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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-04-14 · 16 (14.4.1916) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
16 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Lette 264 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 16 Unter Vorsitz des Obmannftellvertreters Herrn Dr. Leo Landau ernannte nun die Generalversammlung in Würdigung ihrer Verdienste uni den Verein die Herren Alexander Landau und Emil Pom m e r a n z zu Ehrenmitgliedern des Vereines. Bei der am 30. März l. I. stattgefundenen Konstituierung des Vorstandes wurde Herr Alexander Landau zum Obmanns Dr. Leo Landau zum Obmannstellvertreter, Herr Emil Pommeranz zum Schriftführer^ Herr Ferdinand Sperber zum Schriftführerstellvertrcter und Herr Jakob Weichfelbäum zum Kassier gewählt. Tic israelitische Kultusgemeinde in Görz. Die Stadt Görz, die gegenwärtig in den Kriegs-' berichten oftmals zu lesen ist, hat seit langer Zeit auch eine jüdische, blühende Gemeinde. Schon vor 1000 Jahren wohnten dort Juden, die zum größten Teile aus Italien kamen und dort Handel trieben. Sie wohnten in einer besonderen Straße, unter dem Kastell, heute nennt man diese „Cocevia". Später wohnten sie in einem Ghetto, in dem Gebiete der heutigen Via Ascoli. Es durften hinter Mauern nur eine bestimmte Anzahl Juden wohnen, doch hielt sich ein Teil derselben, namentlich die Reichen, außerhalb dieses Ghettos auf. In neuerer Zeit befanden sich unter der Bevölkerung von 30.000 Seelen zirka 300 jüdische Personen. Die Gemeinde besitzt eine 150 Jahre alte Synagoge, die monumental hervorragend ist und jetzt noch, trotz des Bombardements der Stadt durch die Italiener, glücklicherweise unbeschädigt geblieben ist. Noch birgt die Synagoge etwa vierzig Thorarollen, wozu noch vor etwa zehn Jahren die Thorarollen von Gradiska hinzukamen, da die dortige Gemeinde wegen Fortzug aufgelöst wurde. Das Gemeindeleben war vor dem Kriege ein recht reges und religiöses. Es bestehen dort gute Religionsschulen und Chewras für das Thorastudiüm. Der Vorstand der Gemeinde ist Herr David Bo lass io, der sich zurzeit in Zürich aushält. Als Rabbiner fungierten dort in letzter Zeit die Herren della Bergola (jetzt in Alexandrien) und Herr F r i e d e n t h a l. Aus Görz stammen die Gelehrten Jsaac Abram Reggio, Prof. Lolli und Professor Graz io dio Ascoli, die sich in der wissenschaftlichen Welt eines hohen Rufes erfreuten. Es darf noch bemerkt werden, daß die österreichische Regierung stets gut zu den Juden war und aujch alljährlich der Gemeinde einen höheren Beitrag für Schulzwecke leistete. Ter Faste »Hirtenbrief des Erzbischofs Dr. Dalbor der Erzdiözese Gnesen-Posen spricht viel vom Kriege. — „In seinen: unerforschlichen Ratschluß ließ Gott über Europas Völker einen furchtbaren Krieg kommen. Wieviele heilige Vorbilder, die uns zum Starkmut entflammen, bieten uns die Bücher der Heiligen Schrift! Mit staunender Bewunderung lesen wir von den Heldentaten der makkabäifchen Brüder, die mit unerschütterlichen: Starkmut den großen Kamps kämpften für Glauben und Vaterland. Keine Uebermacht der Feinde, kein Mißerfolg konnte sie wankend machen, furchtlos standen sie auf der Wacht für die heiligen Güter. Und was wir an ihnen am meisten bewundern müssen, das war ihr grenzenloses Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, das ihnen die Kraft verlieh, durchzuhalten bis zum Ende." — Der Fastenbrief schließt mit den Worten des Psalmisten: „Auf Dich, Herr, vertraue ich; laß mich nimmer mehr zu schänden werden, denn mein Hort