Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 19 (12.5.1916)
- Date
- 1916-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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serte 814 Tr. BLoch's Wochenschrift Rr. 19 dings keinem vernünftigen Menschen beifallen, im Namen der steuerlichen Gerechtigkeit vorzuschlagen, daß unsere 'Zukünftige Neuordnung der Reichisfinanzen mit der Konfiskation von 10 Prozent des Vermögens der besitzenden Klassen zugunsten des Reiches anheben möge. Eine derartige Maßnahme müßte schön im Hinblick auf die Gefahr einer wesentlichen Schwächung der Arbeitsfreudigkeit und des Unternehmungsgeistes des einzelnen Staatsbürgers aus innerpolitischen und psychologischen Gründen die schwersten Bedenken Hervorrufen. Es kann keine Rede davon sein, daß das Reich' seinen Bürgern derartig schwere, in die Privatwirtschaft tief eingreifende Abgaben nach dem Friedensschluß etwa zu dem Zwecke ansinnen darf, um unsere Munitionsoorräte zu ergänzen und neue Kanonen zu gießen. Auch zur Bestreitung kultureller und wissenschaftlicher Zwecke dürften sich solche erheblichen Steuerleistungen schwerlich rechtfertigen lassen, weil der Einwand nicht von der Hand zu weisen ist, daß die Lösung derartiger Aufgaben im Hinblick auf unsere Finanzlage besser auf künftige Perioden wirtschaftlichen Ausstiegs vertagt werden sollte. Ganz anders liegt aber die Sache, wenn der Staat solche Abgaben beansprucht, um den Dank jenen abzustatten, die mit Leib und Leben das gemeinsame Vaterland vor dem Untergänge bewahrten, wenn er mit einer solchen Kriegssteuer jener sitt-i lichen Pflicht Geltung und Anerkennung verschaffen will, die uns hinsichtlich der Fürsorge für unsere invalide gewordenen Krieger und für die Hinterbliebenen der auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden obliegt. Diese Art von Kriegsschäden nach Tunlichkeit durch werktätige Charitas im Rahmen eines großzügigen Liebeswerkes zu mildern und zu lindern, ist eine dringliche, nicht allein der Privatwohltätigkeit zu überlassende, sondern im Rahmen staatlicher Organisation zu lösende sittliche Pflicht des Reiches, deren Erfüllung nicht einer fernen Zukunft überantwortet werden darf, die sich den Kopf darüber zerbrechen möge, durch welche neuen Steuern und Anleihen die an das Reich herantretenden umfangreichen Ausgaben der Kriegsinvalidenfürsorge wiederum gedeckt werden. Sie obliegt vielmehr dem jetzigen Geschlechte, das dieses riesenhafteste aller Ringen der Weltgeschichte miterlebte und zu dessen Verteidigung die Gefallenen, Verletzten und Verstümmelten ihr Leben und ihre Gesundheit geopfert haben. Nicht zum Zwecke einer neuen „Wehrvorlage" sollten jetzt dem „Racker Staat" neue Millionen zur Verfügung gestellt werden; die Kriegssteuer des Besitzes soll für die Krüppel und Blinden, die im Donner der Schlachten erwerbsunfähig geworden, soll für die Witwen und Waisen, deren Männer und Väter den Tod für das Vaterland erlitten, am Schlüsse des Krieges vorn Staate eingehoben und getrennt von den übrigen Etatsposten des Reichshaushaltes verwaltet und verwendet werden. Tie Absonderung eines derartigen „Zehnten" von den materiellen Glücksgütern unserer wohlhabenden Klassen bedeutet vom sittlichen wie vom sozialpolitischen Standpunkt aus die ethischste Steuerleistung, die je ein Staat von seinen Pflichtigen eingefordert, um sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen; denn sie bedeutet nur die Abtragung einer Ehrenpflicht und einer Dankesschuld an diejenigen, die der Krieg ernährerlos oder arbeitsunfähig gemacht hat und die der Staat mit Recht all jenen auserlegt, die ihren Besitz ganz oder zum größeren Teile aus den Stürmen und Erschütterungen des Völkerringens in die Friedenszeit gerettet haben." Im zweiten Teile des Artikels werden dann die Einzelheiten des Vorschlages entwickelt, die sich der Erörterung an dieser Stelle entziehen. „Oesterreichisch-Israetitifche Union?