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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-04-28 · 17 (28.4.1916) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 282 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 17 Zur Wirtschastsgebarung bemerkt Redner: „Vorausgesetzt, daß nicht besondere, die Mittel unserer Kultusgemeinde besonders in Anspruch nehmende Ereignisse eintreten, das Defizit nicht die Höhe erreichen dürfte, welche das Budget angenommen. Zu dieser Behauptung berechtigt die Tatsache, daß bis heute bereits nahezu lx/4 Millionen an Kullussteuern eingegangen sind. Die Erklärung liegt einfach darin, daß im ersten Quartal bereits ein namhafter Teil der Steuer, welche einzelnen Steuerzensiten auf Grund erhöhter Einnahmen vom Kriegsjahrc oorgeschrieben wurde, eingegangen sind und es ist hervorzuheben,, daß in den weitaus meisten Fällen bisher diese .Erhöhungen anstandslos gezahlt wurden. Und es ist ein Verdienst unseres Steueramtes und dessen Leiter, Herrn Mautner, daß die schwierige Abwicklung der Steuerangelegenheiten mit verringerten Arbeitskräften in dieser Weise bisher erfolgt ist, wofür ihm und seinen Mitarbeitern Dank zu sagen ist. Wenn ich mich bezüglich des zu erwartenden Ergebnisses in der wirtschaftlichen Gebarung des lausenden Jahres reserviert geäußert habe, so ist hierfür die Erfahrung aus der jüngsten Zeit maßgebend, welche wir gemacht haben gelegentlich der Versorgung unserer Glaubensgenossen mit Mazzoth. Daß wir Heuer ebenso wie im Vorjahre bedeutenden Ansprüchen werden Rechnung tragen müssen, darauf waren wir vorbereitet, mußten es auch auf Grund der vorjährigen Erfahrungen sein. Nicht vorbereitet aber waren wir auf die Dimensionen, welche diese Angelegenheit für die Gemeinde angenommen hat. Von allen Seiten, von den entferntesten Plätzen des Reiches, von den Zivil- und militärischen Behörden ist an unsere Gemeinde wegen Beschaffung von Mazzoth herangetreten worden, und wenn wir auch selbstverständlich nicht allen Ansprüchen, insbesondere nicht, was die geforderten Mengen betrifft, entsprechen konnten, so wird doch diese Angelegenheit für unsere Gemeinde mit einem derzeit noch nicht berechenbaren, aber jedenfalls ziemlich bedeutenden Au,wände verbunden sein. Ich will nur ein Moment hervorheben. Wir haben mit dem Verein „Einheit" die Verköstigung der jüdischen Soldaten der "Wiener Garnison für die Ofterseiertage übernommen und müssen hiezu mehr leisten, als dies seitens des Staates geschieht. Während letzterer per Kopf und Tag Kr. 1.60 für diese Verköstigung beisteuert, geben wir Kr. 2.— und da hiemit der Bedarf nicht gedeckt ist, so wird der Fehlbetrag vom Verein „Einheit" beigesteuert, der überdies die hiemit verbundenen außerordentlichen Arbeiten auf sich genommen hat. Ich möchte bei diesem Anlasse folgendes bemerken: Es handelt sich in diesem Falle um Ansprüche, denen sich unsere Gemeinde nicht entziehen kann und mag. Als erste Gemeinde im Staate hat sie eben besondere Pflichten und Lasten und muß sich in derartigen Fällen umsomehr für die Gesamtheit einsetzen, weil die geplante Gesamtorganisation, für deren Zustandekommen sich unser verehrter Herr Präsident mit besonderem Eifer eingesetzt hat, derzeit noch nicht zustande gekommen ist. Ich kann diesen Punkt nicht verlassen, ohne der außerordentlich mühevollen Arbeiten, Interventionen bei verschiedenen Behörden und Aemtern hervorzuheben, welche die Ordnung dieser Angelegenheit im Gefolge hatte, und ich erachte es als ineine Pflicht, hervorzuheben, daß sich auch in diesem Falle sowie in allen anderen, unser Bureau, in erster Reihe die Herren int Sekretariate, in intensiver Betätigung bemüht haben und hiebei in tatkräftiger Weise von unserem geehrten Vorstandsmitgliede G r ü n w a l d unterstützt wurde, der seine Kenntnisse und reichen Erfahrungen in den -Dienst der Sache stellte und seit Monaten nahezu seine ganze Tätigkeit der Erledigung dieser schweren Frage gewidmet hat. Hervorzuheben ist auch die in dieser Angelegenheit aufgewandte Amtstätigkeit und gedeihliche Mitarbeit