Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 17 Tr. Bloch's Wochenschrift Sette 281 Korrespondenzen. Ocffentliche Plenarsitzung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde vom 12. Ajpril 1916 unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Der Vorsitzende konstatierte nach Eröffnung der Sitzung die Beschlußfähigkeit und erteilte nach Verlesung des Einlaufes dem Vizepräsidenten Dr. Leopold K o tz n das Wort!zur Erstattung des Referates über den Rech' nungsabfchluß für das Jahr 1915, welcher, wie der Vorsitzende feststellt, nach der statutarischen Verlautbarung in der „Wiener Zeitung", vierzehn Tage hindurch zur allgemeinen Einsicht aufgelegen hat. Diese vierzehntägige Frist sei nunmehr abgelaufen, eine Vorstellung von Seite eines Mitgliedes der Gemeinde sei nicht eingelaufen. „Sehr geehrte Herren! Wie Sie aus dem Summarium zuin Rechnungsabschlüsse unserer Kultusgemeinde für das Verwaltungsjahr 1915 entnehmen, beziffern sich die Einnahmen des Jahres 1915 mit Kr. 3.547,885.80. Die ordentlichen Ausgaben betragen Kr. 3.677,932.65, die außerordentlichen Ausgaben Kr. 112,980.66, zusammen Kr. 3.790,913.31. Es ergibt sich daher für das abgelaufene Verwaltungsjahr rechnungsmäßig ein Defizit von Kr. 243,027.51. Gegenüber den präliniinierten Einnahmen per Kr. 3.107,950.93 betragen die faktischen Einnahmen Kr. 3.547,885.80. Es resultiert daher ein Plus an Einnahmen von Kr. 439,931.87. Die präliminierten ordentlichen Ausgaben betragen Kr. 3.300,038.88, die präliminierten außerordentlichen Ausgaben Kr. 62,000.—, zusammen Kr. 3.382,538.68. Die faktischen ordentlichen Ausgaben betragen Kr. 3.677,932.65, die faktischen außerordentlichen Ausgaben Kr. 112,980.66, zusammen Kr. 3.790,913.31. In welch hohem Maße die Kriegsereignisse sich für unsere Gemeinde auf dem Gebiete des Beerdigungswesens geltend gemacht haben, geht aus folgenden Daten hervor: Im Jahre 1913 fanden 2501, im Jahre 1914 2709 und im Jahre 1915 3392 Beerdigungen statt; darunter im Jahre 1915 unentgeltlich fEratisbcerdigungen) 1950. Dieses Anwachsen der Zahl der Beerdigungen, insbesondere der unentgeltlichen, erheischt die sofortige Aufführung des Provisoriums auf dem für den neuen Friedhof angeschafften Grunde, da wir für unentgeltliche Beerdigungen und für solche der vierten Klasse nur mit Not für das laufende Jahr auf der derzeitigen Friedhofsabteilung Auslangen finden. Wie bekannt, hat unsere Gemeinde bei Ausbruch des Krieges im August 1914 im Rothschild-Spitäle 100 Betten für die Mannschaft und 10 Betten in fünf Zimmern für Offiziere bis auf weiteres unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die > Verpflegung während der Zeit vom August 1914 bis inklusive Oktober 1915 repräsentiert einen Aufwand im Betrage von zirka Kr. 300,000.—. Vom Monat November 1915 angefangen werden unserem Spital die üblichen Verpflegsgebühren vom Roten Kreuz vergütet. Die Gesamtausgaben des Spitales pro 1915 betragen Kr. 608,100. -, gegenüber dem Präliminare um Kr. 110,800. - höher. Der Zuschuß stellt sich auf Kr. 351,804.—, daher um Kr. 69,700. - höher als präliminiert, wodurch der Mehraufwand .infolge des Krieges herbeigeführt wird. Im Abschnitt E, Versorgungsanstalt, sind die Einnahmen um zirka Kr. 18,000. - höher als präliminiert, hauptsächlich durch den Betrag des Wiener Magistrates für nach Wien zuständige Pfründner im Betrage von Kr. 11,000.— und Spenden per Kr. 3500.—, sowie Erhöhung an Zinsen und Jahresbeiträgen per Kr. 2500.—. Die Auslagen betragen Kr. 320,455.— gegenüber dem Präliminare von Kr. 276,300.—, sonach ein Plus von Kr. 44,000.—. Der Zuschuß beträgt Kr. 170,283.—, um Kr. 26,289.- mehr als präliminiert. Wenn ungeachtet der außerordentlichen Ausgaben für Zentralheizung, Renovierung usw. per Kr. 41,200.—, der Mehrauslagen für Verköstigung per Kr. 50,000.