Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 298 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 18 Es ist erfreulich, daß gerade in dieser ernsten Zeit so viele jüdische Berkehrsbeamte, auf militärisch besonders wichtigen Posten gestellt, voll und ganz ihren Mann gestellt haben. B. Auszeichnungen non WanKfunKtionären. Der Kaiser hat anläßlich hervorragender Verdienste bei der Begebung der Kriegsanleihe sowie im Zusammenhang mit anderen wichtigen finanzpolitischen Transaktionen eine Reihe voir Auszeichnungen an Bankfunktionäre verliehen, darunter die folgenden: Dem Präsidenten der Anglo-Bank, Universitätsprofessor Dr. Julius Landesberger, wurde der Adelsstand verliehen; das Komturkreuz des Franz Josef-Ordens erhielten: Direktor PH. Broch, Direktor W. Kux, Di-' rektor Max. Kraus, Einzelprokurist des Bankhauses Rothschild Max Kantor; Direktor Siegmund Löwy von der Kreditanstalt; Direktor Alfred Heins Heime r vom Wiener Bankverein; den Stern zum Komturkreuz des Franz Josef-Ordens erhielt Direktor Emanuel R a umann von der Kreditanstalt; das Offizierskreuz des Franz Josef-Ordens erhielten: Direktor Ernst Lemib e r g e r von der Lombard- und Eskompte-Bank, Bankier Julius Schwarz, Direktor Heinrich Steinbach vom „Mercur" und Direktor Gustav Korn e r von der Anglo- Bank; das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens erhielt Direktor-Stellvertreter des Wiener Bankvereines Jakob T u r n a u e r. Auf dem Ielde der Ehre gefallen. Der achtzehnjährige Talmudjünger Mordechai Zwi Steiner, einziger Sohn eines Bürgers in Bonyhad (Ungarn), der die Talmudschulen Tapolcsany, Galanta u. a. frequentiert hat, ist im Februar d. I. eingerückt und am.xrsten Sederabend durch einen Kopfschuß auf dem italienischen Kriegsschauplatz gefallen. Ein Kamerad meldet, er war bei der Beerdigung, fand bei chm in feiner Tasche das Psalmbuch, ein Stückchen Mazzoth und etwas Fleisch, beides eine Sendung von zu Hause, da er die ganze Dienstzeit rituell verbotene Speisen nicht genossen hat. Den pp JV^E hat er int Grabe behalten. Uach dem Fode dekoriert. Der Kaiser hat dem vor dem Feinde gefallenen Leutnant d. R. Oswald Wien, Ldw.-J.-R., für tapferes Verhalten das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Der wegen feiner vornehmen Charaktereigenschaften von Vorgesetzten, Kameraden und Untergebenen gleichgeliebte, von glühenden: Patriotismus erfüllte Offizier bekleidete in Friedenszeit eine angesehene Stellung als kaufmännischer Direktor einer Industrie- Unternehmung in Leipzig. Kin heldenmütiger Kanonier. Eugen F o d o r, der tapfere Soldat des Feldartillerieregimentes Nr. 16, hat noch im September 1914 in der Schlacht bei Tomaszow den Heldentod gefunden. Seine tiefgebeugten Eltern wurden, wie „Egyenlöseg" berichtet, durch! das folgende ergreifende Schreiben von seinem Tode amtlich in Kenntnis gesetzt: K. u. r. Feldkanonen-Regiment Nr. 16, Batt. 1. Geehrte Frau, geehrter Herr F o d o r! Es gibt wohl leinen größeren Schmerz, der Ellern widerfahren kann, als ihr heißgeliebtes Kind zu verlieren, und doch findet dieser bittere Schmerz Linderung in dem Bewußtsein, daß das teure Kind in treuer Pflichterfüllung als Held aus dem Leben geschieden ist. Und ein Held war Ihr Sohn Eugen. Im schweren Artilleriefeuer, im heftigsten Jnfanteriefeuer, in der Zeit der furchtbaren Kämpfe von Tomaszow und Magierow, stand er unentwegt seine Pflicht erfüllend, seinem Batteriekominandanten zur Seite, und als am 8. September 1914 der ganze Batteriestab durch feindliches Artillerieseuer zerschlagen wurde/ war dieser Held der erste, der sein Leben lassen mußte — noch im Tode ein Lächeln aus den Lippen. Sie, wertes Elternpaar, seien Sie ebenso stolz auf Ihren Sohn, wie die Batterie stolz auf diesen Helden ist, den Seine Majestät für tapferes, heldenhaftes Verhalten mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet hatte. Eduard K u., Hauptinann, Batteriekommaiidant. Eine Aeldpoftkarte an die Wedaktion der „Hefterreichifchen Wochenschrift". Den Seder und das Osterfest feiern die 48- bis 51 jährigen Landsturmmänner des Infanterieregimentes in Wladimir Wolinsky in Wolhynien (Rußland) vom 4. A.