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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-25 · 34 (25.8.1916) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
34 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 566 Dr. Bloch's Wochenschrift! Nr. 34 reiche mit Orden reich geschmückte Offiziere und Mannschaftspersonen, endlich viele Notabeln unter dem hiesigen Badepublikum füllten den Tempel bis auf das letzte Plätzchen. Oberkantor Goldberger versah mit einem wohlgeschulten Chor die kantoralen Funktionen, worauf Rabbiner Dr. Diamant eine patriotische Festpredigt hielt, die alle Anwesenden begeisterte. Air das vorn Herrn Rabbiner vor offener Bundeslade gesprochene Gebet für Kaiser und Reich schloß sich die Volks Hymne, womit die erhebende Feier ihr Ende fand. Mitrowiea. Am 18. August fand ein festlicher Gottesdienst statt, an welchem die Spitzen aller Behörden korporativ teilgenommen haben; unter diesen befanden sich der tönigl. Gerichtshospräsident, der k. k. Staatsanwalt Dr. Hönigsberg und viele andere. Die Festrede hielt Se. Ehnv. k. u. k. Feldscelsorger Bezirksrabbiner Hirsch Leb o v i c s im Feldkuratsornat. In St. Pölten fand die Kaiserfeier in der Kaiser Franz Josef-Huldigungs-Synagoge statt. Außer dem Gesamtvorstand und den Gemeindemitgliedern waren auch eine große Anzahl Soldaten und Zahlreiche Offiziere antvesend. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Adolf S ch ä ch-- ter, während den gesanglichen Teil Kantor Wilhelm' Rabinovicz besorgte. Seitens des Vorstandes wurde auch eine Huldigungsdepesche an die Kabinettskanzlei abgesendet. . In Vinkovci fand anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät am Franz Josefsplatz unter freiem Himmel eine feierliche Feldmesse statt, bei der Seelsorger aller Konfessionen Gebete verrichteten. Seine Ehrwürden kgl. ung. Feldrabbiner i. d. R., unser Oberrabbiner Dr. Frankfurter, sprachen ein tiefergreifendes Gebet für Se. Majestät, für die Armee und den baldigen Frieden. Dem am Nachmittage vom Offizierskorps veranstalteten Festessen wurde der Rabbiner beigezogen. _ In tinctos Judaeos. Es konnte sehr unzeitgemäß und kleinlich erscheinen, während die schreckliche Bellona über Land und Meer dröhnend dahinschreitet, über den „Glaubenswechsel" und das Ueberhandnehmen der erwachsenen „Täuflinge" tzu schreiben. Da aber diese mehr von Feigheit als von seelischer Sauberkeit zeugenden Akte auch während des männermordenden Krieges nicht feiern, ist nicht recht einzusehen, warum man davon jetzt nicht sprechen dürfte. Eher müßte man dabei befürchten, längst und unzähligemale Gesagtes Zu wiederholen. Die folgenden Zeilen bezwccken aber nichts anderes, als aus den verstaubten Bücherkatakomben der Bibliotheken die durch ihre Prägnanz und Treffsicherheit ausgezeichneten, unbekannten oder längst vergessenen, sehr beherzigenswerten Worte eines französischen Schriftstellers über diesen Gegenstand wieder ans Licht zu ziehen. Laurent Angliviel (bekannter unter dem Namen La Be au melle) war ein Zeitgenosse Voltaires und diesem spinnefeind, so daß die grimmige Federfehde zwischen beiden erst mit dem Tode La Beaumelles ein Ende fand, wenigstens von Seiten des letztere!:, denn Voltaire holte noch die Leichen seiner Feinde aus dem Grabe, um sie zu besudeln und hinterließ noch ::ach seinem eigenen Tode lügnerische Pamphlete gegen seine Gegner, die er bei Lebzeiten nicht zu veröffentlichen gewagt hatte. Dieser La Beaumelle ist besonders durch seine Herausgabe der Denkwürdigkeiten und Briefe der berühmten Me. de Maintenon bekannt geworden. Uns interessiert hier aber eine andere seiner Schriften: „Ne8 P e n 