und meine Zuflucht bist Du; und um Deines Namens willen wollest Du Mich leiten und nähern. Befrei mich aus diesem Netze, das sie wider mich verborgen haben; denn Du bist mein Beschützer. Amen." Das dritte Exil. Schwere Anklagen eines Amerikaners gegen Rußland. In der in Newyork erscheinenden „The Miscionary Review" veröffentlicht Rev. S. B. Roh old nachstehenden Artikel, dessen Ausführungen sicher nicht ohne Interesse sind, weil von neutraler Seite die schwersten Anklagen gegen das russische System erhoben werden. Am 4. August 1914 sangen die orthodoxen Juden irr ihren Synagogen bk Klagelieder des Jeremias, die den Schmerz ausdrücken über die Zerstörung des Tempels und über die 'Erniedrigungen in der Gefangenschaft bei Nabuchodnosor und später bei der Vertreibung durch Titus. Am selben Tage aber entstammte der Krieg der Völker Europas und es begann: das dritte Exil. Der tobende Titanenkampf vernichtet die lebensfähigste Rasse, verzehrt ihre Kräfte, gestaltet ihr ganzes Dasein um und verändert alle Zukunftsaussichten. 550.000 Juden stehen sich in den feindlichen Armeen gegenüber. Vier Millionen Menschen — Greise, Weiber und Kinder — sind durch den Donner der Kanonen aus ihren Wohnsitzen vertrieben. Durch Sümpfe und Wälder ging die endlose Flucht; Hunger und Krankheit haben ihre Reihen gelichtet, unbeeidigt mußten die Flüchtlinge die Leichen ihrer Angehörigen zurücklassen. Zwanzig Millionen Männer stehen int Weltkrieg unter Waffen, das sind 26 Prozent der Gesamtbevölkerung der kriegführenden Staaten (hier sind auch die .Kolonien mitgerechnet), die Juden aber haben 5 Prozent ihrer Gesamtzahl unter den Kriegern. Von den 245.000 Juden G r o ß b r i t a n n i e ns dienen 16.000 im Heere. Hunderte von ihnen sind ausgezeichnet worden, drei Juden haben das Viktoria-Kreuz erhalten. Fünf Israeliten gehören dem Kab.ine.tt. .alt, fünf haben Sitz und Stimme im Hause der Lords, achtzehn im Unterhause. Frankreich zählt etwas über 100.000 Juden. Zur Friedenszeit gab es acht jüdische Generale, vierzehn Oberste, 21 Oberstleutnants, 107 Hauptleute. General Hey man befehligt ein Armeekorps, fünf Juden haben Ministerposten oder gleichgestellte Funktionen im zivilen Staatsdienst. In Italien sind sechzehn Deputierte und vierzehn Senatoren jüdischen Glaubens. Der „berühmte" Salvatorc Barzilai und General Otholenghi sind Glaubens-' genossen. Zahlreiche Juden dienen in der deutschen Armee, auch hohe Funktionäre, die das Vertrauen des Kaisers genießen, sind Juden. So Artur Ballin. (Der amerikanische Autor bezeichnet ihn als Superintendenten der Eisenbahnen Deutschlands. A. d. R.) Rußland hat nicht weniger als 350.000 Juden unter die Waffen gerufen. Diese haben sich bewunderungswürdig geschlagen, dennoch aber hat die antisemitische Politik Rußlands furchtbare Früchte gezeitigt. Im Spätherbst 1914 und Anfang 1915 während des russischen Einsalles wurden die Juden aus Galizien und aus der Bukowina, aber auch aus Russisch-Polen vertrieben, immer unter der fälschen Beschuldigung der Spionage und des Hochverrats. Zuerst fanden die Vertriebenen neues Asyl in den Gouvernements Köwno und Suwalki, auch ln Kurland, aber neue Erlässe verjagten sie auch vor: dort. Es war ein Schrecken ohne Ende. Der Auszug eines ganzen Volkes, das, seiner Heimstätten und jedes Obdaches beraubt, Hab und Gut zurücklassen mußte, und unmenschlich behandelt, brutalisiert und gepeinigt wurde. Eine halbe Million Juden sind seit Kriegsbeginn gestorben, abgesehen von den Verlusten auf den Schlachtfeldern.

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