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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-05-05 · 18 (5.5.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 300 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 18 Mitteilung au den Vorstand, betreffend die Ernennung des Herrn Tr. Markus Spitzer zum Mitgliede des n.-ö. Landesschulrates; Dankschreiben des Herrn k. u. k. Oberarzt Dr. Anton Lieb c n für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich der ihn: verliehenen allerhöchsten Auszeichnung (goldenes Verdienstkreuz mit der Krone am Baude der Tapferkeitsmedaille). Dankschreiben des Herrn Wilhelm K u f f n e r für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages; Dankschreiben des Ehepaares Adolf Sachs für die ihnen anläßlich ihrer goldenen Hochzeit seitens des tusvorstandes erwiesene Ehrung; Dankschreiben des Herrn Direktor Dr. Paul H a arme rsch lag .für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens seiner Mutter, Frau Betty Hamm e r s d} l a g. Im Präsidialbericht teilt der Präsident mit, daß das Spital der Kultusgemeinde (Rothschildstiftung), welches derzeit zum größten Teile als Referoespital Nr. 8 des Patriot. Hilfsöereines vom Roten Kreuz für Militärpersonen in Verwendung steht, am 15. März l. I. durch den Besuch Ihrer kaiserl. Hoheit Frau Erzherzogin Marie Valerie ausgezeichnet wurde, welche sich nach mehr als eineinhalbstündiger Besichtigung der Anstalt in der anerkennendsten Weise über die Einrichtungen des Spitales ausgesprochen hat. Uebcr Einladung Sr. Exzellenz des Herrn Bürgermeisters Tr. Richard Weiskirchner wird beschlossen, der von demselben eingeleiteten Aktion für den Wieder^ aufbau der Stadt Ortelsburg in Ostpreußen mit einem! Stifterbeitrage von 1000 Kronen beizutreten. An Stelle des zum Mitgliede des k. k. n.-ö. Landesschulrates ernannten Herrn Vertreters Dr. Markus Spitzer wird Herr Vertreter Dr. Wilhelm Pappenheim als Mitglied des Bezirksschulrates in Vorschlag gebracht. Die von den betreffenden Vereinsvorständen erfolgte Wahl der Frau Direktor Carl Fleischmann in den Vorstand des Israel. Frauenvereines, des Herrn Jakob T r e b i t s ch In den Vorstand der Chewra-Kadischa, der Herren Direktor Wilhelm Kux und k. k. Kommerzialrat S. Rosenzweig in den Vorstand der Armenanstalt wird genehmigend zur Kenntnis genommen. Der Präsident bringt folgendes an ihn gelangtes Schreiben des Herrn Rabbiner Dr. Nobel zur Verlesung: Frankfurt a. M., 30. März 1916. Euer Hochwohlgeboren werden im Besitze meines Telegrammes sein, das ich von Berlin aus an Sie zu richten nur erlaubt habe. Sogleich nach meiner Rückkunft aus Wien wurde mir hier eine Adresse überreicht, die von den liberalen und konservativen Führern der Gemeinde, vom gesamten Vorstände und Repräsentantenkollegium, von der gesamten „B'ne B'rith"-Loge unterzeichnet und außerdem von 1300 Unterschriften bedeckt war. Die Gemeinde bietet mir Garantien dafür, daß ich, wie bisher schon de facto, so fort-« an auch de jure, eilt Oberrabbinat bekleiden werde, ohne den Titel eines Oberrabbiners zu führen. Die einmütige Erklärung meiner Gemeinde gipfelt darin, daß sie in meinem Weggange einen unersetzlichen Verlust sehen würde nicht nur für Frankfurt a. M., sondern für die Sache der Einheit des deutschen Judentums gegenüber den Separationsbestrebungen von rechts und links. Dies hübe ich mit göttlicher Hilfe durch eine friedliche, im Sinne der Milde und Versöhnlichkeit geübte fünfjährige Tätigkeit erreicht. Demgegenüber stehen die schweren Kämpfe, die für michin Wien Zweifellos in Aussicht sein würden. Und