-O.-K.-Etappengebiet und begrüßen alle Wiener lind Oesterreich-Ungarn gleichen Glaubens. Eifriger Leser Josef De titsch aus Budapest: W. D u s ch i tt s k y, R. B l a u, Gersthof und Floridsdorf; I. Falk, I. Benedek, L. Hecht, Abonnent Beimdikt Grün, Wien; Satrdor Kohn, Pozsony; Jgnacz B r u ck, Budapest; Josef Wert h e i m e r, Wien; Gyula Horetzky, Szentgyörgy; I. Ehrenthal, Leopold Lilienthal, Wien (Preßburg); Moricz Reichsfeld, Wien; Isidor Wese l, Wien; Alexander Frankl, Gersthof (Wien, 18. Bez.); Juda Braun, Debreczen. Ans einem Ieldpostvrief. „Auf freiem Felde war ein großes Zelt aufgeschlagen, in dessen Mitte ein langer, gedeckter Tisch stand, ringsherum Bänke. Gegen Misrach stand auf einem Tischchen das Orenhakodesch, darinnen ein Sefa. Montagabend, den 17. April, versammelten sich über Einladung sämtliche dienstfreien Offiziere, an der Spitze zwei Majore. Von den Mannschaften waren zirka 200 Mann erschienen. Ein Infanterist sang mit schöner Tenorstimme nach alter ritueller Weise das ( Mariw-Eebet. Unser Feldrabbiner erteilte hierauf den Seder. Wer beschreibt jedoch unsere Ueberraschung, als ein Feldwebel der Division gerade rechtzeitig beim Rabbi mit der Meldung erschien,' das Essen sei fertig. Wir wußten nämlich nicht, daß wir hier ausgespeist werden. Jetzt teilte uns der Feldrabbi mit, daß ein ganz neuer Küchenwagen mit vollständig neuen Geräten, Geschirr rc. gekommen sei und daß unter strengster Aufsicht mit ganz separaten Zubehören und streng koscher gemachtem Fleisch alle acht Tage gekocht wird. Wir erhielten neue Menageschalen und neues Besteck. Das Essen war geradezu vorzüglich, ebenso der Pessach-Wein. Nach dem Essen wurde der Seder fortgesetzt und beendigt. Die Feier dauerte zirka •21/2 Stunden. Am letzten Tage wird eine große Maskir-Andacht abgehalten, bei der alle dienstfreien Mannschaften der Division erscheinen werden. Nicht unerwähnt will ich lassen, daß ein russischer Gefangener herrlich „leiente" und oberwähnter Infanterist in herzerhebender Weise alle Gebete verrichtete. Es erhielt auch jeder Mann der ganzen Division 2 Kilogramni Mazzoth. Daß wir so genau Pessach halten konnten, ist das ausschließliche Verdienst unseres Feldrabbiners Moses Schwarz, dem hier an dieser Stelle von Allen durch mich nochmals herzlichst gedankt sei." Lifte der vom 15. März bis 15. April in Wien beerdigten Hffiziere und Mannschaften. Beerdigt: 9. März 1916: Leo Deutsch, Kadett des Infanterie-Regiments Nr. 99. 20. März 1916: Sindel Steig mann, Infanterist des Landsturm-Regimentes Nr. 39. Friedrich Schweiger, Fähnrich. 23. März 1916: Adolf Eisenstein, Korporal des Landsturm- Bez.-Kommandos Nr. 20. 24. März 1916: Eduard W e i n m a n n, Infanterist des 1. Landfturm-Bez.-Kommandos. Alfred Steffan-Straffer. 30. März 1916: Hermann W e i n st e i n, Infanterist des Landsturm-Regimentes Nr^ 21, k. k. gem. Zentralnachweisbureau. Zensurabteilung, 1. Bez., Tuchlauben 8. 3. April 1916: Alfred Orgel, Infanterist. 4. April 1916: Joses Scherr, Infanterist des Landwehr-Jnfanterie-Regimentes Nr. 19. 9. April 1916: Leo Warberger, Infanterist des 3. Infanterie-Regimentes.