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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 32 ftr. Bloch's Wochenschrift seilc 539 sammm. „Er fängt gar ni-cht an zu husten." Nun fängt Jojne Liebels zu husten an. „Es ist ein ganz gewöhnlicher Husten," sagt der Porusch. „Wie bei einem Katarrh." Jojne Liebels greift sich an die Brust, ringt um Atem, schleppt sich-zur Türe, wo der Wasserkrug steht, nimmt einen Schluck Wasser und geht wankend zurück. „Ein toter Mensch, was?" „Nein," erwidert der Porusch. „Heu? ist ja die Nacht von Hotschano Rabo. Und sein Schatten folgt ihm."*) „Der Schatten ist aber ganz dünn und zitterig. Lange wird er ihm nicht mehr folgen." „In dieser Woche ist die Hochzeit," unterbricht finster der Porusch. „Nun, so wird sie junge Witwe sein." „Ich will nicht, daß er sie auch nur anrührt," keucht der Porusch und springt von seiner Bank ans. „Du wirst schon Rat finden." „Wieso?" Jojne Liebels ist stehen geblieben, um Atem zu holen, und der Rote sagt: „Komm, geh' zu seinem Schatten!" „Was wird sein?" „Das wirst du sehen." Sie gehen beide aus den Schatten zu. Der Porusch hat keine Schuhe an, und seine Schritte sind unhörbar. „Laß nur dein Messer nicht fallen," warnt der Rote, „wenn es fällt, klirrt es." Der Porusch drückt den Messergriff noch fester zusammen. Jojne Liebels steht mitten in der Betstube, hält sich an einem Betpulte fest und ringt um "Atem. Der Porusch und der Rote stehen auf seinem Schatten. „Willst du ihn loswerden?" fragt der Rote. Der Porusch nickt. Seine Stimme würde Jojne Liebels hören. „Stich mit dem Messer dem Schatten in die Gurgel. Geschwind!" Der Porusch will es nicht tun, und der Rote stößt ihn am Ellenbogen. Das Messer entgleitet feiner Hand, fällt mit der Spitze nach unten und bleibt, genau auf der Gurgel des Schattens, iin Fußboden stecken. Im gleichen Augenblick fällt Jojne Liebels um. Ein Blutstrom schießt ihm aus dem Munde. Der Porusch schreit auf und — erwacht. Denn das Ganze war nur ein schwerer Traum, den der.Porusch hatte, als er in einer Mondnacht im leeren Bethause auf einer harten Bank eingeschlafen tvar. Wie er zur Besinnung kam, stand er schweißgebadet mitten in der Betstube. Er erschrak, ging mit wankenden Knien zu seinem Platz am Ofen, holte unter der Bank den Sack mit seiner Habe hervor, band ihn zu, warf ihn sich auf die Schulter und verließ das Bethaus: Nach Hause oder in die Welt hinaus! Literatur. Der Sohn der Sonne.**) Besprochen von Rabbiner Dr. Heisz, Sisak. Biblische Stimmungsbilder sind in unserer modernen Literatur schon oft und geschickt verwertet worden; zumal wo es sich um das erotische Prinzip handelte, etwa wie in „Simson und Delila", „Jestas Tochter", „Die Sprache der Vögel" u. a. Allein, daß selbjr ein Pharao, ein Despot auf dem Throne des alten Aegyptens, und noch dazu ein Pharao-Hophra, zu einem dramatischen Sujet verwertet werden wird, das glaube ich. hat Pharao selbst nicht geträumt —, nicht einmal in jener Nacht der sieben Kühe und sieben Aehren. *) Nach einem alten Volksaberglauben werfen diejenigen, die im kommenden Jahre sterben sollen, in der Nacht von Hojschano Rabo entweder gar keinen oder einen unvollständigen Schatten. **) „Der Sohn der Sonne", Drama in fünf Akten von Gisela v. Berger. Ausgeführt im Burgtheater. Diese dramatische Kühnheit besaß nun eine junge, begabte Wiener Schriftstellerin, der es wirklich gelungen i|t, Pharao- Hophra zu einem Ltebesduett mit der schönen Prinzessin Horis zu zwingen. In seinem Liebesrausch hat Pharao-Hophra an die alten zehn Plagen Aegyptens vergessen. Auch träumt er nicht, wie seine Vorgänger, von Kühen und Aehren —. er träumt und ist trunken von der Liebe zu der schönen Horis, die ihn liebt und haßt zugleich. Echt ägyptisch! Aber diesen „Sohn der Sonne", wie Pharao-Hophra genannt wird, plagt ein anderer Schreck. Aus seinem Liebestaumel nämlich weckt ihn die Prophezeiung des Propheten