Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 486 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr 23 Seniormitglied einer sehr angesehenen AdvokaLenfirma, ist der Rechtsbeistand der „Merchants' Association", einer der einflußreichsten kaufmännischen Verbände Amerikas, und steht an der Spitz" mehrerer jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen; er ist auch der Verfasser eines juristischen Werkes. Das Interesse, das seine Ernennung zum Botschafter in Konstantinopel einflößen würde, beruht also weniger auf seiner Persönlichkeit, als auf dem parteipolitischen und wahlrechnerischen Hintergründe, von dem sie sich charakteristisch abhebt. Der englische Lord-Oberrichter an Louis D. Brande is. Viscount Reading (Sir Jsaacs Mufus). vor der Umwandlung des englischen Kabinetts englischer Minister, hat anläßlich der Ernennung von L. D. B r a n d e i s zum Mitglied des Obersten Gerichtshofes in den Vereinigten Staaten folgendes Kabel an den „American Hebrew" gerichtet: „Die Mitgliedschaft im Obersten Gerichtshöfe der Vereinigten Staaten ist eine der größten Auszeichnungen, die es in der juristischen Welt gibt, und ich beglückwünsche meinen neuen Amtskollegen aufs herzlichste. R e a d i n g, Lord-Oberrichter von England." ° Opferwilligkeit in den ärmsten jüdischen Kreisen. Die blutarmen ostjüdischen Einwohner Londons haben 50.000 Pfund gesammelt, um ihren Brüdern in Rußland, die durch den Krieg alles verloren haben, zu Helsen. Es ist dies fast die Hälfte des Betrages, beit man zu gleichen Zwecken in ganz Großbritannien — die Millionärsviertel eingeschlossen — aufgebracht hat. In Sasfed hat der österreichische Konsularagent C. L. Miklasiewicz eine Sammlung für das Rote Kreuz veranstaltet. Die jüdische Kolonie in Sasfed, trotzdem sie sich) in sehr bedrängter Lage befindet,'beteiligte sich an dieser Sammlung mit 500 Kronen. Die Gesellschaft vom Roten Kreuz quittierte diese Spende mit nachstehendem Dankschreiben: „An die verehrliche jüdische Kolonie, Sasfed. Die Bundesleitung beehrt sich für die der Oesterr. Gesellschaft vom Roten Kreuz in so hochherziger Weise gewidmete außergewöhnliche hohe Spende von 500 Kr. den wärmsten und tiefgefühltesten Dank auszusprechen, und bittet, insbesondere ihren Dank auch den einzelnen so opferfreudigen Spendern zu übermitteln." Gewitsch. Am 11. und 12. d. M. kamen zirka 300 galizische jüdische Flüchtlinge in leider mehr oder weniger elendem Zustande in unsere Stadt an. Die Unterbringung, Verpflegung und Versorgung dieser Bedauernswcrten übernahm in wahrhaft humaner Weise Se. Ehrw. Rabbiner Dr. I. K o h n, der ihnen in jeder Beziehung mit Rat und Tat zur Seite stand. Einstweilen sei ihm für dieses Gotteswerk der innigste Dank auf diesem Wege von den hiesigen Einwohnern dargebracht. M.-Budwitz. Die behördliche Verfügung hat hieher und in die Umgebung über 200 jüdische Kriegs-! slüchtlinge gebracht, welche bei ihrer Ankunft vom hiesigen k. k. Bezirkshauptmann, dem Israel. Vereinsvorsteher, dem Vorstand des israel. Frauenhilfsvereines und den Damen vom Labedienste empfangen und gleich am Perron des Bahnhofes reichlich bewirtet wurden. Es war rührend zu sehen, wie alles, ohne Unterschied des Glaubens, vom tiefsten Mitleid erfüllt, um diese so schwer Betroffenen in jeder Hinsicht bemüht war, ihr hartes Los zu lindern. Besonders dankenswert ist es, daß von seiten der Behörde und der Stadtgemeinde für deren Wohnungsbedürfnisse befriedigend gesorgt wurde und die hiesigen jüdischen Einwohner zu den größten Opfern 'bereit sind. Die Herren