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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-02 · 22 (2.6.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
22 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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'Jü 22 Dr. Bloch's Wochenschrift :cue 373 Mädchen die Speisen zuberei-len und sie jede;:: in die Wo'hnnirg befördern. Wenn wir es genau betrachten, müssen wir feststellen, daß der Staat für die Linderung der Not der Flüchtlinge sehr viel tut, sie gegen jode Belästigung schützt, nach Möglichkeit mit Kleidern ver-' sieht und alles anwendet, um ihnen ein menschenwür-, diges Los zu sichern. _ Zum Aufbau der jüdischen Schulen in den Karpathen. Der Ungarisch-jüdische Landesfonds hat bekanntlich, eine Aktion eingeleitet, um die durch die Russlen vernichteten jüdischen Institutionen in den Karpathendörfern, ganz besonders aber die jüdischen Schulen wieder errichten zu können. Der Landessonds hat sich mit einem größeren Betrage aus eigenen Mitteln an die Spitze der Sammeltätigkeit gestellt, welche bis jetzt 60.000 Kronen ergeben hat, eine sicherlich sehr geringe Summe, wenn man bedenkt, daß die ungarischen Juden, wie das Präsidium des Landesfonds in einem im „Egyenlöseg" veröffentlichten Berichte feststellt, während des Krieges ungefähr 30 Millionen für verschiedene patriotische und wohltätige Zwecke geopfert haben. Auch die für bcu Wiederaufbau der Karpathendörfer zusammengebrachten großen Summen wurden zur:: größeren Teile von Juden aufgebracht. Nun ist auch der Israelitische Landeslehrerverband in Ungarn mit einem Aufrufe an die Lehrer zur Unterstützung der Aktion des Landesfonds in den Dienst dieser wichtigen jüdischen Kulturarbeit getreten. Es wäre zu wünschen, daß die ungarische!: Kul-' tusgemeinden der Anregung des Landesfonds Folge leisten und den ersten Schowuauth-Tag dazu benütze» werden, um durch Thorafpenden dem Fonds zunr Wiederarrfbau der jüdischen Karpathenschulen reiche Beträge zuzjuführen. Sofia. Die hier weilenden ausländischen jüdischen Offiziere und Soldaten waren von der deutsch-österreichischen jüdischen Gemeinde in Sofia zum Sederfeste aufs herzlichste eingeladen worden. Durch das 'Entgegenkommen der Herren Kommandanten der verschiedenen ausländischen Zuteilungen war es Möglich gewesen, daß alle vollzählig erscheinen konnten. Nach der feierlichen Andacht im einfachen, aber gcschnrackvollen Tempel der Gemeinde versammelten sich die Gäste im Konsistorialgebäude, wo sie von dem Präsidenten der Gemeinde Josef Ferb er nebst Gemahlin, vorn Präsidenten der Chewra-Kadischa Josef Grauer irebst Gemahlin, sowie Rabbiner Dr. Zemach und dem Mitgliede Direktor R o s e n b a u m aufs herzlichste rvillkommen geheißen wurden. Der Festsaal war mit den Bildnissen der Monarchen und den 'Nationalfarben der Verbündeter: geschmückt, auf den: langen Tische prangten duftende Blumen, Aufmerksamkeiten der Damen F e r b e r und Grauer. Es waren gegen vierzig Teilnehmer. Ein buntes Bild von deutschem und österreichischem Militär. Herr Rabbiner Dr. Zemach verteilte als Hausherr die herkömmlichen Speisen. Vor dem Abendessen hieß Herr Präsident Josef Ferb er die Gäste abermals herzlichst willkommen. An diesem Abende sei wohl jeder gewöhnt, das Fest im Kreise der Seinen zu feiern. Wtznn!sie die jetzige Zeit daran hinderte, so mögen sie sich iin seinen: Hause wie zu Hause fühlen. Er gedachte n:it tu greifenden Worten der anderen Brüder, die heute ini Schützengraben dieses Fest begehen. Mit Hochrufen auf die