Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 24 Jahrgang XXX11I Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. - — ' ' OOfi- Wien, 16. Juni 1916 JErscbefnt jeden Freitag. — Brief-Adresse: Wien, H i. Praterstraße 9. Telegrannn-Adresse: Bloch s Wochenschrift, Wien. 0 0-»— — :==oo Vrzugsprrio für L>kflerreirli: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare Heller. Für dsa Ausland: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» tene Petitze.le 48 Heller. £ qQ-- . -O O Oü..■■=0 O? M. ft. Postspsrftaffenanil Q Cleartng-Verkcdr Mr. 810.976. Redaktion und Adnlintstration: Wien II/i, Praterftraße 9. lj Telephon 45.859. <1 QP-—.-..Qo Anhalt: Leitartikel: Zar Nikolaus II. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Ernennung von Feldrabbinern. — Goldene Tapferkeitsmedaille. — Zum fünften Male auf dem .Kriegsschauplätze. — Doppelte Auszeichnung. — Dr. Alexander Birü. — Heinigekehrt. — Signum laudis an Nichtkombattanten. Ein erhebender Zug jüdischer Soldaten. — Die sechs Wunden des Engen Klein. — Dieser einzige Jude in der Kompagnie. — Tod eines Wiener Arztes in rnss. Gefangenschaft. — Die Bruder Pasztor. — Ein Feldpostbrief. —' Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Fortskommandant von Vaux, Major Raynal. — Rückkehr des Nobelpreisträgers Prof. Baranp. — Eine bedeutsame Erfindung des Dozenten Dr. Max Herz. — Italienische Angriffe auf einen deutschen Gelehrten. — Das «Jiddisch" als Retter. — Heereszahlen alter und neuer Zeit. — Korrespondenzen: Ter Besitz von Palästina. — Aufruf an die jüdischen Bewohner Wiens. — Wien. — Lemberg. — Archivfnnde in Polen. — Eine polnische Kundgebung. — Kuttenplan. — Sanok. — Lann. — Vermischtes. Feuilleton: Ter Arzt aus Amerika. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Zar Nikolaus II. Das Vierteljahrhundert-Jubiläum des russischfranzösischen Bündnisses gibt Herb e in der „Bictoire" Anlaß, Rußland wegen seiner früheren Gegnerschaft demütig Abbitte zu leisten. Nach Worten der Zustimmung zum Bündnis schließt er, ohne daß die Zensur den Passus beanstandet hätte: Diese silberne Hochzeit, selbst trotz der Schmerzen der gegenlvärtigen Stunde, wie lvürde sie schön und freudvoll sein, wenn Biviani und Thomas von Rußland mit einem Hochzeitsgeschenk zurückkämeu, welches in den: Versprechen einer allgemeinen Amnestie für alle unsere Freunde bestände, die in den Gefängnissen Sibiriens schmachten, und außerdem das Versprechen einer weitgehenden Autonoinie für das wiedererstandene, zur Nation gewordene Poleit sowie das Versprechen enthielte, daß die Juden in ganz Rußland bürgerliche und politische Gleichberechtiguilg erlangen würden, endlich daß der Zar, gestützt auf die Duma, selbst das neue Rußland regieren werde ans den Wegen der Demokratie und des Liberalismus! Herr Herde wiegt sich da in trügerischen Hoffnungen: er kennt offenbar Geist und Charakter des gegen« wärtigen russischen Zaren gar nicht. Das Erinnerungsbuch des amerikanischen Staatsmanncs Andrew D. White, „Aus meinem Diplom a t e n l e b e n", das kürzlich in einer zweiten deutschen Allsgabe erschienen (Leipzig, R. Voigtländer), könnte ihn hierüber belehren. White, der auch (in Berlin Botschafter gewesen ist, war nicht gerade ein bedeutender Kopf oder großer Diplomat. Aber er war ein durchaus wohlmeinender Mann und ein scharfer, objektiver Beobachter, der die ihm gebotene Gelegenheit, die hervorragenden Persönlichkeiten Europas in der Nähe zll sehen, gut benutzte. Wir veröffentlichen hier, was White an mehreren Stellen seines Werkes über den jetzigen Kaiser von Rußland zu sagen weiß: ,.Der jetzige Herrscher, ein Schwächling ans dem Throne. läßt, weil er indifferent, sorglos und absolut unfähig ist, die Zügel der Regierung fest in die Hände zu nehmen, die reaktionäre Partei seiner Umgebung willkürlich schalten und walten. Seine Dynastie, vielleicht gar er selbst, wird die Folgen zu tragen haben; das kann ich ihm prophezeien. Von jeher hat die Geschichte davon Zeugnis abgelegt, daß solche Verbrechen jbezieht sich auf Finnland Die Redaktion) nicht ungeahndet bleiben ... Der junge Monarch, dessen Schwäche so fürchterliche Zustände verschuldet hat, beschwört die Vergeltung des Himmels auf sein Haupt und auf das seiner Nachfolger herab. Die Romanows werden noch an sich erfahren müssen, „dag es in der Welt eine Macht gibt, die höher als die unsere und allgerecht ist" ... Nach seiner Thronbesteigung sagte mir jemand, der mehrfach Gelegenheit hatte, ihn zu beobachten und in solchen Dingen ein Urteil besaß: „Er kennt weder sein Land noch sein Volk, und wenn es nicht unumgänglich notwendig ist, geht er überhaupt nicht aus dem Hause." .... Als ich mit dem jungen Fürsten, der damals noch nicht auf dem Throne saß, mich unterhielt und sah. wie sehr er in seinem .eigenen Reiche ein Fremdling war, wie er gar tüncht einmal davon unterrichtet war, daß die Hungersnot ein zweites Jahr furchtbar in verschiedenen großen Bezirken seines Landes wütete, — da tönten mir wie schon so oft Orenstiernas Worte an das Ohr: „Zieh' nur hinaus, mein Sohn, und sieh', mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird." Es ist ein schmerzliches Erkenntnis, das ich hier aussprechen muß, daß Nikolaus II. von allen Herrschern Europas Karl IX. von Frankreich am ähnlichsten ist; jenem Karl IX., der sich unter dem Einfluß seiner Familie, männlicher und weiblicher Verwandten, unter dem Einflüsse von Höflingen und Priestern dazu hergab, das Blutbad der Bartholomäusnacht gutzubeißen. Daß die Strafe auch Nikolaus II. und sein Haus treffen wird, ist nur zu sicher." Noch interessanter ist die Schilderung, welche Fil ipe scu, der russensreundliche rumänische Politiker, nach seiner Rückkehr aus Rußland, von Nikolaus II. den Bukarester Pressevertretern gegeben hat: „Der Zar macht den Eindruck eines vollkommen zerrüttete» Mensche», Unfähig, eine Frage durchgrehend zu erörtern, springt er von einem Thema zum andern. Beim Sprechen läuft der Zar immer