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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 465 gespielt hat, nahm von dorther den Anlauf zu einem Leben, das sich segensreich und ruhmvoll gestalten sollte. Hierauf bezog A. Schwarz die Universität zu Wien, an der er hauptsächlich philosophische Disziplinen trieb; gleichzeitig aber besuchte er anl Wiener Bet-Ha- Midrasch die rabbinischen Vorlesungen von A. Jellinek und I. H. Weiß, zweier Größen der jüdischen 'Wissenschaft, bei denen er seine rabbinischen Kenntnisse nur vertiefen konnte. Von 1867—1878 war er Hörer des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau, wo er sich durch sein Wissen, durch einen frommen Lebenswandel und nicht zuletzt durch sein liebenswürdiges Benehmen Zit einem Vorzugs- und Lieblingsschüler des sel. Direktor Dr. Z. F ranket aufschwang. Frankel meinte auch nicht anders, als daß Schwarz sein Nachfolger im Lehramte werden müsse, doch wurde das, wie es scheint, von einer gewissen Seite hintertrieben und desgleichen blieb auch eine ehrenvolle Berufung an die im Jahre 1877 eröffuete Landesrabbinerschule in Budapest ohne Wirkung, so daß Schwarz einstweilen auf die rabbinische Laufbahn gedrängt wurde. Er kam als „Stadtititb Konferenzrabbiner" nach Karlsruhe, wo er volle achtzehn Jahre segensreich wirkte und sich auch der Gunst der Landesbehörden und selbst des Großherzogs erfreuen durfte. Für Schwarz war aber das Rabbineramt keineswegs eine Entgleisung, sondern ein sein Leben völlig ansfüllender Beruf, dem er mit Leib und Seele anhing. Mit schönem Organ begabt und ein Meister des Wortes, der aus dem tiefen Born seines Wissens immer wieder die echten Perlen der alten, von unserem Volke noch immer gut gelittenen Derasch-Methode hervorholen konnte, war er ein gefeierter Kanzelredner, der ebenso auf das Gemüt wie auf den Verstand seiner Gemeinde einwirken konnte. Wie hoch er gerade diese Seite der Wirksamkeit eines Rabbiners anschlug, beweist nichts so sehr, als die zahlreichen, sorgfältig ausgearbeiteten Predigten, d'e von ihm in Druck erschienen sind. Ihre Zahl beläuft sich auf einige hundert. Sie liegen teils in Sammlungen, Sabbat- und Festpredigten enthaltend, teils in Rahmers Predigtmagaziu, ganz besonders aber in vielen Einzelstücken vor; letztere sind zumeist Kasualien, die wohl für alle Beteiligten Denkmäler von bleibendein Werte darstellen. 1893 wurde Schwarz als Rektor an die damals erössuete israel.-theol. Lehranstalt zn Wie n berufen, in welcher Eigenschaft er noch heute, seit nahezu 25 Jahren, int Vollbesitze seiner körperlichen und geistigen Kräfte, segensreich uurft. Er leitet die ihm unterstellte Lehranstalt, völlig im Geiste seines von ihm so tief verehrten Lehrers Z. Frankel, in Glaubenssachen konservativ, in der Wissenschaft tiefgründig, mit forschendem Sinne. Sein Fach bildet namentlich der Talmudunterricht, den er nach bewahrtem Muster in der ihm Ankommenden Geistesschärfe, mit kritischer Sichtung und Abwägung der Quellen, dabei dennoch auch die Ausläufer berücksichtigend, versieht; ein plattes Durchgehen oder eine Verwässerung des 'Stoffes ist ihm zuwider. An einer Rabbinerschule, deren Schüler sich zumeist aus dem uoch immer in erfreulicher Weise talmudstarken Galizien rekrutieren, ist die eindringliche Art der Handhabung des Talmuds, wie sie Schlvärz betreibt, gewiß ant Platze. In seiner' Hand liegt auch die Anleitung zur Homiletik, und nach dem, was wir bereits ausgesührt Haben, liegt sie in einer sehr glücklichen Hand. Auch^die publizistisch-wissenschaftliche Tätigkeit Rektors A. Schwarz liegt hauptsächlich auf talmudischem Gebiete. Hier ist er souveräner Herrscher, dem keine Aufgabe zu schwer, kein Abgrund zu tief ist. Noch aus