Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 14 (31.3.1916)
- Date
- 1916-03-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Bloch s Wochenschrift Seite 233 Jüdische Toynbeehalle, 2V. Bezirk, Denisgasse Nr. 33. Herr Felix Mendelsohn veranstaltete am Samstag, den 25. d. At., das übliche Konzert. Die Veranstaltung war in jeder Richtung von einem vollen Erfolge begleitet. Allein der geschickte Arrangeur, der ein genußreiches und künstlerisch reiches Programm darzubieten verstand, zeichnete sich auch als Rezitator fremder und eigener, durchaus gelungener Dichtungen in vollem Umfange aus. In ernsten Vorträgen trifft er die große Kontur der Sprache und gibt tragische Empfindungen mit der Gestaltungskraft der Wahrheit wieder, während in den heiteren Gedichten eine gewisse Nonchalance sehr wohltuend wirkt. Die jugendlichen Musiker Nazi Mendelsohn und Gilbert Back, die sich für ihre Vorträge am Klavier und mit der Geige technisch durchwegs schwierige Konzertstücke gewählt hatten, errangen wohlverdiente schöne Erfolge. Herr Jlia R e j s i n sang, von seiner Lehrerin Frau Schlaff enberg-Prü wer am Klavier begleitet, Löwe'sche Balladen und Lieder von Schubert. Er verfügt über einen schmiegsamen, in den oberen Lagen besonders sympathischen Bariton, der dramatische Ahente sehr hübsch herauszuarbeiten vermag. Sensation erregten schließlich die von Frl. Renoe Moldauer mit klangvoller Stimme gesungenen Lieder, deren Begleitungspartie der anwesende Komponist Herr Maximilian Rosenwald selbst übernommen hatte. Er wurde wegen seiner sangesmäßigen, melodiereichen Lieder, von denen besonders „Mittag" und das stimmungsvolle Volkslied „Lebewohl" sehr gut gefielen, stürmisch bejubelt. Glanzvoll waren zuletzt noch die Klaviervorträge des Professors John M i n o 1 t i, dessen meisterhaftes, auf der vollen Höhe der Virtuosität stehendes Spiel das Publikum enthusiasmierte. Stürmischer Beifall rief alle Künstler zu Zugaben ihrer Kunst. B — Wochenprogramm: Samstag, den 1. April, Konzert, arrangiert vom Vorstande. Sonntag, Rezitationsabend, Frl. Esdi Drucker. Samstag, den 8. April, Schlußkonzert, gegeben von Herrn Oberkantor M. B. Kaufmann. Beginn aller Veranstaltungen um 7 Uhr abends. Der Mittwochvortrag entfällt, ebenso der „Bibelvortrag" am Freitag. Wien. (Purim-Kinder-Fe st jausen im „Josephine Mendl-Wohlfahrtshaus".) Herr Obmannstellvertreter Karl Freund und dessen Gattin Marie ließen es sich nicht nehmen, auch in diesem Jahre, ungeachtet aller Schwierigkeiten, die von ihnen eingeführten Kinderfestjausen zu veranstalten und weit über 600 armen Kindern die ihnen in diesen harten Zeiten im Elternhause versagte Pürimfreude zu verschaffen. Wer an den beiden Kindernachmittagen den Kleinen, die mit einer schmackhaften Jause gelabt und mit Gaben an Süßigkeiten und Obst beschenkt, durch festliche Aufführungen unterhalten und erhoben wurden, in ihre leuchtenden Augen blicken durste, der mußte das schöne, gute Werk daran erkennen. Freunde und .Gäste hatten sich zu diesen Kinderfesten, von denen das erste am Purim-Sonntag, den 19. März, ausschließlich den Brigittenauer> Kindern zugedacht, während das vom darauffolgenden Sonntag, den 26. d. M., für die Kinder der im „Josephine Mendl-Wohlfahrtshaus" untergebrachten „Baron Hirsch-Schulen" veranstaltet worden war, in reicher Anzahl eingefunden. Man bemerkte unter den Erschienenen, die von Herrn Karl Freund in gewohnt herzlicher Weise begrüßt wurden, den Spender des Hortgebäudes Herrn Heinrich M e n d l, den Obmann der „Toynbeehalle" und der Horte Herrn Dr. I. S a m u e l y samt Gattin, von der „Baron Hirsch-Stiftung": den Präs. Herrn Dr. Stein und den Generalsekretär kaiserl. Rat Dr. Asche r, beide samt Gattinnen, den Leiter des galizischen Hilssvereines Dr. L ö w y samt Gemahlin, Vizepräsident des Bethausvorstandes I. Anton Beck, Schulinspektor Prof. Kanitz, Inspektor Grünes von der „B. H.-Stiftung", Prof. Kühner, Amtsleiter Kraus. Dr. K r o n u. a. m. Von den Damen, die durch ihre Anwesenheit das Fest verschönerten, sind besonders zu nennen: Frau Präsidentin Dr. G r ü n f e l d und Frau Dr. Zins, beide vom „Ferienheim", das feit einer Reihe von Jahren den armen Brigittenauer Kindern in den Schulferien den gesunden Landaufenthalt verschafft und sich als warmer Freund des Kinderhortes erweist, ferner Frl. Kahn aus dem Haufe M e n d l samt Frl. Schön und mehreren Damen, Frau Dr. Weiß, Frau L u r j e, Frau E o l dmann, die Damen Landsmann, zwei Schwestern von Frau Anitta Müller in deren Vertretung, Frau Rosa Freund, Vorsteherin im „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenheim", die