Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mr. 20 Jahrgang XXXIII Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ifnteressen des Audentums. Off O -- "~~0 o K. ft. Postfxsrftassenaml C Cleartng*l!)erüebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wir» ' II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359nP — - .- -Oo Wien, 19. Mai 1916 OG= DO Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Dsxugspreis für Vestrrrrirlz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gefpal» tene Petitzeile 48 Heller. O P . —OÖ Inhalt: Leitartikel: Die amerikanischen Inden während der deutsch-amerikanischen Krise. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Doppelt ausgezeichnet. — Belobende Anerkennung des Armeekommandos. — Weitere Auszeichnungen. — Geschenk des Kaisers. — Sechs Tage verwundet hinter der feindlichen Schwarmlinie. — Neuerliche Kriegsauszeichnung des llniv.-Dozenten Dr. Spät. — Beförderungen. — — Im Dienste des Vaterlandes — Bor dem Feinde gefallen. — Opfer des Krieges. — Jüdische Soldaten. — Verzeichnis der in Festungsspitülern der Stadt Przemysl verstorbenen und gefallenen jüdischen Offiziere und Soldaten. — ^Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Wilhelm Frankl. — Alfred Dreyfus' Sohn. — Beteiligung der Juden an der Maifeier in Warschau. — Ein mannhaftes Wort. — Künstliche Oelgewinnung ui einem rabbinischen Werke. — Korrespondenzen: Kriegsspitalshilfe für Palästina. — Dr. Arthur Mahler. — Änitta Müllers Flüchtlingsfnrsorge. — Die Familiennamen der Juden Gal ziens. — Jahrestag der Schlacht bei Gvrliee. — Das jüdische Rettungs komitee für Galizien beim neuen Statthalter. — Zurücksetzung galizischer Rabbiner seitens einiger Knltusvorstände. — Salgatarjan. — Das zweite Pessachfest im Felde. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Tragödie dreier Brüder. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Danksagung. — Inserate. Die amerikanischen Juden während der deulsch-amerikanischeu Krise. Aus Kopenhageu erhalten mir den folgenden interessanten Bericht: In allen jüdischen Kreisen der Bereinigten Staaten herrscht, lvie aus herübergelangten Stimmungsberichten zu ersehen ist, ehrliche, offene Genugtuung darüber, daß es zwischen den Zentralmüchten und Amerika zu keinem Bruche gekommen ist. Die amerikanischen Judchl hätten es als ein ganz besonderes Unglück angesehen, wenp Amerika dazu gedrängt worden, wäre, in diesem Weltkriege an der Seite jener Mächtegruppe in den Kampf zu ziehen, in welcher Rußland den Hauptfaktor bildet. Sie mußten zu genau, wieviel von der Freundschaft Rußlands für Amerika zu errvarten fei und ließen sich auch darüber nicht täuschen, daß der Zar irnd seine Ratgeber selbst die bündigsten Versprechungen be4 zuglich der Erleichterung des Schicksals der von den Moskowitern bedrückten Völker uneingelöst lassen würde, gleichgiltig, ob Rußland in diesem sWettenringen siegt oder unterliegt. Die geschäftigen Agenten der Entente wurden seit Ausübung des Krieges nicht müde, der öffentlichen Meinung in Amerika einzureden, daß zwischen Rußland und Amerika „ein historisches Freundschaftsverhältnis" bestehe. Auf solche Weise sollten die Juden Amerikas gezwungen werden, aus patriotischen Gründen den Widerstand gegen den so sthön ausgeheckten Konflikt mit den Zentralmächten aufzugeben und ganz besonders sich zu einer finanziellen Unterstützung des wirtschaftlich so arg bedrängten Rußland bereit zu geigen. Die maßgebenden und einflußreichen jüdischen Kreise in den Vereinigten Staaten, ganz besonders aber die großen Finanzkreise, blieben unerschütterlich auf ihren Standpunkt bestehen, und es darf wohl gesagt werden, daß die unverrückbare Haltung dieser Kreise einen großeir Anteil durair hatte, daß das bis aufs äußerste gespannte Verhältnis zwischen Amerika und Deutschland nicht vollends und nicht schon früher entzweigerissen wurde. Als vor wenigen Wochen die russischen Unterhändler in Amerika alle Anstrengungen machten, durch Abschluß einer großen Anleihe Rußland aus feinen finanziellen' Nöten zu erlösen, da waren es vornehmlich die jüdischen Finanziers mit Jakob H. Schiff an der Spitze, welche es als eine unmoralische Handlung bezeichneten. daß das freie Amerika den völkerbedrückenden Zar die fiyranziellen Mittel zur Vergrößerung feines Machtgebietes zur 'Verfügung stelle. Um diese Zeit erschien auch hn den großen Newyorker Blättern ein Aufsatz des auch in Europa bekauuteu Publizisten Hermauu Bern ft e i n, in ivelchem! die Legende von der historischen Freundschaft Rußlands für Amerika völlig zerstört wird. In dijesem Aufsätze wird u. a. ausgeführt: Der eindriugliche Appell Jakob H. Schiffs, mit ivelchem er die amerikanischen Bankfers dringendst davor warnt, an der angesprocheneit russischen Anleihe teilzuuehmen, hat in gewichtigen Kreisen das alte, längst verblaßte Mythos von der historischen Freundschaft Rußlands für die amerikanischen Staaten zu neuem Leben erweckt. Seltsamerweise wird diese Legende von Zeit zu Zeit neuerlich ausgegraben, insbesondere aber, so oft die tyrannischen russischen Regierungsmethoden in Amerika entlarvt werden. Vor einigen Jahren wies Oscar Straus, ehemaliger Botschafter in der Türkei und angesehenes Mitglied im Kabinett Roosevelt, in einem ausführlichen Artikel in der „North American! Review", betitelt „Tie amerikanischen Staaten in Rußland", unwiderlegbar nach, daß Rußlands historische Freundschaft für die amerikanischen Staaten in das Reich der Mythen gehöre. Nach Darlegung seines auf amtlichen Dokumenten begründeten Materials führte Mr. Straus folgen des aus: „Ich habe mich bemüht, kurz das Ergebnis der sorgfältigen Prüfung aller ^erreichbaren authentischen und