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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Bloch's Wochenschrift Seite 52/ gesetzt: „Habt acht auf die Kinder der Armen, denn aus ihnen wird die Lehre hervor--? gehen!" Der Arme ward zur Quelle, zum Reservoir des Wissens, der Kultur, des Fortschrittes. Dieser urjüdische Lehrsatz ist ans der heute noch fortwirkenden Erfahrung hervorgegangen, daß das Kind des Reichen, im vollen Bewußtsein der ihm gesicherten materiellen Machtmittel, aus das Studium nicht jenen Ernst und jene Muhe aufzuwenden pflegt, welche daS Kind des Armen altzulegen gezwungen ist, und, wenn ihlir geistige Fähigkeit llicht fehlt, auch anlegt in dem Bestrebell, im späteren Kampfe ums Leben seilten mit ererbten Lebensgütern gesegneten Mitmenschen ebenbürtig lnrd gleichwertig zu werden. Tatsächlich sind die berühmtesten Männer des Judeutulns, die der Menschheit manchen großen Gedanken, manche epochemachende Erfindung und manches künstlerisch hervorragende Produkt gejchenkt haben, ans der ärmlichen Stube der engen Judengasse hervorgegangen. Die Unterstützung des Armen ans seinem Studiengange ist bis heute noch ein oberstes Gebot jüdischer Wohltätigkeit. In diesem sozialen Ersaßen des Wohltullö liegt der Ursprung jener unzähligen Stipendien, Stiftungen und Schulgeldbeitrüge, ivclche zur Förderung nahezu aller Gebiete der Wissenschaft für arme Studierende von Juden gewidmet wurden. Gar viele dieser Stiftungen und Widmungen — besonders die in der liberalen Aera errichteten— sind für Studierende „ohne Unterschied der Konfession" bestimmt und die Verteilung ihrer Erträgnisse ig kommunalen Behörden überlassen. Mancher dieser Stifter ist zu gleicher Zeit mit dem Liberalismus ans dein Leben geschieden, viele aber haben den Liberalismus, all dessen ewiges Leben sie so unerschütterlich .glaubten, daß sie ihm Altäre der Wohltätigkeit errichteten, selbst überlebt ulld mußten bitteren.Gram darüber empfinden, daß sie nicht mißtrauischer ivaren und nicht zumindest den Prozentsatz sicherten, in welchem die Erträgnisse der jüdischen Stiftung auch jüdischen Studierenden zugute kommen sollen. Heute macht ein jüdischer Student nicht einmal mehr den, ohnedies vergeblichen, Versuch, ans solchen Stiftnllgen wenigstens einen Brosam zu erlangen. Diese Erfahrungen sind für uns ein weiterer Grund, weshalb wir uns gegen die Intention des Erlasses der niederösterreichischell Statthalterei mit allem Nachdruck wenden müssen. Wir haben einen heillosen Respekt vor unklaren Verordnungen und Erlässen, deren Auffassung, Anwendung und Durchführung der Willkür der ausführenden Organe soviel Spielraum überlassen. Die Lecn- und Lehrfreiheit wurde schon zu oft dahin gedeutet, daß es den Schulerhaltern und Schulleitern freisteht, Juden auf d'.e eine oder andere Weise aus einer Lehranstalt auszuschließen, und man hat in dieser Deutung bereits eine solche Virtuosität erlangt, daß die niederösterreichische Lehrerbildungsanstalt schon seit vielen Jahren keinen jüdischen Schüler hat und ans solch' prophylaktische Weise dafür gesorgt wurde, daß die Gemeinde Wien bei Neubesetzungen von Lehrstellen jüdische Bewerber nicht ablehnen könne — weil es keine qualifizierten jüdischen Bewerber mehr gibt. Wir möchten aber durchaus nicht, daß jemand aus diesen Ausführungen den Schluß ziehe, daß wir der Ueberflutung der Mittelschule oder der freien Berufe durch Juden und besonders durch mittellose