Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Sit. 31 T>r. Bloch's Wochenschrift Seite 5L3K britannien für die weitere Entwicklung des englischen Geschäftes zu den unabweislichetr ^otiucuDigteiieit gehöre. Als unter dem Einfluß von Insolvenzen anleritanifcher Betriebe in Paris eine Bank nach der anderen ins Wanken geriet, war die Frage einer Retablierung und Konsolidierung des Kredits zu. einem schwer lösbaren Problem geworden. Hier griffen die Rothschilds ein. Die bedeutendsten Häuser suchten um ihre Intern vention ait und fanden sie auch. Im Jahre 1819, als Lord Liverpool Premierminister war, brachten die Rothschilds eine Schatzairleihe im Betrage voit zwölf Mil-, lionen Pfund Sterling zustande. Der Gewinn, den Mathau Mayer aus dieser Transaktion zog, befähigte ihn unter anderen Dingen airch, sich durch den Ankauf von Gunnersbury den erbgesessenen Lords au die Seite zu stellen. Der zweite englische Rothschild lvar Baron Lionel, dessen Tätigkeit in die Epoche der Königin "Biki toria fällt. Er lebte bis zum Jahre 1879. Mit ihm, als eine Art Am cus ciuiae, lvar sein Bruder Sir Anthony Rothschild assoziiert. Er war der Onkel des jetzigen Lord Rothschild und der vertraute Freund Lord Palmerstons. Ein richtiges und sachverständiges Urteil, was politische Dinge uno Pferde alllangt, wird ihm nachgerühint. In die Zeit Baron Lionels fielen die großen ungarischen, brasilianischen und chileltischen Anteihen, die nicht nur die Regierungen dieser Staaten,- sondern auch andere mit den Anleihen zusammenhängende Faktoren in geschäftliche Beziehungen zu dem euglifcheu Hause Rothschild brachten. Der Krieg Oesterreichs und Deutschlands gegen Dänemark im Jahre 1864, der Krieg zwischen Oesterreich und Preußen und vorher schon das Revolutionsjahr 1848 mit seinen finanziellen Krisen brachten dem Chef der Londoner Firma vielfache Gelegenheit, seinen politischen und finanziellen Scharfblick zu bewähren. Mittlerweile hatte Nathaniel, Baron Lionels ältester Sohn, seine wissenschaftliche Ausbildung für das große Erbe, das er dereinst anzutreten' bestimmt lvar, beendet. Ebenso wie seine übrigen Brüder, studierte er am Trinity College in Cambridge. Sir Charles D i l k e war fein Studienkollege. Sie hatten beide den gleichen Hof-, meister. „Natiy Rothschild und ich," so erzählte Sir Charles D ilke gelegentlich, „arbeiteten in diesen Tagen mit außerordentlichem Eifer und waren immer rechtzeitig in den Hörsälen. Er war jedoch elltschieden der Begabtere von uns beiden." Schon am Trinity College regte sich eine große und verständige Borliebe für Sport. Die Gastfreundschaft, die er in seinem Londoner Heim und auf seinem Landsitz ausübte, war in ganz Europa berühmt. Größen auf sozialem und politischem Gebeite fanderr sich bei ihm zusammen, und mit den ergebnisreichen Debatten, die hier gepflogen wurden und oft von folgenschwerer Bedeutung waren, konnte feilt Klub in Pall Mall oder Piccaddilly einen Vergleich aushalten. Bei ihm gesellschaftlichen Zutritt zu erlangen, war keine geringe Auszeichnung, um die sich viele eifrigst bewarben. Seine Gartenfeste in Gunnersbury waren stets glanzvoll. Politiker, große Parteiführer, Diplonlaten aus aller Herreu Länder und wirklich vornehme Fremde waren seine Gäste. Einen erstrangigen Rennstall befaß er in Mentmore. Als im Jahre 871 F a vpni u s und im Jahre 1879 Sir Bevys die Farben des Rennstalles Rot h s ch i l d im englischen Derby zum Siege trugen, wurden diese großen sportlichen Ereignisse nicht nur 'vom Rennpublikum irr Epsom, sondern auch vorr allen Sportfreunden mit lebhaftester Genugtuung begrüßt.' Denn die Rothschildschen Siege auf der Rennbahn waren die Resultate sorgfältigsten Trainings und zeichneten sich durch die absolut eimvaudfreie Art aus, mit der sie gervonnerr wurden. Die großen geschäftlichen Erfolg, die er erzielte, und die glänzende gesellschaftliche Stellung, die er ein nahm, brachten es rnit sich, daß