Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 15 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Dr. Bloch’s Aayrgang XXXI]! Zentralorgan für die gesamten Unterdessen des Judentums. oir-- -~^)Q p A. ft. Postlparftassenaml Q Llearlng-Verkebr Mr. 810.976. Redaktton und Administration: Wien ' II/i, Praterstraße 9. lj Telephon 45.359- <1 nO -.. Oo - - -ooc- Wien. 7. April 1916 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«, Ilyi, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. Otr-- - oO p "Bgjugaprtia für Vesterrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» lene Petttzeile 48 Heller. ÖO ■ ■ -Oo Inhalt: Leitartikel: Was uns galizischen Juden jetzt nottut. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Sonstige Auszeichnungen. — Doppelte Auszeichnung.— Brigadier Julius Bauer. — Zum zweitenmal ausgezeichnet. — Auszeichnung eines Lebensretters. — Außertourliche Beförderung. — Komturkreuz des Franz Joses-Ordens. — Ausgezeichnete Postbeamte. — Jüdische Familien im Felde. — Nach dem Tode ansgezeichuet. — Feldpilot Oberleutnant Mandl. — Aus den Feldpostbriefen eines jüdischen Soldaten. — Aus einem Feldpostbrief. — Liste von in Wien beerdigten Offizieren und Soldaten. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Methode eines praktischen Religionsunterrichtes an öffentlichen Schulen. — Korrespondenzen: Hilfskommission 1915 für Palästina. — „Hilfskommission 1915" und . Oesterreichisches Landeskomitee" für Palästina. — Die Helden der Bibel und die deutsche Musik — Die jüdischen Kriegsflüchtlinge in Rußland. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Gebet um Waffenglück — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Mas «tw galizischen Inden fetzt nottut. Von Dr. Bernhard Hausner. II. Die Zahl der vernichteten jüdischen Existenzen in Galizien ist kaum statistisch festzustellen, selbst aber die Uneingeweihten werden sich annähernd einen Begriff machen können, wenn sie erfahren, daß gegen 50.000 jüdische Häuser zerstört wurden, zirka 20.000 Juden nach Rußland verschleppt sind und gegen 1500 jüdische Waisen schütz- und obdachlos dastehen. Die Epidemien haben zu wüten noch nicht aufgehört und in manchen Städten — wie in Rawaruska, Belz, Sokal, Bukaczowce, Magierom und Rohatyn — sind bedeutende Bruchteile der jüdischen Bevölkerung an den Folgen der Unterernährung und Epidemien zugrunde gegangen, in manchen der genannten Orte reicht die Zähl der zugrunde gegangenen Juden an 33 Prozent. Und was ist bis jetzt zur Erhebung des gegenwärtigen Notstandes und Wiederherstellung normaler Verhältnisse, soweit sie überhaupt möglich sind, geschehen? Die Regierung, welche in erster Reihe berufen lväre, da einzugreifen, ist, wie es scheint, noch über das Studium der Vorbereitungen nicht hinausgegangen und in jenen Fällen, in welchen eine momentane Notstandsaktion eingeleitet wurde, da waren die Juden, also die Meistbetroffenen, die letzten, an die man dachte. Offenbar soll an den Juden ein Exempel statuiert werden, wie man Staatstreue und Anhänglichkeit an Thron und Reich bis zur Selbstverleugnung lohnt. Doch die Juden bleiben wie bisher nun trotz all dem, was sie von den Verwaltungsorganen zu erleiden haben, das was sie gewesen sind - unerschütterlich in ihrer Liebe zu Kaiser und Reich. Sie trösten sich in ihrem unverwüstlichen Optimismus hinüber über die Uebergriffe einzelner Verwaltungsorgane in eine bessere Zukunft. Doch wer soll den Juden in Galtzien Hilfe bringen, wenn sie so verlassen bleiben, wie bis jetzt? Wo ist eine geschlossene Organisation mit einem klaren und festen Willen, mit der in solchen Fällen nötigen Autorität und Legitimität und auch mit der nötigen Macht ausgestattet, um jetzt in die Bresche treten zu können und im Namen der Million Juden aus Galtzien und der Bukowina die Stimme zu erheben? Es ist nicht jetzt die Zeit und nicht hier der Platz, um all jenen, welche Schuld an dem Schülern des großen Planes zur Schaffung einer Gesamtorganisation der österreichischen Judenheit tragen, Vorhaltungen zu machen; doch schmerzt es tief, daß der Zentraloerband der österreichischen Juden, dessen Mangel die galtzische Judenheit jetzt zur Zeit der Not stärker denn je empfindet, gerade durch den Widerstand galizischer Juden nicht geschaffen wurde. Welche Dienste aber eine solche Organisation in der jetzigen schweren Zeit hätte leisten können, läßt sich nicht einmal annähernd bestimmen; wir haben die Empfindung, sie wäre von unermeßlicher Bedeutung, denn anders ist es, wenn eine geschlossene Organisation ihre Wünsche und Beschwerden vorbringt, und anders wieder, wenn sporadische Zufallsarbeit geleistet wird. Damit soll aber nicht behauptet werden, daß von jüdischer Seite in Oesterreich für die Juden Galiziens jetzt nichts geschieht. Im Gegenteil, es geschieht viel/ sogar sehr viel. Da ist in erster Reihe die,-Israel. Allianz" zu nennen, jene Institution, welche treu ihrer 50jährigen Tradition durch ihre humanitär-philanthropischen Leistungen in Galtzien zurzeit des gegenwärtigen Krieges sich geradzu ein neues Ruhmesblatt in ihrer Geschichte geschaffen hat. Das Verdienst der „Israel. Allianz" wird keineswegs dadurch herabgesetzt, wenn man ihr Vorhalt, sie wirtschafte nicht mit ihren eigenen Mitteln, sondern sende nach Galtzien und Russisch-Polen zu Wohlfahrtszwecken nur jenes Geld, das in Amerika oder sonst wo altders aufgebracht und ihr zur Verfügung gestellt wurde. Das lebhafte Interesse, welches die leitenden Männer dieses Institutes den notleidende Juden entgegenbringen, die Opferfreudigkeit, mit der sie sich unser annehmen, und die warmen Gefühle, welche sie unserem Schicksale