Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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«r. öi Tr. Bloch's Wochenschrift r-eite >09 Bücher und Zeitschriften für unsere Loldaten. Militärspitäler und Kriegsgefangenen. Zeitschriften: Gemeinderat Dr. Schwarz-Hitler, Rabbiner G. Soffer, Sucsany. Herzlichen Dank! Das Komitee, 2. Bez., Ferdinandsftr. 23. Taul.slumnrenleluer Heinrich Steen gestorben. Das ..Allgemeine ö st e r r e i ch i s ch e israel. T a übst u m m e n i n st i t u 1" in Wien. 3. Bez.. Rudolfsgasse 23. hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Heinrich Stern, der seit 9 Jahren verdienstlich am Institute gewirkt und es verstanden hatte, sich die Zuneigung seiner Vorgesetzten und die Liebe der Zöglinge zu erwerben, ist im Alter von 36 Jahren als Kadett eines k. u. k. Landwehr-Infanterie-Regimentes nach einmonatlicher schwerer Erkrankung in Briren, Südtirol, gestorben und mit allen soldatischen Ehren aus dem dortigen Soldatenfriedhose beerdigt worden. Stern war ein Neffe des Buczaczer Bürgermeisters und Reichsratsabgeordneten Bernhard Stern und hinterlätzt trauernde alte Eltern, eine Witwe und Geschwister. Seine Wirksamkeit am Wiener israel. Taubstummeninstitut war eine erfolgreiche. Sie soll ihm nicht vergessen werden! Austritte aus dem Judentum vom 7. Juni bis 10. Juni 1916. Gatt Frieda, geb. 12. Oktober 1879. Radolfzell (Baden). 8. Bez., Albertgafse 16. Rosenbaum Otto, k. u. k. Oberleutnant i. d. Res., derzeit im Felde, geb. 18. August 1872 in Ung.-Hradisch, wohnhaft in Unterthemenau (laut Mitteilung der k. k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach). Schiller Elfriede, geb. Salzer. Oberarztensgattin. geb. 19. Januar 1894, Wien. 13. Bez.. Kupelwiesergasse 15. Schütz Friedrich, Kaufmann, geb. 21. September 1894, Prag. 9. Bez., Berggasse 6. Schütz Paul Ignaz, Kaufmann, geb. 18. Januar 1891. Prag. 9. Bez., Berggasse 6. Bielitz (Schlesien). Um den in Bielitz weilenden Soldaten, größtenteils ältere Männer streng tonsewatioer Richtung, anläßlich der Osterfeiertage rituelle Kost zu verschaffen, wurde hier eine improvisierte Osterküche in den Souterrains-Räumlichkeiten des hiesigen städtischen Mittelschulgebäudes gegründet, welche von der Ltadt bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurden. Der Betrag, welcher im Sinne des Ministerial-Erlasses für rituelle Osterkost verabreicht worden ist, war lange nicht hinreichend, um die Soldatenanzahl von zirka 1050 Mann zu beköstigen. Es blieb also nichts anderes übrig, als an den Wohltätigkeilssinn der hiesigen Gemeinoemitg.lieder zu appellieren. Dieser Appell hatte auch den gewünschten Erfolg, denn dank der Bemühungen Sr. Ehrw. Herrn Prof Dr. Steiner und des Obmannes der Kultussettion Herrn Heinrich H e i l p e r n wurde der fehlende, ziemlich hohe Betrag es wurden Summen von Kr. 300.—, 200. 100. und abwärts zu diesem humanen Zwecke gewidmet aufgebracht. Das nötige, ungebrauchte Kochgeschirr und die Speiseservice stellte die hiesige Emoilfabril bereitwilligst zur Verfügung. In den weiten Räumlichkeiten des städtischen Mittelschulgebäudes wurde auch ein improvisierte) Bethnus mit Seferthora errichtet, so daß die Soldaten jüdischen Glaubens daselbst auch die Andacht in ihrer gewohnten. Form verrichten tonnten. Der Anblick dieser über 1000 Köpfe zählenden Menge, beten und die Sederandacht verrichten zu sehen, war erhebend und Überwältigeno. Man konnte in den Augen vieler Träten der Rührung unv Seufzer der Sehnsucht wahrnehmen, denn viele ergraute und nicht ergraute Familienväter erinnerten sich mit tiefer Demut au ihre Lieben und an. ihre Häuslichkeit im fernen Osten der Monarchie. Es sei daher an dieser Stelle allen jenen Wohltätern berzüchst gedankt, welche dem Komitee die Verabreichung der Of erlöst, der es selbst an Fischen. Fleisch und Wein nicht mangelte, ermöglicht haben. Die Verwaltung lag in den bewährten Händen des Senior- Chefs der hiesigen Fabriksfirma Gebrüder H e i l p e r n, der vol e dr«i Wochen lang seine ganze Zeit diesem edlen Wohlfahrtszweck: widmete. Klattou. (Leichenbegängnis.) Am 6. d. M. wurden