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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-09 · 23 (9.6.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
23 (9.6.1916)
Date
1916-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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£)o Yr. 23 Jahrgang XXXI11 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten linteressen des Judentums. o (j- -=ö o *p N. kr. Po stsprirkr-issenerint Q Clearing -VerKebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien ' Il/i, Praterstraße 9. Xeleplion 45.359 O ..Q o Wir». 9. Juni 1916 Brscfceitu jeden dftettag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Lldresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OO - =ÖO? Bezugspreis für Vrstrrreirkr: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitze'.le 48 Heller. £ nO Qo Inhalt: Leitartikel: Das Problem der Kriegswaisenerziehuug in Galizien. — Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" zu Wien. — Hilfsaktion der Wiener „Israelitischen Allianz" in Galizien und Russisch Polen. — Gegen das Tragen der jüdischen Tracht. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. Der General an seinen jüdischen Lehrer. — Mehr geleistet, als jede andere Konfession. — Trauriges Wiedersehen. — Ans Sibirien. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Deutsche Kriegsdekorationen. — Kaufmann Andreas Ru eff. — Ein jüdischer General. — Korrespondenzen: Die Aktion für die galizischen Kriegswaisen. — Wien. — „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim". — Ein Methusalem. — Ein jüdischer Stuhlrichter. — Dentschbrod. — Ernennung. — Rom. Zürich. — Tie Inden des Kaukasus. — V e rmisch t es. — Feuilleton: Das Rätsel Rafael Schermann. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Das Problem der Kriegsivaisenerprhnrrs in Gatipen. Von Rosa Melzer. In einem Glückwunschgedichte der jüdischen Flüchtlingskinder in Wien — zu .Kaisers Geburtstag ( IS. August 1915) —, das den cblen Herrscher „des Kindes .Kaiser" dankbar nennt, lautet ein hübscher, einen Psalm zitiereitder Vers: „Teilt weiser Blick siel ans die Kleinen, Ter Du, dein himml'schen König gleich, Auf des schwachen Säuglings Lallen Baust Dein starkes, ewiges Reich." Dieser w e i s e Blick ruht nicht bloß auf dem Flüchtlingskinde in seiner Nähe. Er fällt heute scholl, lvährend noch der Schnitter Tod täglich und stündlich aufs neue reiche Ernte hält unter den Vätern — auf die entfernten „Kleinen", die jenie Sensenschnitte zu Waisen machen —, auf die Killder aller Altersstufen, ohne Unterschied der Nation und Konfession — so, wie ihre Väter und Brüder unterschiedslos ausgezogen sind, ihr Leben, mehr noch: ihre gesunden Glieder, ja, das Kostbarste: das Licht der Augen hinzugeben im Kampfe für Dhron und Herd —, auf die Kriegswaisen, die „des Kindes Kaiser" betreut wissen will solange, bis aus den Kindern Menschen geworden sind — treu und opferbereit gleich chren Vätern. Ist dieser Beschluß der Tank der Gesamtheit (deren Repräsentant und Exetutivorgan die Regierulig ist) bcn gefallenen Helden gegenüber, so gebührt den obersten Stellen der ehrliche Tank jedes einzelnen, daß sie dem hohen Verantwortlichkeitsgefühl des modernen Staates feilten Bürgern und Schützern gegenüber so prompt und voll Ausdruck verleihen. Spontan, wie alle Gerechtigkeit, lvar der Entschluß der Regierung, die finanziellen Mittel für die Kriegs-, waisenfürsorge zur Verfügung zu stellen. Tie Ausführung des Auftrages jedoch muß vorsichtig und mit Bedacht eingeleitet werden, wenn Miniel und Mühe das bedeutsame (Ziel voll erreichen sollen. Das Schmerzenskind dieses Krieges — Galizien — bieter auch hierin wohl die meisten Schwierigkeiten. Bunt gemischt - fast ein Stück Balkan leben hier die Rationen und Bekenntnisse bei-, nicht mitein ander. Schon das bot .Klippen, die jedoch verhältnismäßig rasch und leicht umschifft wurden. Anders steht die Sache, da man nun den Plan, die Prinzipien dieser Waisenerziehnng größten Umfanges im Detail festlegen soll. Und das soll und muß inan natürlich! Sollen und müssen besonders wir Juden für unseren Teil notwendiger und dringender denn alle anderen, um willkürlichen Bestimmungen oder auch nur eigenmächtiger Auslegung und Anwendung -- von welcher Seite sie auch kommen sollten - von vornherein vorzubeugen. Ich erachte eine rechtzeitige Orientierung in der verantwortungsvollen Aufgabe als so eminent wichtige Voraussetzung ihres Gelingens, daß ich überzeugt bin, die Diskussion und Entscheidung darüber könne unmöglich eiitem, sei es auch von der Regierung und gewiß bona fide „ernannten", Komitee allein überlassen bleiben. Tie Frage gehört vor das F or u m der jüdis ch e n T e f f e n t lhi ch k e i t, auch jener nichtgalizischen jüdischen Teffentlichkeit, die iticht bloß ein pla tonisches Interesse an dem Geschicke unserer Kriegswaisen nimmt, sondern durch namhafte Spenden, die — wenn nötig — gewiß bis zuletzt nicht versagen werden, ihr h e r z l i ch e s Z n g e h ö r i g k e i t s g e f ü h l bekundet und darum m i t s p r e ch e n und m i t e n t s ch e i d e n soll dort, ivo sie so rühmlich mittut. Wenn ich mir herausnehme, in dem hier angeregten Meinungsaustausch zugleich als erste das Wort zu ergreifen, so geschieht es lediglich im Bewußtsein genauer

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