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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-04 · 31 (4.8.1916) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 Tr. Bloch'S Wochenschrift Seite 513 Wie kann nun da von Persönlichkeit die Rede sein bei einem Menschen, dessen Tun und Treiben immer nach fremden Mustern zugeschnitten sein muß. und nicht Ausfluß des inneren Gehaltes einer eigenen freien und selbständigen Wesenheit ist. So ein Mensch wird etwas Unechtes; er ist nicht Fisch itnd nicht Fleisch, wie eine jüdische- Redensart treffend lautet. Gr ist kein Jude und nur ein Talmi-Arier. Jude will er nicht sein und Arier kann er nicht sein dem Wesen nach, trotz aller Kniffe der Anpassung, der Nachäffung. „Setz' , dir Perücken auf von Millionen Locken, setz' deinen Fuß auf ellenhohe Socken-, du bleibst doch immer, was du bist." Du bleibst doch der Jude, der du bist, wenn dtl dich auch mit arischen Farben bemalst. Die Vergewaltigung seiner Natur treibt der Jude oft so weit, daß er, um dem Arier ähnlich zu werden. selbst arische Untugenden annimmt oder heuchelt. Der jüdische Student, den: etwas ganz anderes.im Blute liegt, nimmt Saufsitten an; die jüdische Dame, der literarische Gespräche besser ianstehen würden, erzählt.Zotenwitze, tvenn es gerade in der guten Gesellschaft als „chic" gilt. Sv wenig Kern, so wenig Rückgrat haben diese Menschen, daß ihnen auch jedes selbständige Urteil mangelt. Wenn man derartige Juden in Gesellschaft um ihre Meinung befragt, schielen sie erst nach dem Arier hinüber, wie der etwa urteilen würde. So zeigt sich, daß durch den Uebevtritt zum Christentum und durch das damit verbundene Mimen der Rolle eines Ariers der Jude in erster Linie sich selbst den größten Schaden zufügt, indem er seine Persönlichkeit verliert und ein seelenloses, unfreies Wesen wird. Zu der Zerrissenheit, dem Unbefriedigtsein des modernen Menschen, gesellt sich bei ihm noch eine besondere Dissonanz hinzu, nämlich zeitlebens nie aus den Tiefen der eigenen Natur handeln zu können, sondern nur so, wie es die einmal übernommene Rolle vorschreibt. Durch diese Ausführungen kommen wir auch zur Beantwortung der Frage: Ist überhaupt ein Austritt aus dem Judentum möglich? Nein! Denn aus einer Rasse kann man nicht austreten. Cs steht gar nicht in der Macht eines Menschen, zu erklären: Bon morgen ab bin ich kein Jude mehr. Ebensowenig wie beispielsweise ein Deutscher, der für das Jtalienertum schwärmt, sagen tonnte, daß er von nun an ein echter Italiener sein werde. Und ähnlich wie vielen Deutschen alles Ausländische imponiert, so vielen Juden alles Arische. Damit haben wir überhaupt einen schwachen Punkt der jüdischen Psyche berührt: Die Unselbständigkeit des Urteilens und Denkens. Biele Juden sind von der Denkweise ihrer arischen Umgebung so beeinflußt, daß sie über sich selbst kein richtiges Urteil haben und daß ihre Selbsterkennt-' nis, wie H. St. Chamberlain sagt, mehr Sclbstschnähung ist. Diese Schwäche hat auch einen Mangel an Objektivität den Glaubensgenossen gegenüber zur Folge, durch die ein Jude von den anderen in arischer Gesellschaft oder in der Oeffentlichkeit viel härter und ungerechter beurteilt wird, als von christlicher Seite. Es ist beschämend, wie geringschätzig oft die Juden einander behandeln. Für den Salon der reichen Juden gelten sozial oder materiell unter ihnen Stehende nur dann als gesellschaftsfähig, wenn sie Arier sind. Irgendein arischer Jndustrieritter schäbigster Sorte, der als Jude von seinen begüterten Glaubensgenossen als „Schnorrer" behandelt wurde, findet sehr häufig dort offene Türen. Wie aber steht es um den Erfolg des Abtrünnigen, den die Taufe ihm im äußeren Leben bringt? Zunächst erhält er in beruflicher Beziehung