Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 13 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 218 Nr. 13 Tr. Bloch e Dezembcrlag IST.s bildete, da sie simsundzwauzi^ Jahre als Vorsteherin dieses segensreichen Instituts wirkte. Die gerechte Anerkennung ihrer hohen Verdienste wurde ihr in einer durch ihre Kollegen und Freunde veranstalteten Feier; der Kaiser zeichnete sie bei dieser Gelegenheit durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes fürgemeinnütziges und humanitäres Wirken aus. Im Jahre 1874 beteiligte sie sich bei Einrichtungen der Volksküchen, die nach denen in Berlin von Frau Cäcilie Adler und Dr. Kühn organisiert wurden. Es entstand der Wunsch, auch für solche arme Juden eine Volksküche zu gründen, die noch an den Speisegesetzen hielten und darum von der allgemeinen Wohltat ausgeschlossen waren. Ein Verein unternahm es, Volksküchen nach jüdischem Ritus zu erricht ten, deren erste Frau Schlesinger einrichtete und ein Jahr leitete; dann übergab sie diese einer Nachfolgerin, um ihre volle Hingabe unentwegt dem Taubstummeninstitut zu widmen. Frau Schlesinger blieb bis in ihr hohes Alter eine äußerst angenehme Erscheinung, voll Würde und Anmut; aus ihren freundlichen Augen leuchtete ebensoviel scharfer Verstand als Herzensgüte. Von seltener Einsachheit und Anspruchslosigkeit, war sie durch ihr ganzes Wesen die Zierde jeder Gesellschaft und Haupte sächlich der Schmuck ihres Hauses. Ihrer glücklichen Ehe fehlte allerdings der Kindersegen. Ihr Bruder, Dr. S ch i e l, Kustos der k. k. Hofbibliothek, hinterließ' dagegen bei seinem Tode eine zahlreiche Familie, der sich Julie selbstverständlich mütterlich annahm. In inniger und vertrautester Freundschaft war sie dreißig Jahrelang der berühmten Tragödin Julie Rettich bis zu deren Tode verbunden. Bei dieser lernte sie die Schrift^ stellcr Friedrich Halm, Paul Heys e, Adolf W i l - t randt u. a. m. kennen, die ihrem Geiste stets neue Nahrung gaben. Nach dem 1885 erfolgten Tode ihres vortrefflichen Gatten zog sich Frau Schlesinger immer mehr von der Welt zurück; nur für das Taubstummeninstitut und dessen Zöglinge bekundete sie bis zu ihrem Ende unentwegt die wärmste Teilnahme. Am 18. Juli 1902 folgte Julie Schlesinger ihrem Gatten in die Ewigkeit. Ueberblicken wir dieses reiche Frauendasein, so sehen wir, daß ein edler Geist auch unter den bescheidensten Verhältnissen sich in unablässiger Sorge mitarbeitend für die Gesamtheit zu betätigen vermag. Das Andenken an Julie Schlesinger lebt bis zur <^tunde an der Ltärte ihrer Wirksamkeit in Segen fort. Breslau. Regina Neiße r. Weratur. Lehrbuch der hebräische« Sprache für Schul- und Selbstunterricht von Moses Rath (Selbstverlag, Wien, 1. Bez., Rotenturmstraße 17 18, Preis Kr. 5.20, Mk. 4.—). Ein erfreuliches Zeichen der Lehr- und Lernbestrebungen von Alt und Jung in Israel ist die Neuauflage des ausgezeichneten Lehrbuches der hebräischen Sprache von Moses Rath. Knapp vor dem Kriege ist dieses Buch, ein Niederschlag tief gegründeter Kenntnisse und merhjähriger pädagogischer Erfahrung, vom Leiter der jüd. Volksschule in Krakau herausgegeben worden und fand in der jüdischen Oeffentlichkeit eine überaus herzliche Ausnahme. Die erste Auflage ward im Laufe eines Jahres ganz vergriffen und nunmehr können wir unseren Lesern die notwendig gewordene zweite Auflage, die auch zahlreiche Verbesserungen enhält, wärmstens befürworten. Nach Anlage und Inhalt eignet sich das vorliegende Lehrbuch zur Vervollständigung der Kenntnisse der Lehrenden. Mit Hilfe des Schlüssels, welcher mit dem Lehrbuch zusammen geliefert wird, ergibt sich auch für Selbstlernende Gelegenheit, auch ohne Lehrer sich in dem gut zusammengefaßten Lehrstoff hineinzuarbeiten. Der Kontrolle der Lernenden dienen ferner die zahlreichen Wiederholungssragen, Anmerkungen und das alphabetische Wörterverzeichnis. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß Rath mit diesem Buche seine Pflichten der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber nicht für erledigt betrachtet und uns in absehbarer Zeit in einem zweiten Bande eine Litrraturchrcstomatic schenken wird. Wien, im März 1916, Dr. A. F. Wochenschrift Von der wrlti'ttltuel'e» Bedeutung und Ausgabe des Judentums. Von Rachum Goldinann. München, F. Bruckmann, A.