die sterblichen Ueberreste eines einfachen, biederen Mannes, eines unserer besten Glaubensgenossen, des Herrn Karl Gelobter, dem Schosts der Erde unter großer Teilnahme sämtliche: Beoölkerungsjchichten anvertraut. Der Verblichene hatte über 20 Jahre aktiv beim r. k. Dragoner-Regiment Nr. 13 Prinz Eugen von Savoyen tadellos gedient und ging als Wachtmeister in Pension. Hierauf erhielt er die große Kantine der Klattauer Kaoalleriekaserne, die er bis zu seinem plötzlich erfolgten Tode niusterhaft fü-,.t:. Durch sein offenes, jederzeit von jüdischem Geiste erfülltes Auftreten hatte er sich überall Freunde erworben. An seiner Bahre trauert die gramgebeugte Witwe nebst acht Kindern. Seine älteste Tochter, Frl. Julie G e l t e r. ist Mitglied der königl. preußischen Hofoper zu Berlin und eine hervorragende Sängerin, sein ältester Sohn Mar befindet sich in russischer Kriegsgefangenschaft und wurde ob seiner Tapferkeit mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich die Gesamtvorstände der israel. Kultusgemeinde, der Chewra und des Chor-Eeselligkeitsvereines mit nahezu sämtlichen Mitgliedern und deren Damen, eine Offiziers-Deputation der Dragoner, zahlreiche Unteroffiziere der hiesigen und Postelberger Garnison, der k. k. Bezirkshauptmanu V y s o k y, der k. k. Bezirksoberkommissär W a gn e r, der Bürgermeister und Bezirksobmann I. U. Dr. H o st a s ch und andere Würdenträger. Am Grabe sprach Rabbiner Prof. Dr. B r e t Worte innigen Gedenkens. Möge dem Verblichenen die Erde leicht sein! B. Feuilleton. Her Arzt aus Amerika. Martin P r o S k a u e r veröffentlicht in der „Bert. Morgenpost" folgende tiejergrei,ende Erzählung: Der Stabsarzt kam mit dem amerikanischen Arzt aus dem Feldlazarett und ging die zerfahrene feuchch Dorfstraße entlang. „Sagen Sie, Herr Kollege/' fragte der deutsche Militärarzt plötzlich, „wie find Sie eigentlich hier in unsere polnische Gegend geraten? Unsere Soldaten da im ihr zarett tonnen ja zufrieden sein, daß wir einen solchen Chirurgen hier haben, aber warum haben Sie gerade unsere Wolezinie ausgesucht?" Professor Gladstone, der amerikanische Arzt, schwieg eine Weile. Seine Augen, die schwarz und hart in dem zerfurchten Gesicht standen, starrten ans die spiegeln den Pfützen der Straße. Dann sagte er kurz: „Ich will zu meinem Vater in Ochocz." „Nach Ochocz? Das liegt doch gerade vor uns, aber hinter der russischen Front. Und dort rvohnt Ihr Vater?" fragte der Stabsarzt erstaunt und verständnislos. „Ja," sagte Professor Gladstone. „dort in Ochocz lebt falls es den Russen so beliebt mein Vater. Er heißt Moses Glattstein und ich bin in Ochocz geboren." Der Stabsarzt sah ihn überrascht an: „Sie, Herr Professor Gladstone aus Newyork?" Ter amerikanische Arzt lächelte wehmütig: „Sie scheinen mir nicht zu glauben. Ich bin der Sohn eines armseligen russischen Juden, und was das heißt, haben Sie ja selbst hier im Lande gesehen das heißt, ein Mensch ohne Recht und Vaterland sein. Darum bin ich vor fünfundzwanzig Jahren dorthin gegangen, wo die Geknechteten aller Länder die Freiheit erhoffen - nach Amerika. Und aus Jakob Glattstein wurde drüben: James Gladstone. Ich wollte damit alles abtun,!waS jmijchfan das Land unseres Jammers erinnerte. Aber Sie sehen, Herr Kollege, es ist stärker als ich. Als ich las, daß Warschau gefallen ist und daß Ihre Armeen auf Brest-Litowsk losmarschieren als ich las, iraS die fliehenden Russen der Bevölkerung antun da hielt ich eS drüben nicht länger aus. Ich fuhr hierher und erhielt die Erlaubnis, mit Ihrer Division den Marsch nach Osten mitzumachen - bis eben Ochocz erreicht ist. Dann werde ich wissen, ob ich noch einen Vater habe." Der Stabsarzt streckte dem anderen die Hand hin: _ „Lieber Herr Kollege, daS mögen allerdings böse Stunden sein, die Sie hier durchmachen, daS wußte ich nicht." Etwa acht Tage später ließ der Divisionsgeneral den amerikanischen Arzt holen: „Gute Nachricht. Herr Professor!" sagte er. „die Russen haben gestern nachts ihre Stellungen geräumt und sind bis auf Brest-Litowsk zurückgegangen. Ich fahre jetzt über Ochocz nach, soll ich Sie mitnehmen?"