verbündete:: Monarchen und den: Wunsche auf baldigen. siegreichen Frieden endigte die schöne Rede. Der deutsche Zahnarzt Herr Leutnant Schragenheim dankte den Damen und Herren für ihre große Gastfreundschaft. Bei diesem Feste hätten sich die Damen selbst übertroffen, derer: charitative Bestrebungen allgei mein bekar:nt seien und auch die allerhöchste Anszeich, nung fanden. (Frau Grauer erhielt den Elisabeth- Orden.) Herr Sauitütskadett Mediziner Ferdinand P a ch dankte im Namen der Oefterreicher ur:d Ungarn. Dieser Abend, an den: jüdische Herzensgüte abermals einen so schörn'r: Erfolg errang, werde wohl allen Teilnehmern unvergeßlich sein. Lebhaft steige vor seinen Anger: das vorjährige Fest rvährend eines Gefechtes aus, an den: schwerverwundete Juden in seiner: Armen mit den Worte::: „Allmächtiger — heute am Sederfeste — -- " die Seele aushauchten. Das darauffolgende Mahl rvar überaus reichlich und vortrefflich. Mit schönen: Rhythmus rvurden in: Chore die bekannten Gesänge der Hagadah gesungen. Ebenso feierlich verlief der zweite Abend, ar: den: die Gäste wieder vollzählig erschienen. Bor dem Abendessen hielt der deutsche Soldat Hirschfeld eine groß»« artige Ansprache, in der er viele jüdische Kenntnisse ver riet. Im Sinne der Psalmisten feierte er die jüdischen Frauen, deren Pflicht in diesen schwerer: Tagen aus eine harte Probe gestellt sei, der sie aber in unnbertrefs^ licher Weise nachkomrnen. Ir: seine Hochrufe aus die jüdischer: Frauen fielen: alle Teilnehmer begeistert ein. Mit der: Worten „Nächstes Jahr ir: der Heimat!" beendete er die wohldnrchdachte Rede. Frau Präsidentin der Chewra-Kadischa Sabine Grauer bat eingangs ihrer Rede un:Verzeihung,wenr: sie als Frau in diesen schweren Tagen, rvo alles vor: der Kraft des Mannes abhängt, das Wort ergreife. Sie dankte dem Redner im Namen der jüdischen Frauer: für die Lobesänßernngen. Es wäre eine große Genug4 tuung für ihre Mühe, wenn sie fröhliche Füge 'sehe und die dankerfüllten Worte höre. Sie wünsche allen in: künftigen Jahre das frohe Fest in: Kreise der Lieben verbringen zu können. Für die freundliche Ausnahme dieser Zeile:: herzlichst dankend, verbleibt mit vorzüglicher Hochachtung San.-Kadett Ferdinand P a ch, Oefterr. Rot. Kreuz-Spital Sofia (Gruppe Eiselsberg). Vermischtes. Regierungsrat Ignaz Wilhelm. Wie die „Wiener Zeitung" meldet, hat der Kaiser den: Eigentümer und Herausgeber der „Korrespondenz Wilhelm", Herrn kaiserlichen Rat Ignaz Wilhelm, der: Titel eines Regierungsrates mit Nachsicht der Tape verliehen. Regierungsrat Wilhelm hat seine Korrespondenz durch Jahrzehnte von der: kleinsten Anfänger: zu dem, was sie heute ist, zur Chronik von Wien, den: unentbehrlichsten Behelf der offiziellen Aernter, des Obersthofrneifteramtes, der Ministerien und der Polizei ebenso wie zu dem der Wiener Presse entwickelt. Seine Liebenswürdigkeit, seine herzliche spontane Kollegialität, seine ganz einzigartigen Fachkenntnisse, nicht minder seine unverwüstliche Hilfsbereitschaft für jeden, der ir: Not gerate:: ist, hat ihm nicht nur in Kreiser: seiner engerer: Kollegenschast, sondern man kann beruhigt sagen, im offiziellen Wien Sympathien geschasst, wie sie selten jemandem beschiedeu sind. Herr Regierungsrat Wilhelm bekleidet seit Jahren das Ehrenamt eine? Beth a n s v o r st e h e r s für der: erster: und zrveiter: Bezirk. Die ehrende Auszeichnung des treuer: Inden ur:d prachtvoller: Menschen wird wirklich allenthalben aufrichtige Freude und Genugtuung Hervorrufen.

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