Kultusvorsteher Max Friedmnd Wilhelm Pächter haben sich um die hart Betroffenen sehr bemüht und nächst den Damen des Frauenhilfsvereines besonders verdient gemacht. Prag. Das Programm des hiesigen k. k. Staatsgymnasiums in der Stephansgasse bringt unter der Rubrik „XI. Chronik der Anstalt" nachstehende Abschiedsworte an den mit Ende Oktober 1915 in den bleibenden Ruhestand getretenen k. k. Professor Dr. Kisch: „Mit hohem Ministerialerlasse vow >14. Oktober 1915, Z. 11080, wurde Herr Professor Dr. A. Kisch in den bleibenden Ruhestand versetzt. Mit Herrn Professor Dr. Kisch, der seit dem Jahre 1887 an unserer Anstalt als israelitischer Religionslehrer tätig war, scheidet ein verdienstvolles Mitglied aus dem Lehrkörper, das diesem zur Zierde gereichte. Er war stets ein aufrichtiger Freund der ihm zur Erziehung anvertrauten Jugend, die er durch Be-. lehrnng und durch sein vorbildliches Beispiel zu Gottesfurcht, Patriotismus und zu jener währen Menschenliebe heranzubilden bestrebt war, die frei von jeglicher Selbstsucht, jederzeit sich hilfsbereit erweist und im Nächsten nur den Menschenbruder sieht und achtet, nach dem Dichterworte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Darum bewahren ihm Kollegen und Schüler die dankbarste Erinnerung. Professor Dr. Kisch war auch literarisch vielfach tätig. Seine Aufsätze behandeln Themen auf dem Gebiete der jüdisch-theologischen Wissenschaft, in welcher er Hervorragendes leistete; auch edierte er verschiedene Schriften. Allerhöchstenorts wurde sein Wirken durch allergnädigste Verleihung des goldenen Berdienstkreuzes mit der Krone und des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens gewürdigt. Die israelitische Kultusgemeinde in Prag, die ihn 1886 zum Gemeinderabbiner ernannt hat, und in welcher er als Prediger an der altehrwürdigen Meiselsynagoge und als Militärseelsorger wirkte, betraute ihn mit der Inspektion an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen Prags. Anläßlich seines Scheidens aus dem Lehramte wurde ihm die belobende Anerkennung des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht durch den k. k. Landesschulrat ausgedrückt. Möge er sich nach segensreich vollendeter Lehrtätigkeit noch viele Jahre in ungeschwächter Gesundheit seines Ruhestandes freuen." Preßbura. Der israelitische Volksküchenverein. der vor 25 Jahren über Anregung des Philanthropen Israel Weiner ins Leben gerufen wurde, beging sein 25 jähriges Jubiläum. Der vor kurzem erschienene Jahresausweis bringt über die segensreiche Wirksamkeit des Vereines statistische Mitteilungen, wonach beispielsweise in den Jahren 1914 und 1915 allein an Gemüseportionen mehr als je 200.000 verabreicht wurden. Das Bemerkenswerteste aber dürfte der geradezu verblüffend billige Speisentarif sein: 1 Suppe 4 HI 1 Gemüse 4 H. - 4 Mehlspeise 12 H., Brot 4 H., eine ganze Mahlzeit also 24 §>.; vwhl ein in der Monarchie bisher alleinstehender Billigkeitsrekord — allerdings Fleisch konnte und kann während der Kriegsnot überhaupt nicht mehr verabreicht werden. Das Jubiläumsfest wurde feierlich begangen, indem dem Obmann Herrn Ludwig Wiener in Form eines dekorativ ausgestatteten, gerahmten Ehrendiploms der Dank des Vereines zum Ausdruck gebracht und er ersucht wurde, auch für die Zukunft so eifrig und erfolgreich wie bisher mitzuwirken. Als Sprecher der Direktionsabordnung fungierte Herr Buchhändler Hermann Steiner, der seit 25 Jahren als Vereinsschriftführer tätig ist. Das Diplom hatten nachstehende Direktionsmitglieder unterzeichnet: Herr Joses-Herzog als Ob-