seiner Breslauer Studienzeit stammt die preisgekrönte Schrift: „Der jüdische Kalender, historisch und astronomisch untersucht" (1872). Davon und von der Schrift: „Der Mischneh Thora, ein System der mosaisch-talmudischen Gesetzeslehre" (1905) abgesehen, ist alles, was von Schwarz an größeren wissenschaftlichen Werken erschienen ist, durchaus rein talmudische Forschung im besten Sinne des Wortes. Zwei Gebiete sind es, die Schwarz besonders fleißig pflegt: die Tosiftha und die hermeneutischen Regeln der mündlichen Lehre. Die Tosiftha ist nach Schwarz, in Uebereinstiminung mit der alten und auch miL der Frankelschen Schule, bloß eine ergänzende und nachträgliche Sammlung der Halachoth neben der Mischna, ergänzend und nachträglich insoferne, als der Redaktor der Mischna bekanntlich vielen ihm überflüssig scheinenden halachischen Stoff aus der Mischna ausschloß, der aber gleich« wohl den anderen nicht bloß der Erhaltung, sondern auch des Studiums wert schien und darum nach Tunlichkeit gesammelt wurde. Um handgreiflich darzutun, daß die Tosiftha nur so nebenher mit der Mischna mitläuft, hat sich S ch w a r z der Mühe unterzogen, den Stoff der Tosiftha nach jenem der Mischna zu ordnen und umzustellen, zu welchem Behufe er nun viele Traktate bereits neu ediert hat und andere mit Gottes Hiljle noch edieren wird. D.en Text begleitet er in allen seineil Ausgaben mit einem lichtvollen Kommentar, der geeignet ist, das Verständnis des überlieferten Textes herbeizuführen und den Schwarz'schen Standpunkt zu rechtfertigen. Gegen die umstürzlerische These Zuckerman dels, der der Tosiftha einen Vorrang vor der Mischna einräumt, ist Schwarz in zahlreichen Arbeiteil aufgetreten. Bahnbrechend sind die Arbeiten Schwarz' in der Erforschung der hermeneutischen Regelil der mündlichen Lehre. Es find das die bekannten Regeln, auf denen sich die Schriftsolgerungen der Talmudlehrer gründen, von denen Schwarz zeigt, daß sie, weit entfernt, etwas Willkürliches oder Gezwungenes zu fein, die Folgen von rein logischen Funktionen sind. In diesem Belange mußte Schlvärz nicht nur die unzulänglichen und irrtümlichen Auslegungen der Späteren teils bemängeln, teils zurückweisen, sondern die Regeln selbst gegen die Väter der talmudischen Tradition in Schutz nehmen, indem er auch bei ihnen aus Mißverständnisse und falsche Anwen düng stieß. Die Kühnheit, mit der er das tat. ist ge rade bei ihm, dem warmen Verehrer und konservativen Lehrer des Talmud, von großem Werte und demzufolge eine Errungenschaft unserer Zeit. In dieser Weise hat Schwarz bereits bearbeitet: die hermeneutische Analogie, den hermeneutischen Syllogismus, die hermenentische Induktion und die hermeneutische Antinomie in der talmndischen Literatur, und bald lverden wir eine fernere Frucht seines Geistes auf diesem Felde reifen sehen. Noch ist das Lebensiverk Rektors A. Schlvärz nicht abgeschlossen, noch lvirkt er mit ungebrochener und un verminderter Kraft weiter sowohl im Lehramte als auch auf dem Felde der Wissenschaft. Eine stattliche Zahl von Schülern verehrt in ihm den Meister, dem sie Belehrung im Lebensberuf, Stärkung in der Religion, hilfreiche Unterstützung in allen Nöten des Lebens, dem sie ihr alles verdanken, und noch hängen auch gegen lvärtig zahlreiche wißbegierige Jünglinge an dem Aus sprüchen .seines Mundes, und Generationen von neuen Jünglingen rverden kommen und werden sich an der alten, aber frisch sprudelnden Quelle stärken und laben. Auch den Ausbau der begonnenen wissenschaftlichen Werke haben wir noch von der Zukunft zu erwarten, die Bearbeitung der ganzen Tosiftha, die Erforschung der lloch ausstehenden hermeneutisch.m Regeln, Arbeiten, zu

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