Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 424 Tr. Vlvch'6 Wochcnschrisl Nr. 25 söitlicher Liebenswürdigkeit verband er einen Humor, der oft .'auch ,boshaft sein Eonnte. jLern Gebiet war die Theakertritik und die lokale Plauderei. Leine reiche Erfahrung und seine Beziehungen zum Theater verliehen ihm eine große Treffsicherheit des Urteils, für welches er stets eine leichte, anmutige Form fand. Landesberg zeichnete sich auch als Theaterschriftsteller aus. Von ihm wurde eine Anzahl von Operettenbüchcrn, unter denen das erfolgreichste das von Reinhardt komponierte „Süße Mädel" blieb. Lehr gern gelesen wurden seine „Lokalzugstudien" und die Plaudereien aus dem ,, Souffleurkasten", die er durch viele Jahre in einem 'Wiener Wochenblatt veröffentlichte. In beiden zeichnete ec sich durch seinen, die Dinge treffenden Witz aus. Landesberg wurde am 15. Juli 1848 zu Großwardein in Ungarn geboren. Früh widmete er sich der Publizistik und gehörte zuerst dem Redaktionsverbaude des „Neuen Pester Journals" an. Ein Jahr später kam er nach Wien, wirkte zuerst als Mitglied der „Tagespresse" und gehörte durch eiil Biertcljahrhundert der „Oesterreichischen Volks,zeitung" an. Land e s b e r g konnte sich manches schönen Erfolges freuen. Leinen Bcrufsgcnosfen war er ein lieber, stets hilfsbereiter Kollege. Die Ernennung zun; Ehrenmitgliede der „Concordia" war ein Beweis der hohen Wertschätzung, die ihm zuteil wurde. Juda Birnbaum. Das Krakauer Judeutum hat einen schweren'Verlust erlitten durch den Heimgang des allgemein bekannten und hochgeachteten Herrn Juda B i r n b a u nr, der im 86. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen nn;rde. Der Verewigte ivar ein treuer Lohn des Judentums, der mit aufrichtiger Frömmigkeit und ThorakenntuiS auch eine vielseitige weltliche Bildung vereinigte, durch sein Wirken für das jüdische Volk und durch seine Teilnahme für allgemeines Menfchenleid in weiten Kreisen eine gerechte Verehrung sich erworben hat und bei Juden wie Nichtjuden gleichmäßig Ansehen genoß. Als langjähriger Gemeinderat, Assessor des k. k. Handelsgerichtes, Zensor der Oesterr.-Ungar. Bankfiliale und der städtischen Sparkassa leistete er der Allgemeinheit, insbesondere dein kaufmännischen Stande, hervorragende Dienste. Durch 50 Jahre amtierender Vorsteher der Krakauer israel. Kultusgemcinde, war seine Amtsverwaltung vorbildlich: als Präsident der Filiale der ,,Israelitischen Allianz", als Präsident der Filiale der „Agudas Jisroel" und zahlreicher anderer humanitären Anstalten sür unsere Glaubensgenossen war er eine Säule des galizischen Judentums, stets bemüht, mit allen Kräften den; jüdijschen Volke zu dienen. Lein Name wurde stets mit Liebe und Verehrung genannt. Die allgemeine Dankbarkeit sür das Wirken des Verewigten offenbarte sich auch bei der zahlreichen Beteiligung an dem Leichenbegängnis. Alle Vereine und Korporationen beeilten sich, durch Deputationen dem Verblichenen den Zoll des Dankes für sein segensreiches Wirken abznstatten. *7" Jonathan B irnb a n m. Austritte aus dem Judentum vom 11. Juni bis 17. Juni 1916. Teck Sieginund, Kaufman.nslest.rung. gcb. 20. August 1900, Tornopol, 2. Bez., Weintraubengasse 15. Grudews.j Sta-nsmv Leopold, Gymnasiast, geb. 4. Juni 1962, ßaroslau (Galizien), 7. Dez., .Schottcnfcldgasse 92. Kachel Erna, (auch Goldblatt), geb. 24. Dezember 1896, Rzcszow (Galizien), 20. Bez., Brigittaplatz 18. Klein Erwin Tr., Verteidiger in Stra,suchen, geb. 5. Dezember 1386, Strakonitz (Böhmen). 9. Bcz., Vcrggassc 21. Klein Jsabeila, geb. Rappaport, Advokatensgattin. geb. 1. Juli 1339, Wien, 9. Bez., Berggasse 27. Kösterunanrr Wilhelni, Bureaudiener, geb. 23. Februar 1890, Wien, 3. Bez., Untere Weißgärberstraße 30. Lerniau, Paul Tr., k. u. k. Fähnrich, geb. 3. Mai 1379, Wien, 4. Bez.. Paulanergasse 9. Lichter,stein Emil Tr., Arzt. geb. 20. September 1879, Wien, 13. Bez., Riedelgasse 5. Lcwy Marimilran, Kommissionär, geb. 19. Juni 1866, Wien, 5. Lez., Siebenbrunnengasse 22. Kloster! enbll-g. Der nrehrjährige Vorsteher des Mmjan-Vereiues in Tulln, Herr Hermann Eisenstein, ist aus dem Judeutume ausgetreten. Mahr.