* Am 29. April fand im Saale des „Hotel Guth" die 30. ordentliche Generalversammlung der „Oesterr.- Jsrael. Union" statt, an welcher u. a. die Herren Kultus- Vorsteher S. Brod, Hofrat D-r. Löwner, Heinrich Men dl und Dr. S. S arttu ely teilnahmen. Vizepräsident Dr. Ornstein begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten und gab dem Bedauern Ausdruck, daß Herr Präsident kaiserl. Rat Wilhelm Annin ger infolge seines Gesundheitszustandes nicht in der Lage sei, die Versammlung zu leiten. Der Vorsitzende motivierte sodann den Ausfall der vorjährigen Generalversammlung mit der nervösen Spannung, welche die damalige Kriegslage in der gesamten Bevölkerung erregt hatte und gab der innigen Freude darüber Ausdruck, daß nunmehr die tapferen Heere Oesterreich-Ungarns, im Vereine mit ihren Bundesgenossen' auf allen Fronten den Sieg an ihre Fahnen geheftet haben. Wir dürfen heute die bestimmte Zuversicht hegen, daß diesex Sieg ein dauernder bleiben und zu einem' ehrenvollen Frieden führen werde. Hierauf erstattete Sekretär Siegfried Fl eis cher den nachfolgenden Rechenschaftsbericht: „Geehrte Generalversammlung! In schicksalsschwerer Zeit erstatten wir heute Bericht über eine zweijährige Tätigkeitsperiode. Lassen Sie uns an die Spitze dieses Berichtes vor allem den Satz stellen, daß die jüdische Bevölkerung der Monarchie in diesem furchtbarsten und blutigsten aller Kriege voll und ganz ihre hatriotische Pflicht erfüllt hat. Im vollen Bewußtsein der ungeheuren Bedeutung des uns freventlich aufgpzwungenen Kampfes' für den Bestand und die Zürnst des Reiches haben unsere Söhne und Brüder, im weiteren Verlaufe auch die Gatten und Väter dem Rufe des Kaisers zu den Fahnen Folge geleistet und die zurückgebliebenen jüdischen Männer und Frauen in Werken der Nächstenliebe und Barmherzigkeit, in der Aufbringung der gewaltigen Kriegskosten und in der Erleichterung der Kriegslasten gewetteifert. Daß unsere Blutopfer nicht geringere sind clls jene unserer andersgläubigen Mitbürger, erweisen die Amtlichen Verlustlisten. Daß die jüdischen Soldaten an Heldenmut und Todesverachtung hinter ihren christlichen 'Kameraden nicht zurückstehen, bekunden nicht nur die Auszeichnungen, die sie sich vor dem Feinde holten, sondern auch die öffentlichen Belobungen, welche zu wiederholten Malen von hohen und höchsten Stellen ihrer Tapferkeit gezollt wurden. In den Sammlungen des Roten Kreuzes, der Kriegsfürsorge, des Witwen- und Waisensonds und aller anderen Hilfsaktionen für die Opfer des Krieges nehmen die Juden einen ihr prozentuelles Verhältnis zur Gesamtbevölkerung weitaus überragenden Platz ein. Die „Oesterreichisch- Jsraelitische Union" hat es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben erachtet, über die Anteilnahme der Juden am Kriege Mit Gut und Blut vom Tage des Kriegsausbruches! an genaue Nachweise 'zu führen, uM etwaigen späteren Anfeindungen und Verleumdungen, die übrigens trotz dem sogenannten Burgfrieden sich! auch schon in letzter Zeit hervorgewagt haben, mit der überzeugenden Kraft der Tatsachen und Ziffern entgegentreten zu können. Diese Anteilnahme ist jedoch mit den bisherigen Anführungen nicht erschöpft. Der soziale Sinn der Juden war von jeher stark entwickelt und er hat im Laufe der Kriegsereignisse eine schwere 'Belastungsprobe glänzend bestanden. Als sich infolge der russischen Invasion eine ungeheure Flutwelle jüdischer Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina nach Wien und Niederösterreich, nach Mähren und Böhmen ergoß, traten an die jüdische Gesellschaft Westösterreichs Pflichten werktätiger Nächsten-