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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-23 · 25 (23.6.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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420 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr, 25 Persönlichkeiten vertreten sind. Leider ist selbst dsese 2 elb stv e rst rn dl ich ke i t auf Schwierigkeiten gestichen und es hat erst langer Verhandlungen bedurft, um ein solches -gemeinsames Komitee zusammenzubringen. Immerhin sei es mit Freuden zu begrüßen, daß das Hilfskomitee nun endlich in Aktion treten kann und daß die Wiener „Israelitische Allianz" nunmehr in die Lage verseht wurde, den Betrag, den die unversiegbare Opsersreude unserer amerikanischen Klaubensbrüder zur Verfügung gestellt hat, seiner Bestimmung zuzusühren.^Dem Komitee gehören an: als Präsident Hosrat Franz Szei e i y, als Mitglieder Ludwig Adle r, Präsident der Pest er Neologengemeinde, Dr. Bela Feleky, Vorstandsmitglied der Neologengemeinde, Adolf Frankl, Präsident der orthodoxen Landeskanzlei, Abraham Freudig er de Obnd a und Leopold F r e u d i ge r, Präsident in der Pester orthodoxen .Kultusgcmcinde, und Hosrat Julius Winter st ein, Präsident der Pester Chewra- Kadischa. Ein Dokument jüdischer Kriegswohltätigkeit. Airs Budapest wird uns geschrieben: In der am lK. d. M. stattgesundenen Generalversammlung des poliklinischen Vereines' „Charite" kam ern Schreiben des durch sein unbegrenztes Wohltun bekannten jüdischen Philanthropen Hofrat Sigmund L. Breitncr zur Verlesung, welches als ein ehrenvolles Dokument jüdischen Wohltätigkeitssinnes aus dieser großen Zeit in vollem Umfange wiedergegeben zu werden verdient. Wie in Wien und zahlreichen anderen Großstädten ist auch die Budapester Poliklinik jachansschließlich der Opferwilligkeit der Jnden^t-ckiaisken und wird auch fast ausnahmslos von Juden geleitet und erhalten. An der Spitze des Vereines steht der Präsident Hofrat Franz Lzckelp, eine der bedeutendsten führenden Persönlichkeiten im öffentlichen ungarisch-jüdischen Leben, auf dessen Initiative schon manche große jüdische und interkonfessionelle Institution entstanden ist und unter seiner Leitung gedeiht. Ihm zur Seite stehen die Damen Frau Mathilde von B i s ch i tz und Frau Dr. David - P ap. Der Generalsekretär der Vereinigung ist Dr. Gustav Engel und die Kasse wird von Dr. Bela Gerber verwaltet. Dem Ausschüsse gehören die Damen Baronirr Renee K o h n c r, Charlotte Hofman n, Baronin Ilona Ma - d a r a s s y - B e ck, die Herren Wilhelm V a z s o n y i, Eduard Rein, Paul Kohn, Albert Kellner und Doktor Eugen Szili an. Unter allgemeiner Spannung gelangte nun das rrachfolgende Schreiben zur Verlesung: Hochgeehrtes Präsidium! Jetzt, wo die weltzerstörende Geivalt des Krieges Hunderttausende unserer Brüder in das Grab gebracht oder zu Krüppeln und Siechen gemacht hat, ist die Zeit hcrangekommen, den Aufbau der Zukunft der Nation in Angriff zü nehmen, ihre Regeneration norzubereiten. Da eines der wichtigsten Erfordernisse und zugleich die Gewähr für den Bestand der Nation in der Gesundheit des Volkes liegt, erachte ich es für unsere Hauptaufgabe, die zurückgebliebenen Kräjste zu sammeln, für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit zu sorgen, damit auch diesen igell der Segnungen der durch die ärztliche Wissenschaft gebotenen, von Tag zu Tag sich vervollkommenden und zunehmenden Heilmittel teilhastig werden, deren materielle Lage dies sonst nicht gestatten würde. Sie dem Leben zu erhalten, ihre Arbeitsfähigkeit zurückgeben, ist nicht um' eine menschenfreundliche, sondern auch nanvnalölonoinisch ersprießliche Handlung. Von diesem Gesichtspunkte geleitet, fasste ich den Entschluß, deni seit fast einem Vierteljahrhundert für die oben angeführten Ziele wirkenden Verein „Charito" 200.000 Kronen, d. i. zweihunderttausend Kronen, zu dem Zwecke anzubieten, daß der Verein seine poliklinische Jnstitntion durch eine Spitalsabteilung ergänze und dadurch in die Lage komme, hilfesuchende Schwerkranke zum Zwecke der Heilung aufzunehmen. Indem ich noch