Damen Frl. Hannak und Frl. Fried mann, vom Schulamte der israel Kultusgemeinde Frau Oberlehrer Simon und verschiedene andere. Alle diese Gäste waren Zeugen der wahrhaft schönen von den Hortzöglingen gebotenen Aufführungen, Kinderreigen und Lieder, die, von dem Verwalterpaar Klein, Frau Hortlehrerin Zwirn und Frl. Schubert trefflich einstudiert, die Kleinen ergötzten, die Großen rührten. Insbesondere gilt dies auch von dem hebräischen Purinh stücke der Kinder aus der hebräischen Sprachschule. Daß _ diese Flüchtlingskinder im Hortgebäude untergebracht wurden, ist die Initiative des unvergeßlichen Dr. Gustav K o h n, und es war ein seines Zeichen der Pietät, daß Herr Karl Freund das Bild des Verewigten gerade an diesem Tage mit Rosen hatte umkränzen lassen. Dieser Umstand, wie die herrlichen Rachmittagsfeste überhaupt, werden allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. - B — Purim-Abend. Ter „Jüdisch-literarische Klub" hat am 18. März in den Louterrain-Lokalitäreu des Cafo Prücket einen Purim-Abend veranstaltet, der einen äußerst animierten Verlaus nahm und infolge des sehr guten Besuches auch dem Palästina-Hilfswerke eine namhafte Summe zuführte. Eingeleitet wurde das heitere Fest mit einer gehaltvollen Rede des Herrn Tr. W. Stein, worauf Fräulein Dellenberg hebräische Dichtungen von Gordon und Bialik gefühlvoll zum Vortrag brachte. Einige an jüdische Motive anklingende Lieder des bekannten Pianisten und Komponisten 2. Perl - [teilt, von Frau Ober-Ingenieur Angela Böhm mit warmer Empfindung gesungen, fanden lebhaften Beifall. Die rechte Purim-Srimmung stellte sich jedoch bei dem zahlreichen Auditorium erst ein, als Herr Tr. Z. F. F i n k e l st e i n aus seinen Jargondichtungen eine das jüdische Milieu in einer galizischen Kleinstadt meisterlich schildernde Skizze: „Ter Purim- Kosak" geradezu muftergiltig zum Vortrage brachte und wahre Lachsalven mit seinen gelungenen Späßen hervorrief. Und dennoch fand auch diese Fröhlichkeit eine Steigerung, als Hm Doktor Fritz Löhner mit feinster Nuancierung und künsUerischer Durchbildung unter anderem die berühmte „Nase des Nikolaus" mit jener Nonchalance und in jenem natürlichen Tonfälle deklamierte, der unwiderstehlich wirkt und wie ein Naturereignis das gesunde, zwerchfellerschütternde Lachen hervorruft, das noch lange im Zuhörer fröhlich nachwirkt und immer neuen stürmischen Beifall auslöst. Mit zwei Arien aus der „Königin von Saba" und aus „Manon" brachte der Opernsänger R. K o g a n seine klangvolle Tenorstimme zu schöner Geltung. In vorgerückter Stunde schloß der gelungene Festabend, um dessen Arrangement sich Herr Hermann Gabel besonders verdient gemacht hat. —er. Wien. (Leichenbegängnis.) Unter überaus zahlreicher Beteiligung hat am 19. d. M. das Leichenbegängnis des am 8. Oktober auf dem nördlichen Kriegsschauplatz gefallenen Kadetten Leo Deutsch stattgefunden. Eine Abordnung seines Regimentes unter Führung des Oberleutnants Arnold Plaschkes legte an der Bahre einen Kranz für den „treuen, unvergeßlichen Kameraden" nieder. Vor der Zeremonienhalke hatte eine Kompagnie Scharfschützen Aufstellung genommen. In der Halle selbst, die die Zahl der Leidtragenden kaum zu fassen vermochte, würdigte Feldprediger Dr. Frankfurter die Tugenden des Heimgegangenen, der ein selten gutes Kind seiner Eltern, das Muster eines fleißigen Hochschülers war, und als Held, immer in den vordersten Reihen des Kampffeldes, voll feuriger Begeisterung für Kaiser und Reich zu kämpfen, sein junges Leben aushauchte. Erster Kantor Smotritzky rezitierte die Totengebete sehr wirkungsvoll. Nachdem der Sarg in das Heldengrab gesenkt wurde, gab die Scharfschützen-Kompagnie die Ehrensalve ab, womit die sehr würdige Totenfeier ihr Ende fand. Wien. Freitag, den 24. März, fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis des hier plötzlich verstorbenen Oberkantors der großen Brodya-Synagoge in Krakau Herrn Moses S ch o r r, Bruder des verstorbenen Oberkantors Mayer S ch o r r, statt. Unter den Trauergästen bemerkte man den Oberrabbiner und Rabbinats-Assessor und Mitglieder der Krakauer Gemeinde, die Oberkantoren Bauer, Morgenstern, Matyas, Iur - berger, Kaufmann, Serebenik, Basser. Weiß. M a r g u l i e s, die Kantoren Schneeweiß, Hirsch, Bassel, Harndorf, Tonkonogi. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Morgenstern. Rabbiner Dr. Bach schilderte die seltenen Vorzüge des Dahingeschiedenen. Am Grabe sprach im Namen des Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereines der Präsident Oberkantor Bauer, sowie der Rabbi der