-Ostrau. (Frau A l v i n e S p i r a g e st o r b c u.) Eine Trauerkundc ergreift weite Gesellschaftskreise und namentlich die Reihen unserer jüdischen Mitbürger aufs tiefste, der Tod der Frau Alvine S p i r a, der Gattin Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Jakob S p i r a, die nach nur mehrstündigem Leiden im Alter von 42 Jahren aus dem Leben geschieden ist. Alle, die die blühende Frau kannten und schätzten, können es kaum fassen, daß sie, der wir noch in der letzten Zeit täglich, uns freundlich begrüßend, wie es ihre Art war, begegneten, sich an dem Frühlingsbilde erfreuend und selbst einen: neuen Lenze frohgemut entgcgensehend, nunmehr mit all ihrem Hoffen von uns gegangen und jäh in das Grab sank. Die Verstorbene schloß vor 22 Jahren mit ihrem Gatten einen innigen Srelcnbund und war ein Muster einer edlen Gattin und aufopferungsvollen Mutter. Den Traditionen ihres Elternhauses - sie war die Tochter des langjährigen Gemsinderabbincrs von Prerau, Herrn Dr. Tauber - getreu, hat sie über den Rahstnen ihres trauten Heimes hinaus das seelsorgende Wirken ihres Gallen auf dem Gebiete der Menschenliebe m schönster und aufopferndster Weise unterstützt und gefördert. Seit ihrer Vermählung gehörte sie dem Ausschuß des israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereines vom Mähr.-Ostrau und- Umgebung an und war dessen Vizepräsidenlin durch volle 15 Jahre. Wenn diese edle Vereinigung seit Jahr und Tag und namentlich in den letzten schweren Kriegsjahren die Tränen so vieler Witwen und Waisen getrocknet hat, so hat die rege .und unermüdliche Mitarbeit der Verblichenen gewiß daran einen ganz bedeutenden Anteil. Im Dienste der edlen Wohltätigkeit war ihr keine Arbeit zu mühevoll, kein Weg zu weil, keine Bitte an die Besitzenden zu schwer, um dem Ziele zuzustreben, die Leiden der Armut und Krankheit verlassener Frauen und Kinder zu lindern. So betrauern in der Dahingeschiedenen nicht nur ihre Anhörigen die treue Gattin und Mutter, die Armen ihre Wohltäterin, sondern auch di; Ostrauer Gesellschaft ein allgemein beliebtes feinsinniges Mitglied, dem ein stetes gutes Gedenken gesichert bleibt. Kremsier. (T o d e s b a l l.) Am 14. Juni verschied der Nestor der hiesigen Kultusgemeinde, Samuel Werne r, im Alter von 93 Jahren. _ , Michael Kunstadt. Aus Preßburg wird berichtet: Ein Stück Alt-Preßburg ist wieder den Weg alles Vergänglichen gewandert. Der rühmlichst bekannte Kantor der orth. Kultusgemeinde, Herr Michael Kunstadt, Vater des Großkaufmannes Benö Kunstadt, wurde unter riesiger Beteiligung zu Grabe getragen. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer grandiosen Trauerkundgebung, fast die ganze Gemeinde gab dem Dahingeschiedenen das letzte Ehrengeleite. In der Zcremonienhalle des Friedhofes sprach als Erster der Vorsteher der Chewra-Kadischa, Herr Josef E r ü n b e r g, der namens des Vereines in einer wohldurchdachten Rede von dem Verstorbenen Abschied nahm und ungefähr zum Ausdrucke brachte, daß gleichwie der Verblichene fast 40 Jahre hindurch die inbrünstigen Gebete in seinen einzigartigen Gesängen zum Allmächtigen emporsandte, > so möge seine reine Seele vor dem Schöpfer des Alls hintreten .und fürbitten, auf daß dem schrecklichen Blutvergießen ein Ende gesetzt werde. Nachher ergriff Oberrabbiner Akiba Schreiber das Wort, um in einer zu Herzen dringenden Trauerrede den Dahing.eschiedenen als Musterbild wahrhaftiger Frömmigkeit und höchster Menschlichkeit hinzustellen. M4 tiefer Ergriffenheit lauschte alles dieser Abschiedsr'ede, die einen nachhaltige r Eindruck auslöste. Schließlich nahm der Obcrrabbiner von Bazin, Josua Schiel, mit tränenerstickter Stimme von dem Toten, in dem er seinen heißgeliebten Onkel betrauert, ergreifenden Abschied. Dann rollte die Erde auf die sterblichen Ileberreste K u n st a d t s. Mit Kunstadt schwindet ein gottbegnadeter Interpret altjüdischer Tempelgesänge aus unserer Mitte, ein Sänger von unbeschreiblicher Herzinnigi;ii, dessen rührender Vortrag, zumal an den hohen Feiertagen, selbst den in religiösen Sachen Indifferentesten warm ans Herz griff. Kunstadts „Kol Ridrehgesang" dürfte zu den klassischesten seiner gesanglichen Leistungen zählen und wird uns allen, die wir seinen Vorträgen mit Andacht lauschten, noch lange, lange in den Ohren klingen. Möge ihm die Erde leicht sein! Alle, die ihn störten, kannten und liebten, werden seiner nie vergessen.