nicht nur mir, sondern auch Ihnen, Herr Präsident, und der ganzen Verwaltung der Gemeinde. Ich bin keine 'Kanipfnatur, sondern bin empfindlicher, als es einem zukommt, der bereits seit zwanzig Jahren in öffentlicher Stellung steht. Aus all diesen Gründen bitte ich ergebenst, von meiner Berufung nach Wien abzusehen und mich auf dem friedlichen und bedeutenden Posten zu belassen, den mir die Vorsehung angewiesen hat. Ich muß es ausdrücklich aussprechen, daß mir die Absage sehrschwer fällt. Man spricht vergebens viel, um zu versagen — der Andere hört von allem nur das Nein, so sagt der Dichter der Deutschen. Aber dies trifft doch bei so hervorragenden Persönlichkeiten, wie bei Ihnen, Herr- Präsiden t, nicht zu. Ihnen ist Weisheit und Menschenkenntnis verliehen. Sie werden einen Blick in meine Seele getan haben, in ihr Kämpfen und Ringer: die Monate hindurch, während derer die bedeutsame Angelegenheit schwebte. Ich hoffe, Sie haben erkannt, daß Sie keinen: Unwürdigen Ihr so großes, ehrenvolles Vertrauen geschenkt Haben. Hochgeehrter Herr Präsident, Sie sind für mich geadelt durch Ihr begnadetes Alter, durch Ihre begnadete Stellung. Ich! Muß Sie bitten, vergessen Sie mich. Aber vergessen Sie mich nicht ganz, sondern gedenken Sie meiner, als eines Mannes, der in tiefer Verehrung und Dankbarkeit mit Ihnen verbunden ist. Gott erleuchte Ihre Augen, daß Sie den richtigen Mann finden. In bekannter Gesinnung Der Ihrige Autor: Nobel, ui. p. Der Präsident knüpft daran den Ausdruck lebhaftesten Bedauerns, daß Rabbiner Dr. Nobel sich zu dieser Absage veranlaßt fand, da nach seiner vollsten Ueberzeugung die Gemeinde an Herrn Rabbiner Dr. Nobel eine hervorragende Kraft gewonnen hätte. Die gleiche Ueberzeugung wurde auch in jenen Herren des Vorstandes her-' vorgerufen, welche Gelegenheit hatten, Herrn Dr. R o b e l in längerer Aussprache kennenzulernen, ein Eindruck, der im übrigere schon aus Zuschriftei: kompetentester Persönlichkeiten, wie z. B. Geh. Rat Hermann Cohen, Prof. Dr. Brann, Dr. Adler, Direktor des Philanthropins in Frankfurt a. M., gewonnen werden mußte. Auf die Vorgänge in Wien, welche Herrn Rabbiner Dr. Nobel nicht in letzter Linie zu seinem Entschlüsse bewogen, wolle der Präsident derzeit nicht tveiter eingehen. Nur einer von mancher Seite geäußerten Meinung wolle er entschieden entgegentreten: daß die Berufung einer hervorragenden, auswärtigen Kraft nach Wien als eine Zurücksetzung der in Wien wirkender: und sich voller Anerkennung erfreuenden Rabbiner gedeutet werden könne. Zum Schluffe bemerkt der Präsident, daß die Ausführungen des Herrn ^Dr- Nobel in feinen: Briefe, hinsichtlich der von der Frankfurter Gemeinde an ihn gerichteten Adresse sowohl in Frankfurter Zeitungsberichten, sowie in Privätfchreiben aus Frankfurt ihre Bestätigung fanden, die auch die besonderen Ehrungen erwähnen, welche Dr. Nobel anläßlich seines Verbleibens in Frankfurt a. M. bezeigt wurden. Rituelle V e r k ö st i g u n g jüdischer S o l d a t e n. Auf verschiedene Anfragen wird mitgeteilt, daß das k. u. k. Kriegsministeriunh Abt. XII, bezüglich der ritueller: Kost für die israel. Manirschaftspersonen mit den Erlässen Nr. 113,483/15 vom 5. Januar '1916 und Nr. 31,340 vom April 1916 folgendes verfügt 'hat: „Den Soldaten israel. Glaubens ist nach Möglichkeit die rituelle Kost durch Köche ihrer Konfession, namentlich bei jenen Unterabteilungen zubereiten Zu lassen, bei welchen ein größerer Prozentsatz dieser Mannschaft verhanden ist. Das Zutragen rituell Zubereiteter Kost wird nicht ge-

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