Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wr. 20 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 337 Berichtigung. Wir werden aufmerksam gemacht, daß der mit dem Militäroerdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnete Dr. Heinrich P o st kein Jude ist. _ Im Dienste des Vaterlandes. Der Gefreite San.-Soldat Leo Nagler ist nach kurzer schwerer Krankheit in Wolhynien an Flecktyphus von einem jähen Tode dahingerafft worden. Gefreiter Nagler war mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. An seinen Vater, Josef Nagler, Wien, 3. Bez.. Kegelgasse 2, gelangte nachstehendes Schreiben: Geehrter Herr Nagler! Die Nachricht von dem Ableben Ihres Herrn Sohnes, Gefreiter-Sanitätssoldat Leo Nagler, Mob.-Rest-Spital haben i^ie vom Kommandanten des genannten Spitales, Herrn Stabsarzt Dr. Ritter von H ö f f e r n, telegraphisch erfahren. Ich, als Divisionsseelsorger, komme erst heute dazu. Ihnen zu dem schweren Verluste, den Sie erlitten haben, mein aufrichtigstes und herzliches Beileid hiemit zum Ausdrucke zu bringen. Ihr Herr Sohn starb eines leichten, sehr schmerzlosen Todes. Am 20. Februar 1916 infiszierte er sich in treuester, aufopferndster Pflichterfüllung in seinem schweren, gefährlichen Dienste als Krankenwärter an dem Flecktyphus und starb bereits am 21. Februar um 6 Uhr früh. An demselben Tage erhielt ich vom genannten Spitale die telegraphische Verständigung, ob ich beim Begräbnisse Ihres Herrn Zahnes s. A. teilzunehmen in der Lage bin. Der ^-terbeort liegt von meiner Division zirka 50 Kilometer entfernt und ich fuhr sofort an Ort und Stelle, um betreffs des Begräbnisses Anordnungen zu treffen. Ihr sei. Herr Sohn wurde in einem nach unserem Ritus angefertigten Sarg gebettet; denselben bedeckte ein mächtiger Kranz aus Reisig, die letzte Liebesgabe der Irenen Kameraden. Am 22. Februar, 11 Uhr vormittags, fand das Begräbnis statt. Hinter dem Sarge schritt ich mit dem Herrn Kommandanten Dr. Heribert von Höffern, dann die Offiziere und die dienstfreie Mannschaft. Ich hielt dem Verewigten einen längeren Nachruf und hierauf sprach Herr Dr. Ritter von H ö f f e r n Worte des innigen Gedenkens und pries den Verewigten als Muster treuester Pflichterfüllung und Aufopferung. Anl schönen, prachtvoll gelegenen Militärfriedhof in Rozyzce fl. Stryj (Wolhynien) haben wir unseren treuen Kameraden in ein eigenes Grab zur ewigen Ruhe gebettet. Ich bemerke, daß dem Verblichenen nach meinen Anordnungen ein Grabstein mit hebräischer Aufschrift gesetzt werden wird. Gott, der Herr, lindere Ihre tiefe Herzenswunde, und mögen Sie sich in dem Bewußtsein trösten, daß Ihr seliger Herr Sohn den schönsten Tod starb, den Heldentod für unser geliebtes Vaterland. In herzlicher Teilnahme, zeichne ich mit aller Hochachtung als Ihr ergebener k. u. k. Feldrabbiner Gustav B I a n, Divisionsseelsorger. Feldpost 86. Nor dem Jeinde gefallen. Die sterblicheil Ueberreste des am 30. August 1915 bei eiuem Sturmangriff gefallenen Kompagniekomman > ballten Oberleutnant Hugo Fa den Hecht des Landw.- Jnfanterieregiments Nr. , sind. jur., Beamter der Depositenbank, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille, des Signum laudis ntld des Militärverdienstkreuzes dritter Klasse, wurden vom nördlichen Kriegsschattplatze nach Wien überführt und hier in einem Kriegergrabe beigesetzt. Opfer des Krieges. Einer der erstell auf dem Felde der Ehre gefältelten Militärärzte ullferer Armee war der Regimentsärzt des 19. Laudw.-Infallterieregiinents Dr. Bernhard M u n d. Es war am 27. August 1914, währeild eines blutigen Gefechtes in der Nähe von Doburzany, als ihm, während er einfem Schwerverwundeten die erste Hilfe leistete, die Kugel eines in der Nähe lauernden Kosaken traf. Der Verstorbene war in Friedens^eiten in Wien ansässig und erfreute sich in weitereit Kreisen lebhafter Sympathien. Die Mittler veranlaßte die Ueberführung der irdischen Hülle Kit die Heimatstadt Lemberg, wo am 5. Mai das Leichenbegängnis auf der Heldenabteilung des jüdischen Friedhofes mit militärischen Ehrenbezeugungen stattfand. Die Trauerrede hielt Feldrabbiner Dr. H a u s ll e r. Im Felde, 10. Mai 1916. Löbliche Redaktioll! Ich ivar tticht iveuig überrascht, als mir vergallgelieit Freitagnachmittag unser Ehefarzt sagte, ich möge mich abends im Tempel cinfiuben. Damit sagte er mir auch den betreffenden Ort. Abends fand ich mich pünktlich eilt und sah in einem ziemlich großen Zimmer ca. 25 Personell jeden militärischen Standes versammelt. Gegen Misrach lvar ein kleines Oraunhakodesch auf einen Tisch gestellt. Die Bundestage aus Holz, herrliche Schnitz arbeit darauf, ein Vorhang aus Seide. Anch das Sefer hatte eilt Manterl aus blauem Atlas bekommen. An beit Wänden rings im Zimmer Bänke, in der Mitte ein Tisch, flankiert, von zwei Holzkandelabern. Der Vorbeter erhielt einen „Ständer", der Rabbi einelt „Sitz", beides herrliche, kunstvolle ultd mühsame Tischlerarbeit. Der ganze Raum lvar voit vielen Kerzen großartig beleuchtet. Der (Gottesdienst findet hier, auf denk Hilfsplatz des 4. Honvedsregiments, jeden Freitagabend lind Samstagvormittag iit Anwesenheit unseres Feldrabbiners Moses Schwarz nach streng orthodorem RitnS statt. Der Schöpfer dieser Idee und auch der ganze Organisator lvar unser allseits geliebter und verehrter Chefarzt, Herr Dr. Mono Klein, dem viele unter uns vor Rührung ob dieser Aufmerksamkeit kaujm danken konnten. Auch ich nmß es erst jetzt und erst hier nachholen." Für die Veröffentlichung bestells dankend, bin ich Ihr stets ergebelier Samuel Bandler. Jüdische Soldaten. Herr Elias Hausmann aus Przemysl, dessen älterer Sohn Alois längere Zeit auf dem nördlichen Kriegsschauplätze tapfer gekämpft, mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde _ und gegenwärtig schwerverwundet int Wiener Garnisonsspital darniederliegt, erhielt von seinem jüngeren 18 jährigen Sohn Benedikt, der dieser Tage eingerückt ist, folgende Postkarte: Meine Teuersten! Soeben sind mit einwaggoniert worden, wo wir hinkonrmen, lvissen wir nicht. Ich gehe froh und mutig ins Feld. Sehe alle (Gefahren voraus, diese aber jagen uns keine Angst eilt, denn es heißt „für Kaiser und Vaterland". Also lebet wohl, denket an mich und ich hoffe, daß Euer Segen mich auf dem Wege begleiten wird. Die Adresse weiß ich noch nicht. Von der Reise schreibe ich wieder. Euch küßt Euer Benedikt.