—, der Mehrauslagen für Inventar per zirka Kr. 15,000. — im ganzen der oberwähnte Zuschuß in Anspruch genommen wurde, so spricht dies für eine außerordentlich sorgfältige ökonomische Behandlung und ist dies ein Verdienst der Verwaltungskommission und insbesondere des Herrn Hofrates Rappaport, welchen für ihre Mühewaltung und erfolgreiches Wirken besonderer Dank gebührt. Im Abschnitt C weisen die Eingänge an Kultussteuern gegenüber dem Präliminare ein Plus von Kr. 5880. aus. Gegenüber dem Ergebnisse des Jahres 1914 ist der Eingang an Kultussteuern um Kr. 113,000. zurückgeblieben. Der Grund hiefür liegt in den Kriegsoerhältnissen. Aus dem oorgetragenen Berichte ergibt sich als Gebarungsergebnis des abgelaufenen Jahres, daß an Zuschüssen erforderlich waren: Im Abschnitt ä. Kultusangelegenheiten, Kr. 402,502.,; im Abschnitt 11 Ilnterrichtsangelegenheiten, Kr. 347,128.; im Abschnitt I). Spital, Kr. 351,804; im Abschnitt E, Versorgungshaus und Siechenhaus, Kr. 170,283.10; im Abschnitt K, Armen- und Wohltätigkcitsangelegenheiten, Kr. 347,579. , zusammen Kr. 1,619,597. . Dagegen haben Ueberschüsse ergeben: Abschnitt K Fried lsoss- und Beerdigungsangelegenheiten, Kr. 584,71t. j Abschnitt <!, finanzielle und Administrations-Angelegenheiten, Kr. 791,855. . zusammen Kr. 1.376,569. , woraus sich gleichfalls das im Eingänge schon erwähnte Defizit per Kr. 243,027. als Resultat ergibt. Fassen wir diese vorangehend dargestellte Gruppierung der Zuschüsse und Ueberschüsse ins Auge, so gelangen wir zu folgendem Resultate: Die Ueberschüsse aus der Abteilung „Finanzielle und Administrationsangelegenheiten" reichen knapp hin, den Bedarf für Kultus- und Ilnterrichtsangelegenheiten zu decken, so daß bei den derzeitigen Eingängen an Kultussteuern hieraus für die Deckung des Aufwandes für unsere charitativen Institutionen ein ganz minimaler Betrag erübrigt, und da wir unsere charitativen Institutionen ebenso vom religiösen Gesichtspunkte aus als vom Gesichtspunkte der Nächstenliebe und insbesondere im Interesse unserer armen und hilfsbedürftigen Glaubensgenossen nicht aus ein Niveau Herabdrücken lassen wollen, welches weder dem Ansehen noch der Bedeutung unserer Kultusgemeinde, noch den ihr obliegenden Pflichten entsprechen würde, so war es unerläßlich und geboten, im Wege der für das Kriegsjahc erhöhten Kultussteuerabgaben einigermaßen Deckung für unsere Wohlfährtsinstitutionen zu erlangen und ich kann schon heute mit einer gewissen Befriedigung konstatieren, daß sich die Eingänge an Kultussteuern durch die in einzelnen Füllen erfolgte Erhöhung wesentlich gebessert haben und teilweise das Defizit des laufenden Jahres Herabdrücken dürften. Gestatten Sie, daß ich auch die Frage des Religionsunterrichtes zur Sprache bringe. Schon anläßlich der Budgetberatung ist dieses Thema nach mehrfacher Richtung bin zur Sprache gebracht worden. Das Thema ist ein derart schwieriges und kompliziertes, daß es mir heute iin Rahmen der Aufgabe, die mir obliegt, schwer fällt, mich mit dieser hochwichtigen Frage zu befassen. Ich möchte heute nur eine Lanze einlegen für unsere Lehrerschaft, denen die außerordentlich schwierige und heikle Ausgabe überwiesen ist, der im Kindesalter sich befindenden und der im Alter vorgeschrittenen Jugend ein religiöses Empfinden beizubringen. Diese Ausgabe der Lehrer ist schon im allgemeinen und insbesondere in der Großstadt aus dem Grunde eine äußerst schwierige, weil die Lehrer im Elternhause eine geringe und zum großen Teile gar keine Unterstützung für ihre Bestrebungen finden. Sie ist aber auch aus dein Grunde äußerst schwierig, weil in einer knappen Zeit von ein bis zwei Stunden wöchentlich unmöglich den Anforderungen entsprochen werden kann, welchen ein erfolgreicher Religionsunterricht stellen müßte und sollte. Das System müßte eine gründliche Aenderung erfahren; bei dem gegenwärtigen System ist ein richtiger Erfolg nicht zu erreichen, nicht zu erwarten. Es würde zu weit führen, wenn ich mich in Details einlassen wollte, allein anerkannt soll es werden, daß unsere Lehrerschaft bemüht ist, nach Kräften der ihnen obliegenden schweren und großen Aufgabe gerecht zu werden, daß ihre Aufgabe mit Rücksicht aus die in den meisten Fällen vollständig fehlende, häusliche Unterstützung eine äußerst schwierige ist, ja daß leider, wie ich es konstatieren muß, in vielen Fällen dem durch den Religionsunterricht zu erzielenden Erfolge entgegengearbeitet wird."