8 e e s" in denen er zahlreiche Aphorismen aneinanderreihte. Unter diesen lautet die ,-Pensee" CCXV: „Un liomme peut avoir le malheur de regarder d’im oeil indifferent toutes les religions et l’imprudence d'en convenir et neanmoins etre en droit de refuser de quitter la religion des ses peres. Les droits de la conscience sont sisacres que celuimeme q u i n’e n a point peut les reelamer. Befuser de se reunir ä la religion dominante c’est non seulement refuser detre hypocrite, c’est encore conserver le privilege le plus essentiel de libert6.“ La Beaumelle dachte bei diesen Worten sicher nicht an die Juden; er wollte vielmehr nur die abtrünnigen Hugenotten treffen. Und doch könnte man auch heute gegen das Ueberläufertum so vieler jüdischer Intellektueller nichts Wirksameres sagen, besonders gegen jene, die den Wechsel ihrer Glaubenskokarde damit beschönigen wollen: es könne nicht sittlich verwerflich sein, einen Glauben öffentlich auszugeben, den man sich nie zu eigen gemacht habe, und verbreiteten Vorurteilen frei die Stirne zu bieten. Voltaire sagte einmal: „Tout est prejuge,“ und ine inte damit jede Ehrlosigkeit verteidigen zu können. Tatsächlich jgibt es ja Heute, -die es! 'lächerlich finden, sich zu entrüsten, wenn man ihnen ins Gesicht speit, während man es doch nur drollig finde,, wenn uns die zeitungsfressenden Lamas in Schönbrunn aus ihren Gehegen einen 'Speichelregen ins Gesicht sprühen. Es gibt ja Leute genug, die es sogar' absurd finden, vor der Heirat eines Mädchens mit ramponiertem Magdtum zurückzufchrecken, während man doch ohne Bedenken eine Witwe heirate! Man hört Religionskonvertiten auch so oft sich auf jene Anekdote berufen, derzufolge sich Lavater in einer Bittschrift um das Bürgerrecht für Moses Mendelssohn an Friedrich den Großen mit den Worten wendete: „Ein ungläubiger Katholik schreibt einem ungläubigen Protestanten für einen ungläubigen Juden." Allen diesen sagt La Beapmelle, daß es sich bei einer' lo'lchen 'Fahnenflucht' nicht' darum handelt, daß man eine Konfession abschwört, in die man ohne sein Hinzutun hineingeboren ist, jals vielmehr darum, daß man sich in eine hineinschwört, tvobei.bloß die Lippen bekennen, wovon das Herz nichts weiß, und daß Man damit den heiligen Kampf gegen den Glaubenszwang und für das Ideal der Gedankenfreiheit schnöder materieller Vorteile wegen aufgibt. Wenn man mit solchen Scheingründen etwa den Abfall von seinen ,,G lausten sgenassen" entschuldigen wollte, so wird man damit doch nie die perfide Felonie rechtfertigen können, seine schwer bedrängten S t a m m esgenossen in der Stunde der höchsten Not im Stiche gelassen zu haben. Einen verwandten Sinn haben auch die folgenden Verse eines französischen Dichters über den frivolen Glaubcnswechsel: . „Cest traliir ä lu fois sous un masque hypocrite Et le Dieu qu’on prefere et le Dieu qu’on quitte“. Es sei uns, indem wir diese Frage verabschieden, noch gestattet, einen „Gedanken" La Beaumelles zu zitieren, der im Hinblick auf die zionistische Bewegung des aktuellen Interesses gewiß nicht entbehrt. Die „Pensee" CXXXVI tontet: „Le marqnis de Langallerie avoit forme un projet plus digne d’une giande äme que d’une bonne tete; . c’etoit de rassembler daut les ües de l’archipel tous les Juifs dispersez sur la face de la terre. II auroit fait la guerre au Pape et ä la maison d’Autriohe; il auroit livre la chretiente au Tu: c, et cent autres folies de cette espece: voiez ses Memoires. S’il s’etoit borne ä se faire roi des Juifs rassemblez dans de l’ile de Cliipres sous la protection du Grand seigneur il n’y auroit eu ä ob-

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