Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 15 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022211--25019-3050298- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 15 Wochenschrift Se'tf 249 Dr. Bl och'S _ der trüber der Verstorbeueu, Herr Leopold Land aus Gödiug, und nahm rührenden Abschied im eigenen Alainen, als ini Flamen der zwei im Felde stehenden Söhne. Oberkantor M. B a I o g h rezitierte das „El mole rachamim" in ergreifender W-ise. Wien. Der Herr Kantor Gabriel Munk von der Schönlatern- L-chule hat eine Berufung als Kantor und Religionslehrer an die israel. Kultusgemeinde Ilug.-Ostra erhalten. Derselbe wird seinen neuen Posten am 15. April d. I. antreten. Austritte aus dem Judentum vom 26. März bis 1. April. Bauer Irene, Privatbeamtin, geb. 27. Mai 1884, Wien. 3. Bez., Heumarkt 23. Deutsch Eugen, Soldat, geb. 15. April 1891, Wien. 9. Bez.. Allg. Krankenhaus. Kraus Margit, Operationsschwester, geb 3. September 1886, 4. Bez., Dannhausergasse 3. ~ Nagel Marianne, Private, geb. 2. «eptember 1895, Wien. 9. Bez., Porzellangasse 27. Schlesinger Philippine, Private, geb. 6. September 1892, Wien, 8. Bez., Auerspergstraße 4. Steinbach Walter, Student, geb. 30. Dezember 1894, Wien. 9. Bez., Türkenstraße 31. Wappner Oskar, Gymnasiast, geb. 6. Juli 1893, Wien. 15. Bez., Mariahilferstraße 158. Muglitz. (D r. Ludwig G o l d r e i ch.) Ein tragisches Geschick hat unserer Stadt vor einigen Tagen einen ihrer besten und edelsten Männer hinweggerafft. Auf der Höhe des Lebens und des Glückes ist der allseits beliebte Arzt Herr Dr. Ludwig Goldreich in fernem, fremdem Lande, in Kowrl (Russisch-Polen), infolge einer tückischen Krankheit als Opfer des Vaterlandes gefallen. Mit ihm ist eine markante Persönlichkeit dahingrgangen, die sich ganz aus eigener Kraft zu hohem Ansehen emporgerungen hatte. Es war eine tief erschütternde Trauerbotschaft für Jung und Alt, für Stadt und Gemeinde, als die Kunde zu uns drang, daß Dr. G o l d r e i ch nicht inehr ist. Dr. G o I d r e i ch war nicht nur ein tüchtiger, beliebter und vielbrgehcter Arzt, sondern, was viel mehr wert ist, auch ein Menschenfreund inr wahrsten und edelsten Sinne des Wortes Mancher seiner weniger bemittelten Patienten erzählt, wie viele seiner Gänge zu rechnen er vergast, andere wissen zu berichten, daß er sogar die- Medikamente selbst bezahlte und es auch an sonstigen Unterstützungen nicht fehlen lieh, und wie oft er bei Nacht und Nebel, das schlechteste Wetter nicht scheuend, auch zur weitesten Fahrt sofort bereit war. Als er ,im Vorjahre einige Monate hindurch im Olmützer Militärspitale als Chefarzt wirkte, konnte man erzählen hören, mit welcher Liebe die Soldaten, Juden wie Nichtjuden, an dem stets freundlichen Manne hingen, welche Anerkennung seine Leistungen bei seinen Vorgesetzten fanden und wie oft er vor gesamter Mannschaft für sein Verhalten belobt wurde. Als er vor einem Monate einem höheren Rufe folgend nach Russisch-Polen ging, konnten die seiner Obhut übergebenen Soldaten vor Rührung nicht an sich halten und schluchzend nahmen sie von ihm Abschied, als ahnten sie es, datz es ein Abschied für immer sei. Dr. G o l d r e i ch war auch ein guter, treuer Jude und, wie nur wenige seiner Standesgenossen, auf dem Gebiete des jüdischen Schrifttums bewandert. Er befaßte sich viel mit jüdischen Fragen, verstand ziemlich gut hebräisch und verfolgte mit großer Aufmerksamkeit die Entwicklung der modernen jüdischen Literatur. Er stand auf dem Boden des traditionellen Judentums, das für ihn nicht nur eine Wissenschaft, sondern, und in erster Reihe, eine sprudelnde Heilsquelle zur Labung der Menschenseele war. Dr. E o l d r e i ch gehörte zu den Wenigen, die von der gewöhnlichen Heerstraße des Lebens abweichen und ihre eigenen Wege gehen. Er hat als vorzüglich gebildeter Jude gelebt, gefühlt und gewirkt, und ist auch als treuer und nicht nur als Jude der Abstammung und dem Namen nach gestorben. Durch seinen Tod hat daher unsere Stadt, wie deren israel. Gemeinde, einen schweren, kaum ersetzbaren Verlust erlitten. Ehre seinem Andenken! Rabbiner Dr. I. G ü n z i g. Krakau. (Purim-Jause für verwundete jüdische Soldaten.) Zum zweitenmal in diesem Winter luden die jüdischen Frauen Krakaus — dem engeren Komitee gehörten die Damen: Wahrhaftig, Tille s, Kirfchner und Hilfstein an, denen die Herren Dr. F e l d b l u m, Dr. Wahrhaftig sowie Dr. Spiegel wacker zur Seite standen — die rekonvaleszenten jüdischen Soldaten der Festung zu einer Jause ein, die als Purim- Feier im großen Sitzungssaale der