Juden das Wort reden. Im Gegenteile glauben wir, daß dem Gewerbetreibenden und dem reellen, den Anforderungen der Zeit Rechnung tragenden Kaufmann nach dem Kriege eine schöne Zukunft winkt und daß auch diese Berufe dem hierzu Tauglichen viele Möglichkeiten bieten, seinen Wissensdrang zu betätigen. Aber wir sind andererseits der Meinung, daß auch die Mittelschule nicht bloß eine bevorzugte Lehr- und Erziehungsstätte für Kinder der Reichen von früher oder feit gestern und heute - ohne Unterschied der Konfession und der Begabung sein darf, sondern auch und vielleicht hauptsächlich den Be gabten ohne Unterschied der Konfession und des Vermögensstandes — offen sein müßte. Wogegen wir uns in erster Reihe wenden, ist, daß eine Praxis aus der Vorkriegszeit für die Zeit nach dent Kriege auch auf die Mittelschule angewendet werde, und daß ganz besonders jüdische Söhne und Töchter, deren Eltern Glücksgüter entbehren oder durch den Krieg in die Kategorie der Mittellosen gedrängt wurden, dar auf sollen verzichten müssen, eine ihrer Neigung und ihren Fähigkeiten entsprechende Existenz anzüstre'ben. Vielleicht sind dche Auseinandersetzungen manchem begüterten Wohltäter auch ein Wink sür die soziale Be kundung seines Wohltätigkeitssinnes. Habt acht auf die Kinder der Armen, denn aus ihnen wird die Lehre hervorgehen! — b — sz. Kriegsdekoralionerr jüdischer Offiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josefs- Ordens am Bande des Militärverdienstkrenzes in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde dem Stabsarzt d. R. Tr. Engem Roth, Res.-Spital; das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Franz Löwen stein, J.-R., und Dr. Richard Kraus, bosn.-herz. J.-R.; das s i l b. Signum l a n d i s am Bande des Militärverdienstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem Leutnant d. R. Alexander Herczeg, J.-R.; das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (kaiserliche belobende Anerkennung) sür tapferes Verhalten dem Oberleutnant Josef A s z k e - nafy, J.-iR.; den Leutnants d. R. Bernat VerteS (Weis z). Jägerbat., und Emmerich W e i n b e r g e r. Feldkanonenreg.; dem Ldst.-Oberleutnant Samuel Kohn, Brig.-Kdo.: dem Leutnant d. R. Friedrich Rosenberg, Geb.-Art.-Reg.; für tapferes und aufopg rungsvolles Verhalten dem Ldst.-Oberarzt Dr. Heinr. Wien,' Geb.-Brig.; für vorzügliche Dienste vor dem Feinde dem Oberleutnant d. Ev. Hugo Klein, Geb.-Brig.-Sanit.- Anstalt; den Oberleutnants d. R. Moriz ^Herczeg, Fest.-Art.-Reg., Edmund Ascher, Traindiv.: sür tapferes Verhalten Hugo Kauders, J.-R.; dem Leutnant d. R. Jakob Quittner, Jägerbat.: den Oberleutnants d. R. Moses Fischer, J.-R., Rudolf Singer, J.-R.; den Leutnants d. R. Friedrich Epstein, J.-R.. Paul Goldschmidt, Feldkanonenreg.; denr Regimentsarzt Dr. Siegmund Stiaßny, Jnf.-Brig.; für vorzügliche Dienste vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Erich Stern, Traindiv.; dem Ldst.-Oberleutnant Moriz Schreiber, Feldbahn; deni Leutnant d. R. Friedrich Taussig, schw. Haub.-Div.: dem Oberleutnant Moriz Wolf, Küstenabt.; für tapferes Verhalten dem Oberleutnant d. R. Guido Fuch s gelb, Ldw.-J.-Reg.: für vorzügliche Dienste vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Rudolf Kohn, Ldst.-Et.-Bat.; dem Oberleutnant Bela Unger, ung. Ldw.-Hus.-Reg.; den Oberleutnants Heinrich Berger und Wilhelm Deutsch, ung. Ldst.- Regiment;

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