Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-28 · 30 (28.7.1916) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022195-3022226--25278-3050572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mr. 30 Jahrgang XXX11I Dr. Bloch’s Zentraloroan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. Lentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. -- ■- QOC-" Wien, 28. Juli 1916 Brscbeint jeden FreLtng. Bries-Ad reffe: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O (j ■■ .— o O Bfjiijjaprciö fiir Vrst^rrrich: C* Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare f>0 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzc'.le 48 Heller. oO-- — .—X)n Otr- - - - ~D O p V. lr. p"lNuarlka>reiranit (s Lieartng-Verkcdr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien v U/1. Praterstraße 9. 'releVLiviL 45.359. oo — - ■ —o n Inhalt: Leitartikel: Die „Plntokratie" als Urheber des Weltkrieges. — Eine schmachvolle Fälschung der „Reichspvst". — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Neuerliche Auszeichnung. — Hohe Auszeichnung eines Feldrabbiners. — Mit der silbernen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet. — Leutnant Emmerich Biro. — Jüdische Familien im Felde. — Kaiserliches Geschenk. — Dem Vater von sieben Söhnen. — Auszeichnung vom Roten Kreuz. — Ans dem Felde der Ehre gefallen. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Wohlverdiente Anerkennung. — Gefallene jüdische Helden im jüdischen Friedhose von Ungvar. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Ein Jude ans dem Handelstauchboot „Deutschland". — Gobineau und Chamberlain. Kulturarbeit im Osten. — Staatssekretär Helfferich in einer jüdischen Chederschule. — Einführung des Oberrabbiners in Straffburg. > Frauen als Grabredner. — Korrespondenzen: 200 verlassene öst.rr.-ungar. Kriegswaiseu in Safed. — Aufruf! — Hilferuf! Aufruf! — Marienbad. — London. — Aus einer russisch-jüdischen Kolonie. — Vermischtes. — Feuilleton: Die verbrannte Stadt. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Me „Plutokratie" als Urhrker des Weltkrieges. (Eine Enthüllung der „Reichspvst".) II. In einem Aufsatz der „C h r i st l. W e l t" bezeichn net der Pfarrer Reinhold Planck als tiefste Ursache des modernen Nebels den; ,, b l in ben Rassenstolz, der wie aller blinder Hochmut, nichts ist als die grundsätzliche, maßlose Selbstüber- Hebung des natürlichen, von keinerlei Selbsterkenntnis angehauchten und deshelb im ungetrübten Glanze seiner Lollbedeutung sich spiegelnden und unbändig sich darin gefallenen jungen Menschen." Und er schließt mit den kernigen Worten: ,,Alle Ungeheuer der Welt sind zu sättigen, unersättlich ist nur der Mensch, der sich selbst zum Gott macht und. weil er das Wort doch nicht haben will, seine Nation vergöttert. Solcher Schwindel ist abgrundtief und also unersättlich wie die H ö l l e." Der Chauvinismus verhält sich zur edlen nationalen Begeisterung wie der ordinäre Fusel zu einem edlen Rebensaft; wer sich an dem Fusel berauscht, verliert die Besinnung und schädigt im Wahnwitz das eigene Bolkstum. Friedrich Naumann klagt über die Hetze der Musterdeutschen gegen den Reichskanzler: „Man läßt den Kapitän in Ruhe, der oben aus seiner Schiffsbrücke steht; man stößt den Chauffeur nicht, während das Anw schwere Kurven fährt; man drängelt sich nicht an den Arzt, der operiert; man - hat Achtung vor jeder verantwortungsvollen, gefährlichen Arbeit, aber der verantwortliche Reichskanzler wird mit allen Mitteln einer kleinen, bösen Agitation gereizt und gestört, jetzt mitten im Kriege!" Als Antwort darauf notiert die „Ostdeutsche Rundschau" (22. Juli) „die Nachricht, daß der Reichskanzler B e t h - mann selbst im Drange dieser Kriegstage die geistige Muße gesunden habe, ein Werk über den Philosophen M o s e s Mendel s s o h n zu vollenden. . .", und fügt hinzu: „Na also — wohl bekomm's!" ' Männer von der Geistesrichtung der Rassenfanatiker, die Träger des chauvinistischen Gedankens, sind in Cng laiid gerade die Haupthetzer gegen alles Deutsche. Mit welchen Mitteln der Verleumdung, der schleichenden Verdächtigung, der Jntrigne gearbeitet wird, dafür liefert das bekannte Hetzblatt „John Bull" ein lehrreiches Beispiel: „Wenn es in England nicht ganz gut stehe, so komme das nur davon, daß es in England noch so viele Deutsche und M i schlinge halb deutschen Blutes gebe. Diese Bande ruiniere England, und an Berrätern dürste es unter ihnen auch nicht fehlen. Wenn man genau zusähe, so säßen in allen Negierungsämtern Beamte „teutonischen" Ursprungs oder mit „teutonischen" Familienbezirhungen. Sogar im Kriegsministerium sei unter anderen wichtigen Posten derjenige eines Privatsekretärs ini Sekretariat des Kriegsministeriums mit einem Manne deutschen Namens besetzt. Das Gleiche gelte von dem Vizedirektor der Luftfahrerabteilung. Im ganzen gebe es im K r i e g s m i n i st e - xiurn sieben Herren mit deutschen N ame n, dazu leider noch sieben in der Admiralität, und zwar hier wie dort führende Beamte — ausgerechnet — im Artilleriewesen, ebenso ein deutschnamiger höherer Beamter mit einem deutschnamigen Assistenten in der Luftfahrerabteilung (der Admiralität). Selbst im Auswärtigen Amt sitzen zwei Deutschn a m i g e, darunter der Bibliothekar, der (wie John Bull brüllt) ungehinderten Zugang zu allen möglichen Aktenstücken der englischen Politik hat. Weiter gebe es Deutschnamige im Ministerium des Innern, im Handelsministerium (einer davon sei der oberste Jnspektionsbeamte der Eisenbahnen!!), im Schatzamt, im Kolonialministerium, im Unterrichtsministerium. Zu diesen kämen noch einige andere höhere Beamte, wie der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, seinerzeit zweiter Vertreter Englands auf der zweiten Friedenskonferenz und der Londoner Seerechtskonferenz, der der Enkel eines Deutschen und mit der Tochter eines deutschen Professors verheiratet sei." Cs ist bei alledem nur wunderbar, daß „John Bull" nicht n o ch höher hinaufgegangen ist. Denn der „K i n g" ist der Enkel eines reindeutschen Prinzen, und man sagt, daß sein Akzent seine deutsche Abstammung verrät, während die,-,Q u e e n" aus Württemberg stammt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.