Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 26 Jahrgang XXXIII Zentralorgan für Me gesamten Ifnteressen des Judentums. Sic«, 30. Jimi 1916 Lrs<Delnl zeden Freitag. Bries-Adceffe: Wien, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. Oü- — p K. k. Nostsparkassenamt Sleartng-Verkedr Mr. öto.976. Redaktion und Administration: Wien v H/1. Praterstraße 9. l, 1?e1epIxoi» 45.359. oP- -- -On Oo-— OO Vrrrrgspreis für Vefkereeirli: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 5O Heller. Für das Ausland: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gefpal tene Petitze.le 48 Heller. _ O O- -O ö G Zuhalt: Leitartikel: Neueste Zerklüftungeu des Menschengeschlechtes. —Der gesnilgene Religionsunterricht. — Kriegsdekoratiouen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnung. — Galizische Inden im Dienste des Paterlandes. — Wie gugsjührer Leo Weiner sich die „Goldene" erwarb. — Zum zweiten Male ausgezeichnet. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Prof. Hermann Gunkel in Gießen über Israel als Heldenvolk. — Asfaire Dreyfus. — Englische Fliegeroffiziere. — Lord Rothschild. — Lnzzatti. — Korrespondenzen: Eine neue Erwerbsquelle für die jüdische Bevölkerung Galiziens. — Ein Schuß mit der Spiel- Pistole. — Regierungsrat Prof. Kornitzer. — Wien. — Aufruf! — Ein Erholungsheim für israelisische Kriegswaisen in Marienbad. — Lemberg. — Rabbiiieraufsicht über die israelitische Stiftungen. — Jerusalem. — Vermischtes. — Feuilleton: Zur Geschichte der Familie Kuh — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Neueste Zerlrliiftmigc» des Menschengeschlechts. Von Eeheimrat Ed. König in Bonn. Einer der glänzendsten Charakterzüge der hebräischen Geschichtsschreibung, die ja neuerdings auch von einem Kenner wie Ed. M e y e r iit seiner Geschichte des Altertums (I, 1, § 131) neben die griechische gestellt worden ist, liegt unstreitig darin, daß aus ihren Blättern zuerst die Idee einer allgemeinen Geschichte des Menschengeschlechts zum Ausdruck gebracht worden ist. Denn in diesen Geschichtsbüchern ist nicht nnr der einheitliche Ausgangspunkt der Menschheit auf die deutlichste Weise ausgesprochen, sondern sie weisen auch, schon in einer ältesten Hauptschicht mit den ausdrücklichsten Wortell aus das einheitliche Endziel aller Geschlechter des Erdbodens hin (1. Mos. 12, 3). So aber sind in diesen Geschichtsbüchern die Grundzüge einer Universalgeschichte des Menschengeschlechts eher zutage getreten, als sogar in der griechischen Literatur. Denn was bei den Hebräern nach meiner literarkritischen Ansicht lvenigstens schon in dem geistig angeregten Zeitalter Salomos schriftlich fixiert-worden ist, das ist. wie Adalb. Merx aus dem Internationalen Orientalistenkongreß zu Hamburg dargelegt hat, bei den Griechen erst in der pseudoaristotelischen Schrift „Von der Welt" zum Ausdruck gebracht worden. Aber während gerade bei den Hebräern dieser weit- und hochstrebende Blick der Geschichtsschreibung auf die Menschheit am frühesten und hellsten aufleuchtete, ist eben iit bezug aus dieses Volk neuerdings mehr als ein Versuch gemacht worden, die Einheit des Menschengeschlechts zu zersplittern und seine Glieder einander zu entfremden. Worin aber bestehen diese Versuche? I. Der eine von diesen Versuchen ist sehr bekannt. Einige fingen an, die Rassen des Menschengeschlechts nicht bloß theoretisch zu studieren, was selbstverständlich eine Ausgabe der Wissenschaft ist, sondern bei diesem Studium so zu verfahren, daß es kulturgeschichtlich ausgebentet werden konnte. Denn es war ihnen nicht genug, von den wirklichen bekannten Menschenrassen iden Kaukasiern, den Negern usw. > zu sprechen, sondern sie, übertragen den Begriff „Rasse" auch auf einzelne Abteilungen der Kaukasier, also die Judogermanen looer „Arier"), die Semiten, die Aegypter. Nubier, Be wer usw. So hatten sie ein laut schallendes Schlagwort gewonnen, indem sie nun vom „Rassen"-Unterschied der „Arier" und der „Semiten" sprechen konnten. Aber diese falsche Einengung des Begriffs „Rasse" war noch nicht die Hauptsache. Diese liegt vielmehr darin, daß man auch ansing, die Stellung dieser neugeschaffenen Rassen, kurz gesagt, zur Äultursähigkeit und Kulturförderung neu zu konstruieren. Fassen wir also diese beiden Bestrebungen der neuen Rassentheoretiker der Reihe nach ins Auge! 1. Was den erfteren Punkt betrifft, so wird die Frage nach der Kultur f ä h i g c e i t der wirklichen und angeblichen Menschenrassen hier nicht vollständig aufgerollt werden dürfen. Es genügt aber auch. schau, über die allgemeine Seite dieses Themas folgendes gesagt zu Haben. Hat man bei Tieren und auch nur bei Affen jemals den Gebrauch des Feuers beobachtet? Aber wo immer Spuren von Menscheneristenz entdeckt worden sind, wie z. B. in der nordspanischen Höhle von Altamira, da finden wir auch „Herdfeuerreste" l Spiegelmann, Altamira 1910, S. 8». Ferner sind auch die eingehendsten Untersuchungen des Gehirn? von' Süd'ee Insulanern nicht imstande gewesen, auch nur den geringsten Unterschied zwischen dem Gehirn desselben und dem von Europäern nachzuweisen jvergl. weiter iu dem eindringenden Werke von Friede. Herb, Rasse und Kultur 1914, 2. 55s.>. Sodann steht es ja deutlich vor Augen, daß die Befähigung von Indianern uns Negern