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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28 Dr.. Bloch's Wochenschrift Sette 471 Krone verliehen, während Hein Zweiter.Sohn, Herr Richard M o s c r, als k. k. Oberleutnant im 6. Landwehr-Ulanenment im Felde steht und mit dem Signum laudis aus-, gezeichnet wurde. Kolin. Freitag, den 23. Juni, kamen nach Humpolec (Böhmen) viele jüdische Flüchtlinge in beklagenswertein Zustande. Dieselben tvurden zuerst in der Stadt seitens der Firma Brüder Beck mit Brot und Kaffee versorgt; auch die Damen beteiligten sich bei der Ausfpeifnng der Armen. Sodann wurden die Flüchtlinge in nahe Dörfer und Ouartiere gegeben, lvo es der katholische Pfarrer Milo Zuruba aus Jrice bei Humpolec war, der dafür sorgte, daß dieselben gute Wohnungen, Holz, Kartoffeln und alles Nötige bekamen. Dem edlen Priester sei hiermit Dank gesagt. Lemberg. (Z u r Rabbi n e r frag e.) Die in der Nummer vom 30. Juni enthaltene Notiz über die Besetzung der in unserer Gemeinde vakanten Rabbinerstellen, die konforme Notizen im „Lemberger Tagblntt" und in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" entsprechen, beruht auf teilweise unrichtigen Informationen. Die seit Kriegsbeginn zutage getretene, gegenwärtig leider infolge verschiedener Umstände auf die Spitze getriebene Desorganisation in der Verwaltung der Gemeinde läßt es als selbstredend erscheinen, daß dieser einigermaßen heiklen, ruhige Ucberlegnng erfordernden Frage von.irgendwie maßgebender und berufener Seite nicht nähergetreten wurde. Persönliche Sympathien und Antipathien dieser oder jener Gruppe von Gemeindemitgliedern am KasfeehanStische müssen vorläufig zurücktreten. Bei aller Sympathie für die Person des Rabbiners S ch m e l k e s erscheint die Frist seit dem Tode des Rabbiners B a b a d so kurz, daß die Frage seines Nachfolgers vorläufig noch nicht spruchreif ist. Was den vakanten Posten des sel. Rabbiners Dr. Caro betrifft, so sei zunächst festgestellt, daß es sich hier keineswegs um die Besetzung eines Oberrabbinates handelt. Ein solches hat es in Lemberg im Hinblicke auf die Gegensätze zwischen Orthodoxie und Fortschritt nie gegeben. Das Gemeindestatut kennt augenblicklich zwei fortschrittliche Seelsorger, von denen der eine bcu Titel „Gemeinderabbiner", der andere den eines <2ynagogenrabbiners führt, welch letzterer in der Person deS Rabbiners Dr. G u t t m a lt n seit der Erkrankung des verstorbenen Gemeinderabbiners die Agenden der fortschrittlichen Seelsorge leitet. Beide Rabbiner gelten dem Publikum gegenüber als selbständige, zur Verletzung der Kasualien und Abhaltung der Predigten gleichmäßig berufene Funktionäre. Die Besetzung dieses vakanten Postens ist bis zur völligen Konsolidierung der Gemeindeverhültnisse, jedenfalls bis zum Ende Krieges, pertagt worden. — Soviel zur Aufklärung! B . . . . Tragödie eines hebräischen Lehrers. In Lemberg lebte, unbeachtet voll der breiten Oeffentlichkeit, ein Idealist, dessen Lebenswandel beinahe dem eines Diogenes zu vergleichen war. Bedürfnislos und bescheiden bis zum Extrem, lebte er seinem Ideal, der hebräischen Sprache und Literatur, aber auch allem, was das Judentum bewegte. Wer Jsak Schwarz, so hieß das physisch verkrüppelte Männchen, mit einem Bücherstoß unter dem Arm von Schüler zu Schüler dahinwandern sah, mochte vielleicht nicht ahnen, lvelch vornehme Seele, welch ein moderner Geist in dieser unscheinbaren Hülle wohnte. Er stand in seiner Jugend an der Wiege der nationaljüdischen