uizseres Beamten Herrn Jakob Kraus, welche dankend anzuerkennen sind. Ueberhaupt kann der Eifer und die erfolgreiche Tätigkeit unserer Beamten, ihr Fleiß und ihre Ausdauer, ihr Opferwille und ihre ununterbrochene Arbeitslust während der Kriegszeit nicht genug betont werden. Wir hätten unmöglich in dieser hartbedrängten Zeit den schweren und wichtigen Aufgaben unserer Gemeinde entsprechen können, wenn nicht unsere Beamtenschaft mit seltener Liebe zur Arbeit und aufopfernder Tätigkeit alles daran gesetzt hatte, damit keine Störung in der Abwicklung der Agenden eintritt. Und das Verdienst derselben ist umso größer, als bekanntermaßen ein bedeutender Teil unserer Beamtenschaft eingerückt ist und ein Ersatz für dieselben nicht stattgefunden hat. Hiefür gebührt allen unseren Beamten Anerkennung und bester Dank und halte ich mich für berechtigt, diesen Dank denselben auszusprechen. Indem ich schließlich noch dem Herrn Oberbuchhalter Ruff und seinem Assistenten Herrn Schäfer für die Unterstützung bei der Ausarbeitung meines Referates meinen Dank ausspreche, schließe ich mit dem Anträge, den Rechnungsausweis zu genehmigen." Der Vorsitzende spricht dem Referenten für sein ausführliches, übersichtliches und lehrreiches Referat unter lebhafter Zustimmung der Versammlung den Dank des Vorstandes ans. Diese mühevolle Arbeit sei umso anerkennenswerter, als der Referent neben seinen vielseitigen Agenden auch als Vorsitzender des Komitees für die Mazzothversorgung außerordentlich in Anspruch genommen war und'auch in dieser seiner Eigenschaft Dankenswertes und Ausgezeichnetes geleistet hat. S t a t u t e n ä n d e r u n g. Vizepräsident Dr. Leopold Kohn begründet eingehend die vom 'Vertreterkollegium beantragte Aenderung des Tax- und Gebühirentarifes. Dr. Heinrich Schreiber erklärt, diese Aenderung nicht annehmen zu können, er konnte eine solche in normalen Zeiten eventuell ohne Einwendung hinnehmen, müsse jedoch in diesen schweren Zeiten, da in unserer Gemeinde so viele Verfolgte und Flüchtlinge Schutz suchen, unter denen gerade die Sterblichkeit größer ist, gegen diese Erhöhung der Beerdigungstaxen und -Gebühren schon vom jüdischen Standpunkte sich aussprechen. Er löhne deshalb die beabsichtigte Statutenänderung dermalen ab und beantragt die Verschiebung derselben bis zum Eintritte normaler Zeiten. . .. . Vizepräsident Dr. Leopold Kohn weist gegenüber dein Vorredner darauf hin, daß die in Aussicht genommene Erhöhung der Gebühren gerade im Interesse der armen Bevölkerungsklassen erfolge und hebt wiederholt hervor, daß Mehr als 80 Prozent der Beerdigungen unentgeltlich seien. Bei der hierauf erfolgten Abstimmung wurde die Statutenänderung im Sinne des Antrages des Vertreterkollegiums in folgender Fassung angenommen : „Für Fremde, welche nicht Mitglieder der Wiener israel. Knltusgemeinde sind: zu obigen Tarifpreisen bis zu 50 Prozent Zuschlag." Erhöhung der S ch ä ch t g e b ü h r e n. Sekretär Dr. Emil Adler erstattet das Referat, in welchem ausgeführt wird, daß das Koscherfleischl-Budget der Wiener Kultusgemeinde stets mit einem Defizit abschließe, während diese Post in den Budgets anderer Gemeinden einen Ueberschuß ausweise. Zur Sanierung dieses Uebelstandes beantragt das Vertreterkollegium eine Neuregelung der Schächtgebühren, welche nur im Wege einer entsprechenden Statutenänderung möglich ist; an der Debatte über diesen Antrag beteiligen sich die Kultusvorsteher Dr. Heinrich S ch re i b e r, S. B r 0 d, Hi r s ch und Hoff m a n n. Dr. Heinrich S ch r e i b e r spricht sich gegen die geplante Erhöhung aus, ,u. zw. aus sozialpolitischen Gründen, um den Flei'chgenuß den Glaubensbrüdern nicht noch unerschwinglicher zu Machen. Bei der Abstimmung wird der Vertreterantrag in nachstehender Fassml g angenommen:!Die Beteiligung der Juden am Kriege. Ein Appell an die Ku l tu s ge m e in d e n. Die Budapester „Allgemeine Jüdische Zeitung" hatte angeregt, daß jedes ungarische Rabbinat eine genaue Statistik der Beteiligung der Judenschaft des betreffenden

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