tatsächlich die formellen Rechte, auf die der Besitzer eines Taufscheines Anspruch hat, wobei er aber bei sonst gleicher Qualifikation immer nach dem geborenen Christen rangiert, ou gesellschaftlicher Beziehung erreicht er in der Regel nicht mehr, als daß man jetzt von ihm nur noch als von dem „getauften Juden" spricht, anstatt ivie früher schlecht hin von dem „Juden". Es hat noch jeder die Erfahrung machen müssen, daß sich in der Stellungnahme der christlichen Gesellschaft zu ihm nicht viel ändert. Noch seinen Kindern und Enkeln, als Christen geboren, töui das Wort „Judenstämmling" entgegen. Es ließen sich Bücher mit Aussprüchen bedeutender Männer ausfüllen, die alle betonen, daß ihnen der seinem Glauben treue Jude sympathischer ist, als der getaufte. Aus der letzten Zeit wäre da nur auf die Antworten auf die Rund frage Werner Sombarts über das Thema „Judentaufen" hinzuweisen. Der christliche Berkehr der getauften Juden beschränkt sich meistens wieder nur auf Getaufte: aus eben diesen Kreisen muß notgedrungen häufig die Wahl des Ehegatten erfolgen. Diesen getauften Juden, die ja zeigen, daß sie auf ethische Werte so wenig (Gewicht legen und für religiöse Dinge nur Spott, bestenfalls seichten Skeptizismus haben, ist auch ihre neue Religion nur ein Mittet zu einem Zweck. Bon einem Verständnis der religiösen Lehren des Christentums, denen ja mystische Tatsachen zugrunde liegen, sind sie ebenso weit entfernt, wie von der richtigen Beurteilung der jüdischen Religion. Diese Pseudochristen bilden eigentlich eine dritte Konfession. Wenn man die Dinge genauer betrachtet, wird man zugeben, daß der praktische Gewinn, der einem Juden aus der Taufe erwächst, ein fraglicher ist. daß dagegen aber sein innerer Mensch aus das schwerste geschädigt wird. Mancher Tnuskandidat würde von seinem Borhaben abstehen, wenn er Sätze des Evangeliums tvie diesen richtig verstehen könnte: „Was Hilfe es dein Menschen, tvenn er die ganze Welt gewänne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Der Schreiber dieser Zeilen nimmt nicht den Stand - punkt ein, daß die Juden so wie sie sind für alle Zeiten bleiben sollen. Er ist sogar für eine teilweise Ausgabe der jüdischen Eigenart soweit nämlich die schlechten Eigenschaften in Frage kommen, die Jahrhunderte der Verfolgung unserer Rasse ausgeprägt haben. Aber er hält die Pflege und Fortentwicklung der guten, positiven jüdischen Eigenschaften für notwendig. Wenn der Versuch als wenig aussichtsvoll gezeigt wurde, den so ärgerlichen Geburtsfehler zu korrigieren, so soll dagegen ans einen anderen Weg hingewiesen werden, der unfehlbar aus dem Bereich der Demütigungen und Lästigkeiten heraussührt. Ein Weg, mit dem nicht gemeint ist eine äußerliche Anpassung, eine Uebertünchung,- Mimikry, sondern die Ueberwindung desjenigen, was schlecht ist in der jüdischen Eigenart, in der jüdischen Psyche. Das Judentum hat seine Daseinsberechtigung wie jede andere Volksindividualität. Denn zu dem Gesamtbild der Menschheit hat eben jedes Volk seine besonderen Züge beizutragen und das Judentum hat durch feine Zerstreuung über den ganzen Erdball die Mission, der Menschheit einen bestimmten Einschlag zu geben. Nur die von der Gesinnung des Tages ganz Beeinflußten, denen die Meinung und die Mode der Gesellschaft die höchste Instanz ist, können nicht verstehen, wie man heute, 7,im zwanzigsten Jahrhundert", einer so . überwundenen" Sache, tvie es das Judentum ist, noch an hängen kann. Sie wissen nicht, daß das Judentum heute noch lebensvollen Samen für die Religion und Kultur der Zukunft in sich birgt, und daß man es als Forde rung empfinden kann, im Judentum zu verbleiben, auch wenn man über dasselbe schon hinaus wäre.

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