Bewegung, wo sie im Lemberger Verein „Zion" heranreifte, und gehörte damals zu ihren eifrigsten Mitarbeitern. Als jedoch die Idee populärer wurde und Tausende ergriff, da zog sich diese keusche Natur zurück, um sich einzig der jüdisch-wissenschaftlichen Arbeit zu widmen. Er, der die hebräische Sprache glänzend meisterte, lvard nun zum Lehrmeister der jüngeren Generation. Der Krieg stieß ihn aus seinem bescheidellell Existenzmilieu heraus. Es kam die Invasion. Zu stolz, um jemand um Hilfe anzugehen, hat er zwei Jahre lang Hunger und Entbehrung gelitten und, scheinbar in einem Anfalle von Geistesstörung, am 4. Juli seinein Dasein ein vorzeitiges Ende bereitet. Ehre seinem Angedenken! B. . . . Prof. Albert Frankel. In Berlin ist Donnerstag, den 6. d. M.,- Professor Albert Fränkel im Alter von 68 Jahren gestorben, lieber ihn schreibt das „Berliner Tageblatt": Er gehörte zu den hervorragendsten inneren Klinikern, und es waren selbstverständlich nicht seine Leistungen der Grund, weshalb er kein Ordinariat an einer Universität erhielt. Er hätte jeder Fakultät zur Zierde gereicht. Seine Bedeutung lag vor allein in der Beherrschung der diagnostischen Methoden, und zwar hat er den Grund dazu gelegt durch sorgfältige Pflege der experimentellen Pathologie. Die erste Anregung dazu empfing er an der Berliner Charitä unter feinem Onkel und Lehrer Traube; von dessen „Beiträgen zur Pathologie und Physiologie" gab er 1878 den dritten Band heraus und bekundete damit feine Beherrschung dieses für die klinische Medizin wichtigen Gebietes. Derselben Richtung, die physiologischen Gesetze in den krankhaften Erscheinungen klarzulegen, ist er später stets treu geblieben, und er hat insbesondere in seinem großen Werk „Pathologie der Krankheiten des Respirationsapparates" ein diagnostisch wie symptomatologifch gleich wertvolles Material in diesem Sinne verarbeitet. Seit 1876 als Assistent Ernst v. Leydens an der erstell medizinischen Klinik und seit 1877 als Privatdozent an der hiesigen Universität - - nicht einmal bis zum Extraordinarius konnte er hier gelangen hat er lehrend und forschend eine überaus fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Diese seine Eigenschaften fanden wenigstens in der 1890 erfolgten Ernennung zum Direktor der inneren Abteilung des Urbankrankenhauses Anerkennung. Irr dieser Stellung hat er fast alle Gebiete der inneren Medizin gefördert. Er hat die Beziehungen der Sauerstoffzufuhr zum Eiweißzerfall, die Kohlensäureausscheidung im Fieber, die Arteriosklerose, Brustfellentzündung bearbeitet. Bon seinen zahllosen Veröffentlichungen und Borträgen, meist im Verein für innere Medizill, auf dem Kongreß für innere Medizin und irr der Berliner medizinischen Gesellschaft, seien genannt die über -.akute Leukämie", über „indurative Lungenentzündung", über „Bronchialasthma", .Mifchinfekt'on bei Tuberkulose", über .^Aortenaneurysmen", über ..Tuberkulinanwendung", über „Brusthöhlengeschwülste", über den „tuberkulösen Hirnabszeß". Bor allem verdanken wir ihm die Auffindung des Erregers der Lungenentzündung: er hat in feinen „Bakteriologischen Mitteilungen über die Aetiologie der Pneumonie" die näheren Angaben niedergelegt und gleichzeitig eine sorgfältige Mikrobiologie der Pneumoniekokken gegeben. Die meisten seiner Abhandlungen sind in der „Zeitschrift für klinische Medizin", den „Charitäannalen", der Deutschen medizinischen und Berliner klinischen Wochenschrift erschienen.

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