitzglatz sucht Schlojme und Mauzte Brenner aus Waschkoutz und Iosfel Singer ans Berezow. Zuschriften an Rabbiner Dr. Isidor Kohn, GeWitsch (Mähren). Selig Fleischer aus Kosow sucht seinen Bruder Jsak Fleischer aus Kosow. Chone Dreister aus Horodenka sucht seinen Vater Mortto Dreister aus Horodenka. jfeutlleton. Das letzte Seien. Bon Schalom Asch. Drei Tage haben sie gewartet, genreirit, K'-on werde ein WlUlder tun und die schreckliche Verfügung werde verschwindeu; sie haben nichts getan und bis zur letzten Minute gewartet. Zwei Tage, nachdem der Rabbiner gehängt worden war, hatte der Kommandant den Gemeindevorsteher Be rechja und Ofer Chassid kommen lassen und ihnen gesagt: nach drei Tagen dürfe sich lein Jude mehr in der Stadt befinden. Das verstanden sie nicht; denn sie konnten sich nicht vorstellen, daß die Juden einer ganzen Stadc init Weibern und Kindern, mit Kranken und Alten, die nicht mehr imstande waren, allein zu gehen, die Staat verlassen sollten. Wohin sollte man auch. gehen? Und was würde mit ihren Häusern werden, mit ihrer Habe, mit der Synagoge, dem Lehrhause, dein Friedhose und allem anderen? Sie dachten, man wolle sie nur erschrecken, mtb sie waren auch erschrocken. Mit klopfendem Herzen wartete das Städtchen auf sie. Eine Anzahl Männer stand am Brunnen ans dein Marktplätze. „Juden, es steht nicht gut!" ries einer von diesen, als er die beiden mit flatternden Röcken und zitternden Stirnlocken lausen sah. „Er befiehlt uns zu gehen," sprach der Gemeindevor Vorstand voll Schrecks. „Was?!" „Mit Weib und Kindern, mit Kranken und Alten, hinaus! Nach drei Tagen soll keiner mehr hier sein." Die Leute schwiegen: mit gesenkten Kopsen gingen sie auseinander, und schon nach einer Minute wußte die ganze Stadt von dem Unglück. Keiner aber glaubte, daß es ernst gemeint sei. Alle hielten dafür, man wolle sie nur erschrecken. Sie hatten ivohl gehört, daß dergleichen im Innern von Rußland vorkomme, wo Inden nicht wohnen dürfen: von dort schickt man Inden weg, welche dorthin kommen. Aber ihr Städtchen, ivo Inden seit Urzeiten wohnen und einen uralten Friedhof haben mit gemauerten „Stübchen" aus den Gräbern aller „guten Juden" (chassidischen Wunderrabbis >, ivohiit unzählige Juden zum Beten kommen -- dessen Einwohner sollte man am Hellen, lichten Tage anstreiben? Uitb was würde werden mit den Häusern und Läden, mit der Synagoge und dem Lehrhanse, mit den Gräbern der Eltern und der Wunderrabbis? Ihre Hände fingen nicht an zu fammenzupacken. Was sollen sie packeil?' Bettzeug, Wäsche, Kleider? Wenn das wertvollste, die Stadt mit derl Häu fern, znrückbliebe? So liefen sie nur herum und dachten nach, was man tun könne. . . . In die Gouvernementsstadt zum Gouverneur fahren konnten sie nicht; denn dazu war eine Erlaubnis nötig, und die erhielten sie nicht. So entschloß man sich zu einem Telegramm. Man versammelte sich in dem Hanse des Rabbiners bei der Witwe, und Leiser, der Bittschriften' Verfasser, der etwas Russisch konnte, schrieb das Telegramm. Alle Juden, die herumstanden, diktierten: einer sagte, man solle furchtlos alles ansschreiben, was die Juden jetzt fühlen, und nicht auf die Kosten sehen, die das machen könne. Das Telegramm war laug und rührend und enthielt atlcs, was die Juden seit dem Anfang des Krieges erlebt hatten. Weshalb man sie verjage? Sie seien dem Kaiser treu und bereit, für ihn zu sterben. Sie bäten den Gouverneur, der „stets ein Bater für sie gewesen" sei, er nröge sich ihrer annehmen. Das Telegramm lvnrde zur Post getragen. Alle Inden gingen mit. Der