Nathaniel im Jahre 1885 zum Peer ernannt wurde. Keutsch odrr Kölnisch? Eine humoristische, aber recht tressende Antwort auf die Frage, ob das Deutsche oder das Polnische die -spräche der Fuden Polens ist, finden wir unter der Ueberschrift „Erlebtes" in der „Fugend". Es erzählt da ein Mitarbeiter: Ich bin ein guter Arier, unleugbar auch meinem Aeußern nach. Wir liegen' in schwerer Schlacht tagelang im Schützengraben. Bor unserer Front Hand ein verlassener Meierhos, in den. da von seinem First die Genfer Fahne wehre, die Verwundeten der Rachl gesechte, Freund und Feind, geflüchtet wäre,:. Da zündeten eines Tages russische Granaten im Strohdach des Hauses. Noch bevor wir Leute hrnfchicken konnten, sahen wir einen Russen aus allen Vieren von dort au, unseren Schützengraben zukriechen. Gr zeigte schon von weitenr se.n verwundetes Bein. Wir nahmen ihn auf; ich labte ihn denn dann werden die Russen viel gesprächiger — und bemühte nrich mit ein paar Brocken Russisch, ihn auszufragen. Da es nicht ging, sagte ich endlich zu meinem Wachtmeister: „Können Sie mit dem Manne redend" Da erhellt sich das stumpfe Gesicht des Russen, freudig ruft er aus: „Was. >2 e reden deutsch'?" Ich ebenso erleichtert: „Fa. warum hast Du mir nicht gleich gesagt, das; Du ein Fud' bist?" Darauf die Gegenfrage: „Haben 2e mir gesagt, das; S e aner sind'?" Wrratrrr. „Der Jude". Eine Monatsschrift. Herausgeber: Dr. Martin B u b e r, Heppenheim a. d. Bergstraße (Hessen). Verlag R. L ö w i t. Abteilung „Der Fude", Berlin 01. 3/, Weitzenburger Straße 6. und Wien, 1. Bez.. Wollzeile 6. Fuli 1916, Heft 4. Fnhalt: Hermann Glenn: „Fmperialismus und Fudentum". Moritz Bileski: „Die deutschen Fuden in der deutschen Politik". Jakob Leszczynski : „Fragen des ostjüdischen Wirtschaftslebens". F. Oettinger: „Die Bodenkultur bei den Fuden". — Glias Auerba ch : „Trad.tioneiles und nationales Fudentum". — S. Dubnow : „Die Hauptprozesse der neuesten Geschichte der Fuden". Arno Radel: Füdische Volkslieder, religiöse Lieder. — Bemerkungen. - ■ Taten und Materialien. „Theodor Herzl", Ksiega Pamiosttowa. Unter diesem Titel erschien aus Anlaß des Fahrestages vom Tode Herz Ls, unter Redaktion von Adolf Stand und Dr. ß. F. F i n k e l st e i n, ein Sammelbuch, das durchwegs aus Galizien stammende Schriftsteller zu Mitarbeitern hat. In einer Reihe von Aufsätzen namhafter Autoren, wie B u b e r. Schiller, Thon, Ehrenpreis u. a., wird hier die Persönlichkeit H e r z l' s einer allseitigen Würdigung unterzogen. H e'r z l ^als Politiker, als Dichter und als Mensch, gesehen von einer geschichtlichen Perspektive, wird hier kritisch oder rein literarisch behandelt, je nach dem Standpunkt einzel ner Autoren. Das Buch, welches auch äußerlich hübsch ausgestattet ist, verdient ernste Beachtung. Briefkasten. Pros. Tr. Menscher. Wir danken für den Hinweis, daß der Name „Sonnino" bei den Fuden in Italien schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts vorkommt. So findet sich im zweiten Gemeindebuche, das noch heute erhalten ist, ein Verzeichnis der zur Congrega (damals selbständige, von Fuden Roms vertretende Körperschaft) im Fahre 1729 gehörenden Mitglieder. Dieselben sind mit Vor- und Zunamen genau angegeben und darunter der Name „Jsac Sonnino". (Abgedruckt bei Dr. A. Berliner : Geschichte der Fuden in Rom, S. 191.) Notiz. Jüdische Bühne. Direktion S. P o d z a m c z e , 2. Bez.. Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). W o ch e n - P r o g r a m in : Samstag, den 5. August: „Das X. Gebot", Operette in vier Aufzügen von A. Goldfaden. Sonntag, den 6. August, nachmittags bald 4 Uhr: „Motie Meilech", Lebensbild in vier Aufzügen von Kornblüth; abends 8 Uhr: „Fluch der Liebe", Lbensbild in vier Aufzügen von Weidenfeld. Mittwoch, den 9. August: ..Schabst Goilom", Lebensbild in vier Auszügen von Goldfaden. Donnerstag, den 10. August: Gordin-Abend: „Mirele Gfros", Lebensbild in vier Auszügen von Gordin.