jüdischen Gemeinde am 19. März stallfand und einen nach jeder Richtung hin glänzenden Verlauf nahm. Es waren über 300 Soldaten erschienen, außerdem Delegierte der hiesigen Festungsspitäler und -Kommanden, sowie zahlreiche Gäste, darunter der Präsident der jüdischen Gemeinde Dr. T i l l e s, Dr. Osias Thon und verschiedene andere. Nach .einer, warmen Begrüßung seitens des Advokaten Dr. F e l d b l u in hielt Feldrabbiner Dr. Templer eine au Purim anliiüpfende Ansprache, die in ein begeistertes Hoch auf den allgeliebten Kaiser ousllang. Die darauffolgenden gesanglichen Darbietungen des Berliner Hofopernsängers Walter D e m a r (Dembitzer), der selbst Soldat seinen Kameraden als ,,^-chleach munos" fein bestes schenkte: das Gold seiner prachtvollen Stimme, bildeten den Glanz der Veranstaltung und bereiteten allen Anwesenden ein.'u unvergeßlichen Genuß. Es sei ihm. ebenso wie seiner liebenswürdigen Klavierbegleiterin Frau Dr. S ü ß k i n d, an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt Vielen Beifall fand Frl. Eusti L i n d e n b a u m mit dem Vortrag von „El mole rachamim" (Gomulicki), sowie Beda's „Meschumed". Während der folgenden Pause wurden alle Soldaten reichlich bewirtet und nach alljüdischer Purim- Sitte beschenkt, worauf Dr. Osias Thon eine Ansprache hielt, die vom Herzen zum Herzen drang. Er pries die Tapferkeit des jüdischen Soldaten, der einen doppelten Kampf kämpft, den fürs Vaterland, für die Ehre und Zukunft des jüdischen Volkes, dessen Ausgabe erst recht nach ehrenvoller Beendigung des Krieges beginnen wird: unsere gebrochenen Herzen aufzurichteu und unsere ermatteten Seelen für den weiteren Kampf im Frieden zu stählen. Es waren Worte. deren Echo noch lange nachhallen wird. Vielen Beifall fanden die hebräische» Gedichtsvorträge des jungen Pfadfinders Lasar, wie auch der Ehor des jüdischen Turnvereines. Den Schluß der Veranstaltung bildeten turnerische Vorführunge i unserer jugendlichen Seouls, die durch ihr hebräisches Kommando, sowie die Eraktbeit der Ausführung ein al gemeines „Jesascher Kochacho" auslösten. W. S. Bisenz. HK u n d m a ch u n g.1 Das gefertigte Rabbi mir gibt hiermit der Wiener Iudenschaft bekannt, daß die von den hiesigen Händlern in W i e n <K a r m elit e platz'» zum Verkaufe gebrachten Zicklein in Wahr heit rr£T£ sind, da dieselben von den Händlern selbst irbtg e st o ch e n werden. Das Rabbinat der isr. Kultusge meinde Bisenz. 31. März 1316. Rabbiner Dr. Hoff. Purimfeier in Znaim. Am 19. März d. I. veranstaltete die Ortsgruppe des jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß" eine Purim-Feier nach folgendem Programm: 1. Ziehrer: „Schönfeldmarsch" (Orchester): 2 Begrüßung: .3. .Suppü: „Dichter und Bauer", für Klavier und Violine: 4. „Wozu bin ich im Wanderbund?": 5. a) Mendelssohn: „Abschied der Zugvögel", b) Abt: ..Aus dem grünen Wald": Pause. 6. Pazeller: Hertulesbad-Walzer (Orchester): 7. Reinecke: Kinderlieber: 8. Weber: Rondo (Klaoiervortrag); 9. Zuckermann: Purim: 10. Wanderlieder: a) „Pflug blank", b) ..Scham bearez". c) „Aus der fernen Heimat". Jede einzelne der oorgetragenen Nummern fand reichsten Beifall und kann der Abend in jeder Beziehung als äußerst gelungen bezeichnet werden. Während der Pause fand die Verlosung der von den Wanderinnen und Wanderern auf das sorgfältigste gearbeiteten Handarbeiten und Laubsägearbeiten statt, deren Erlös zugunsten der Notstandsaktiou in Palästina den ansehnlichen Betrag von Kr. 150. ergab. Zum Schlüsse sprach Herr ^taatsbahnrat Reich im Namen der Eltern der zielbewußten Führerschaft für das Gelingen des Abends, sowie der Frau Pros. Dr. K a h a n für deren Mühe den innigen Dank aus, und hob mit Befriedigung hervor, daß nur durch das einträchtige Zusammenwirken im Wanderbunde diese Erfolge möglich waren, und können wir deshalb mit Stolz auf unsere Jugend blicken. Znaim, 31. März 1916. Feuilleton. Gin Gebet um Waffen gluck. Aus dem Leben der Juden in Prag und in Triest unter der Herrschaft Maria Theresias. Von Rabbiner Dr. I. Zoller, Triest. „Ich bin eine arme Königin, aber ich habe das Herz eines Königs" soll Maria Theresia von sich gesagt haben. Die inneren Leiden der Königin, ihr Herrscher latent, ihr Bestreben, das Merkantilsystem zu oerooll kommnen. ihre Tatkraft und die zarten Empfindungen ihrer Irauenseele, all das Ttürmen und Drängen dieses Herzens „eines Königs" blieb nicht ohne Ein fluß auf das Schicksal der Juden in den österreichischen Erblanden. Aus der (beschichte der damaligen Cöemeinden spricht beides: die „arme Königin" und „das Herz eines