bemerke, daß ich mit beit zur Durchführung des Bauplanes und der Organisation des Spitals notwendigen Agenden im Verein mit der Direktion der Poliklinik Herrn Dr. Gustav Engel zu betrauen wünsche, beehre ich mich, beiliegend dem hochverehrten Präsidium den durchmich ausgestellten Stiftungsbrief zu überreichen und um dessen Aufnahme zu ersuchen. Budapest, 3. Juni 1916. Mit vorzüglicher Hochachtung und patriotischem Gruß Sigmund L. B r e i t n e r m. p. Präsident Hofrat Franz Szekely gab nach Verlesung des mit Jubel aufgenommenen Schreibens dem begeisterten Dank des Vereines beredten Ausdruck und beantragte, den fern von der Hauptstadt weilenden Philanthropen telegraphisch zu begrüßen und ihm nach seiner Rückkehr durch eine Deputation den innigsten Dank des Vereines persönlich zu übermitteln. Im Sinne des Stiftbriefes wird das Spital den Namen S i g m u n d und T h e r e s e Breit n c r führen und innerhalb drei Jahren errichtet werden. Franzensstad im Kriege. Von Armin Wilkowitsch, Eger. Die Kurmittel und Heilbehelfe, die Quellen und Moorlager, das mediko-mechanische Institut, dazu noch das ebene Terrain, das den heilsuchenden Herzkranken zum Segen wird, sie alle haben den Ruhm von Franzensbad längst vor Ausbruch des furchtbaren Krieges in alle Welt hinausgetragen. Den Bedürfnissen des Kurpublitüms Rechnung tragend, entstanden von Tag zu Tag neue Kurhäuser und Paläste' und kein Äaum blieb während der Kurzeit ungenützt. Es pflegte oft vorzukommen, daß Kurgäste wegen Wohnungsmangel sich in Eger einlogieren mutzten, von wo aus sie der Kur oblagen. Nun kam der Krieg. Die Scharen der Kurgäste aus den uns feindlichen Staaten, und mit ihnen auch die Ausländer, verließen fluchtartig den Kurort, und prangend in ihrem vollen Sommerschmucke, blieb die schöne Gartenstadt Franzensbad menschenleer, gleichsam dem Musentempel nach der Vorstellung. Schwarzseher prophezeiten dem Kurorte für die Kriegsdauer den ,.Ewigen Frieden", allein sie hatten — Gottlob nicht recht behalten! Die Unentbehrlichkeit .und Unersetzlichkeit der Franzcnsbader Heilmittel haben auch während des Krieges dem Kurorte den rühmlichen Platz unter den Weltkurorten gesichert, sie haben auch, unter veränderten, ungünstigen Verhältnissen dem Kriege siegreich getrotzt. In neuer Pracht erglänzt nun Franzensbad! Allerorts sind, dank der Mühe fleißiger Hände, die herrlichen und abermals wesentlich erweiterten Park- und Promenadenanlagen entstanden. Ihre redliche Arbeit ist wahrlich nicht vergeblich! Tausende von Kurgästen, unter ihnen auch eine stattliche Anzahl von heilsuchrnden Feldgrauen, füllen die Kurhäuser. Die kühnsten Erwartungen der Kurverwaltung sind längst Übertrossen, denn jeder Eisenbahnzug bringt neue Gäste, als wäre der Krieg längst abgeschafft! Die Kurkapelle konzertiert mit gleichem Kunstsinn —- wie einst in der schönen Friedenszeit — im herrlichen Park. Menschenwellen wogen. Die numerierten Kaffeemädchen müssen mit den Ellenbogen sich Platz schaffen. Alles ist vorrätig: Kugelhupf, Zwieback, weiße Weizensemmeln. Grahambrot; für alles sorgt die Kurverwaltung reichlich. Wir empfinden hier den Krieg höchstens dadurch, daß wir etwas tiefer in die Tasche greisen müssen, womit wir uns schließlich längst abzufinden gewöhnten. Aber bei Gott! Die Kurgäste versichern, daß sie die Preise in den Franzensbader Restaurants im Gegensatz zu jenen der Großstadt gar nicht übermäßig hoch enrpsinden. Die Kultusgemeinde in Franzensbad hat stets darauf gesehen, den konservativen Charakter in ihrem Kahalleben zu währen. Chor und Orgel, wie es in den benachbarten Kultusgemeinden seit langem eingeführt, finden hier keinen Eingang, destomehr wird die jüdische Wohjfahrt gepflegt. Das Hospktal wird trotz der Schwierigkeiten, die uns der Krieg auferlegte, unvermindert weitergeführt, den tunlichen Wünschen und Bedürfnissen der jüdischen Kriegsflüchtlinge und -Kriegsverwundten vollauf Rechnung getragen. Hiebei erwies sich Herr Kultusvorsteher Theodor S p i e - g e l als umsichtiger und unverdrossener Führer und Leiter der

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