Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 3-4 Tr. Bloch's Wochenschrift >j; 2L Für den Outsider ist es nur prächtige Kleinmalerei eines Humoristen. Doch iver dieses tragische Scheinleben miterlebte oder wenigstens aus eigener Wahrnehmung kennt, der verspürt plötzlich den grenzenlosen Jammer von Millionen Luftexistenzen, die int Finstern wandern und in einem stolzen Traumleben kaum ben gährenden Abgrund beachten, der sie unerbittlich in die Tiefe zieht. Der Außenstehende gewahrt bloß den Spott und ergötzt sich an den putzigen Hanswurstgeschichten, doch, die anderen — ach! die viel zu vielen, die dieses Heben milerlebten, sehen unwillkürlich hinter den johlenden und lachenden Masken der handelnden Personen — das Grinsen tanzender Totengerippe. . . . Man erschauert plötzlich in der Erkenntnis, daß ein gut Stück eigen Blut in beit Adern dieser Namenlosen stießt. Und hier eben liegt der Kern dieser eigenartigen Dichtung. Hinter dem Deckmantel des naiven Plauderers birgt sich Weisheit eines Philosophen und hinter dem dröhnenden Lachen eines Humoristen vernimmt man den unermeßlichen Schmerz einer blutenden Dichterseele. . . . * * * Schalem Alechem gehörte zu den meist gelesenen und populärsten Dichtern der jüdischen Volksmassen. Populärsten im besten Sinne dieses Wortes. Die Gründe seines Erfolges sind leicht zu erfassen. Der Dichter, der aus den Niederungen des Lebens Perlen echter Bolkspoesie herauszuschöpfen verstand, war auch ein unübertrefflicher Plauderer und amüsanter Causeur. Auf einfache, naive Weise behandelte er die tiefsten Probleme und ohne jedwede gewollte Künstelei zeichnete er in einigen markanten Zügen ein ganzes Lebenssch'.cksal. Den Heißhunger breitester Volksschichten stillte genügsam die unerschöpfliche Phantasie des geborenen Abenteurers, das Lachen des herrlichen Spaßmachers wirkte erlösend auf die geknechteten Heloten, während der Zauber einer stillen Romantik, die die Seele des Volksdichters ausstrählte, die Bedrückten und Erniedrigten mit der Gewalt einer Offenbarung an seine Werke fesselte. Im neuen Lichte erglänzte hier ihr eigenes Leben, verklärt durchs die Lebensweisheit eines tiefsinnigen Geistes, wenn auch oft verzerrt durch den Spott des unerb ittlichen Satirikers. Die bilderreiche, in tausend Farben glitzernde Sprache, erhöhte noch womöglich die Wirkung des Inhaltes, und so ward der grandiose Spötter ein trefflichster Erzieher .zum Lebensernst. * * * Im Jahre 1905 sah ich ihn zum erstenmale in Lemberg. Wie er sich in feilten Briefen gab, die er mir als polnischem Uebersetzer seiner Dichtungen zusendete, so war er auch im persönlichen Verkehr. Anspruchslos bis zur Simpelci, redselig wie ein tosendes Echo schweigender Millionen und doch vornehm, wie es nur ein Dichter zu sein versteht. Ohne Hab und Gut mußte jer im Jahre der wütenden Pogrome seine Heimat verlassen lund in die Fremde ziehen, stn-d doch nahm; er diesen Schicksals schlag mit einem Anflug von spöttischem Lächeln entgegen, wie er es in seinen Dichtungen zu tun pflegte. Wenn auch fremd, ertvarb er sich im Sturme Anhänger und Bewunderer, und als er notgedrungen kreuz und quer Galizien mit seinen ergötzlichen Vorlesungen bereiste, wuchs seine Leserzahl ins Riesenhafte. Von Galizien fuhr er in die Schweiz, von dort kehrte er trotz bitterer Pein, die er dort erlitt, nach Rußland zurück, traf jedoch an Stelle seines Heims nur eine Trümmerftätte und zog daher wiederum in die Fremde: bereiste sodann die halbe Welt, bis er plötzlich in den amerikanischen Halls unter Jubel und dem Getöse der Festspeakers au stauchte. Seine Briese wurden seltener unb auch wortkarger. Und auch die Stimmung verdüsterte sich sichtlich. Ewiger Hader um das tägliche Brot, die stets wachsende Unzufriedenheit einer 'sich allmählich erschöpfenden Künstlerseele und die Nachteile eines unsteten Nomadenlebens prägten auch auf seine Briese ihren Stempel. Und als ihm fein geliebter Sohn in der Schweiz plötzlich dahittgerafst wurde, da schrieb er mir die letzten Worte, die wie das Wehgeschrei einer brechenden Seele klangen. Und dann hörte ich nur vom vorzeitigen Siechtum, das über den unglücklichen Spötter gekommen war. . . . Armer, armer Jorick! Dein Lebensschicksal war wke dein Humor: ein Lächeln des Ruhmes und rauschender Erfolge, das in Hohn bitterster Sorgen und enttäuschter Hoffnungen ausklang:. . / Warst nur ein Bajazzo. Ein echter Bajazzo des Golusvolkes. . . . Kundmachung. betressend die Konfirmation der Mädchen in den Gemeindetempel». Die diesbezügliche Konfirmation findet statt: 1. Bezirk, Stadttempel, 1. Bez., Seitenstettengaffe 4: Sonntag, den 4. Juni, um 10 Uhr vormittags; 2. Bezirk, Leopoldstädter Tempei, 2. Bez.. Tempelgasse 5: Donnerstag, den 1. Juni, um 10 Uhr vormittags; 15. Bezirk (Fünfhaus), 15. Bez., Turnergasse 22: Sonntag, den 28. Mai, um 10 Uhr vormittags; 16. Bezirk (Ottakring), 16. Bez.. Hubergasse 8: Donnerstag, den 1. Juni, um 9 Uhr vormittags; 18. Bezirk (Währing), 18. Bez., Schopenhauerstratze 39: Sonntag, den 4. Juni, um halb 12 Uhr vormittags; 21. Bezirk (Floridsdorf), 21. Bez.. Holzmeistergasse 12: Sonntag, den 28. Mai, um 11 Uhr vormittags. Der Eintritt in den Stadt- und Leopoldstädter Tempel kann wegen Raummangel nur gegen Abgabe der Eintrittskarte gestattet werden. Die Plätze für die Verwandten der Konfirmandinnen bleiben nur bis V4 10 Uhr vormittags reserviert. Der Vorstand. Laie „Warszava“, Lemberg. Zionisten treffen sich am Sonntag zwischen 3 bis 5 Uhr nachmittags im Cafe „Warszava“. — Gäste herzlich willkommen. Lediger Arzt, 45 Jahre alt, wünscht sich zu vermählen mit israelitischem Mädchen aus sehr gutem Hause, im Alter von 25—30 Jahren, vollkommen gesund, von tiefem Gemüte und häuslichem Sinne. Mitgift kann unangetastet bleiben. Zuschriften erbeten unter: ,,Seelenfriede“ an die Redaktion dieses Blattes. Luhatschowitz M. Smetana, Hotelier „Hotel Frankl“ Wie alljährig, empfehle ich auch heuer meinen p. t. Gästen meine Resiauration (streng rituelle schmackhafte Küche) und Hotel. Unter Aufsicht des Rabbinats der Israelitischen Religions-Gesellschaft Zürich L. Schmerling, Zürich (Schweiz) oerausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch — Druck von L. Beck & Sohn, Wien. VII