Jeremias: „Siehe, spricht Gott, ich gebe Pharao- Hophra in die Hand seiner Feinde...." *) Allein in dem Drama der jungen Dichterin ist es nicht der Haß der Feinde, dem Pharao- Hophra zum Opfer fällt, sondern die Liebe der schönen Horis ist es, die ihn tötet. Es ist eben ein psychologische-- Rätsel, diese Liebe eines ägyptischen Weibes. „Liebehaß" nennt es treffend ein Wiener Llritiier. Und aus dieser Liebehatzstiminung heraus betet sie: „Götter, vernichtet ihn.... rettet ihn.... Laßt den Ruchlosen sterben in rühmloser Schlacht.... führt ihn siegreich heim, den Schicksalsoerfolgten!.... Trefft ihn. den Schänder, der mir verhaßt ist.... beschützt ihn.... schlafen will 'ich, bis man ihn tot mir bringt, nein, bis ec als Siegender heimtehrt." Ein geschichtlicher Pharao-Hophra ist dieser dramatische siche.- lich nicht, auch kein biblischer, denn die Bioel hat wenig Interesse für Pharao-Hophra, aber die Stimmung in diesem Drama und das ägyptische 'M.lieu hat die junge öckü.i.tlerin Irefstich gezeichnet. Ihre ägyptischen Priester und das Totmgericht, welches jene über Röntg Pharao-Hophra und Horis abhalten, sind gut orientalisch. Eigentlich ist das ganze Stück als eine Faoel gedacht, eine ägyptische Fabel, allein die Weissagung des Propheten Jeremias gibt dem Drama einen biblischen Ehararter. Modern und wie ein „Chorus my,.ims" klingen Horis' Sterbeworte: „In einer reinen Welt werden wir das Geheimnisvolle verstehen, das hier L-ebe hieß und so unselig war! Auf.... auf zur Vermählung!" Im Deutsche» Reich. Feldbücherei des Jentraloereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin SW. 68. Inhalt: „Der Rrieg", Vorträge von Justizrat Dr. Horwitz. Geh. Justizrat Dr. Fuchs und Syndltus Dr. Holländer in Berlin. - Rabbiner Dr. Werner, München: „Innere Mission" (Vortrag). - Dr. L. Jacob, Dortmund: „Der Herr der Heerscharen" (Rriegsbetrachtung). — „Ludwig Frank, ein deutscher Jude". — „Offiziers-B-telwertreter Immanuel Saul, Duisburg: „An meine Rinder" (Gedicht). Im Deutschen Reich. Feldbücherei des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin SW. 68. Inhalt: Reichratsabgeordneter Dr. Ludwig Haas, Rarlsruhe: „Der deuische Jude ln der Armee" (Vortrag). — Rabbiner Dr. Werner. München: „Judentaufen" (Vortrag). - Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin: „Die Zukunft der Juden" (Referat). Dr. A. Lippe, Gesammelte Aufsätze, br. Mk. 2.50; L. Roseablatt, Perez Smolenslin, Ml. —.60; Israelitische Predigt-Bibliothek, a Heft Mk. —.60. Zu beziehen durch E. Boas Rchf., Buchhandlung, Berlin E. 2. Neue Friedrichstraße 69. „Jeschurun", Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber Dr. I. W o h l g c m u t h. Verlag des „Jeschurun", Berlin N. 24. 3. Jahrgang. Heft 7. Inhalt: I. Unna : „Die Agunagesetze". — I. Friedländer : Moses Maimonides" (Schluß). — A. Blau: W. Reymondt, „Lodz, das gelobte Land". — „Von der weltkulturellen Bedeutung und Aufgabe des Judentums". — H. Levy : „Der Jude", eine Anregung. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. F r a n t e l. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeoen von Prof. Dr. M. Braun. 60. Jahrgang. Reue Folge: 24. Jahrgang. Mai/Juni 1916. Roebner'sche Verlagsbuchhandlung (Barasch E Riesenfeld). Breslau, Schmiedeorücke 17/18. Inhaltsverzeichnis: A. Fürst, „Das Sabbatäer-Eebetbuch des Simon v. Pbchi. V. Aptowitzer : „Die talmudische Li.eralur der letzten Jahre". — S. Ochs: „Die Wiederherstellung der Rommentare Jbn Esras zu den Büchern Jeremias, Ezechiel, Sprüchen Salomos, Esra, Nehemia und Chrom!" (Fortsetzung). — A. Abeles : „Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur". — I. Löw : „Quisqu lien". — B. Cohn : Besprechungen. Bensaude Joaguim, ,,i.:As rui.uiiiii* n.i liquc a- . i iI ilu.;i i cj..i q iti-s traii'cs <!<’■- coaveries. — Nordmann Achilles: „Geschichte der Juden in Wrsmins 44, 30.

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