-G. Preis 1 Mark. Der Verfasser will in knappen Strichen zeigen, in welcher Weise das Judentum an dem Aufbau der modernen Weltkultur mitgewirkt hat, und in welchen Bahnen sich seine Mitarbeit an der künftigen Weltkultur bewegen mutz. Er faßt das Judentum nicht nur als Religion, nicht nur als Weltanschauung, sondern beides umfassend und doch darüber hinausgehend als ein nationales Kultursystem auf. Er zeigt, wie das alte Judentum den weltkulturellen Gedanken, die Idee einer alle Nationen überspannenden Weltkultur, also die Idee der Menschheit, eigentlich erst geschaffen hat und weist als die Grundlage unserer heutigen Kultur nicht das antike Griechentum auf, sondern das alte Judentum, insofern als nicht das künstlerisch-aristokratisch-individualistische Lebensioeal des Griechentums unser Sein und Schaffen beherrscht, sondern die sittlichdemokratische Lebensauffassung der Bibel. Die Broschüre ist das achte Heft der deutschen Reihe der unter dem Gesamttitel „Weltkultur und Weltpolitik" erscheinenden Schriftenfolge, die Ernst Jääh in Berlin im Verein mit dein Wiener Institut für Kulturforschung herausgibt. Kriegsgefangen ist der Titel des Märzheftes der Süddeutschen Monatshefte, das folgenden Inhalt hat: Die Vorgeschichte und die Lehren des Baralongmordes von Graf E. Reventlow in Berlin: Briefe eines Auferstandenen von Wladimir Medem in Warschau: In russischer Kriegsgefangenschaft von H. Berger, zurzeit Revierförster der kaiserl. deutschen Verwaltung in Kolo (Russisch-Polen): Erlebnisse eines Arztes in russischer Kriegsgefangenschaft von Dr. med. G. Votz, zurzeit ord. Arzt an einem Reserve- Lazarett; Tagebuch eines deutschen Metallarbeiters aus russischer Gefangenschaft von Bruno Lachmann, Metallarbeiter in Berlin; Betrachtungen nach der Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft von Lic. theol. Ernst Moering in Breslau; Reise eines Elefanten durch Rußland; Aus dem Tagebuch eines Russen; Fürst Krapotkin über die Anfänge des französisch-russischen Bündnisses; Briefe russischer Gefangener; Wichtige Neuerscheinungen; Bei Kriegsbeginn in Südrutzland von E. Schmid, bisher Buchhändler in Odessa. Die Rundschau des Heftes hat folgenden Inhalt: Der Staat, sein Wesen und seine Organisation von Geheimrat Dr. Eduard Meyer, Professor der Geschichte an der Universität Berlin; Die internationale Wissenschaft von Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hans Prutz; Antike Technik von Prof. Dr. Paul Wolters; Wie ersetzt Deutschland am schnellsten die Kriegsverluste durch gesunden Nachwuchs? von Prof. Dr. med. Jos. Trumpp; Der Schlafwagenmensch. — Mit dem bevorstehenden Aprilheft, das Berichte aus französischer und englischer Kriegsgefangenschaft zum Inhalte hat, beginnt ein neues Vierteljahr (4 Mark) der Süddeutschen Monatshefte (Verlag in Leipzig und München). Briefkasten. Adolf Fried, Wien. Diese wichtigen Fragen zur Erörterung zu stellen, wird erst nach dem Friedensabschluß an der Zeit sein. San.-Soldat Jos. Jamenfeld. Dr. Simon Bernfeld, Charlottenburg, Goethestratze 81. Zahlreichen Einsendern. Es ist während der Kriegsdauer angesichts der Papierkrisis und bei dem geringen Setzerpersonal rein unmöglich, sämtliche Berichte zu verwenden. Notizen. Jüdische Bühne. DireMon S. P o d z a m c z e, 2. Bez., Taborstratze 12 (Hotel Stefanie). Wochenprogramm : Freitag, den 24. Marz: „Mamon, der Geldgott". Samstag, den 25. März, nachmittags halb 4 Uhr: „Herz und Hand fürs Vaterland" oder „Die jüdische Heldin". Samstag, den 25. März, und Sonntag, den 26. März, abends 8 Uhr, neu, zum erstenmale: „Adam und Eva". Sonntag, den 26. März, nachmittags halb 4 Uhr: „Die Weiber". Montag, den 27. März: „Zipojre und Judke". Dienstag, den 28. März: König Ahasver". Mittwoch, den 29. März: Ehrenabend des Chorpersonals: „Die Sedernacht". Donnerstag, den 30. März: „Bar Kochba" von Goldfaden. Wiener Mank-Vereiri. Die 46. ordentliche Generalversammlung finoet am 1 8. April 1916, um 11 Uhr vormittags, in Wien, 1. Bez., Schottenring 2, statt. Verhandlungsgegenstände: 1. Jahresbericht des Administrationsrates; 2. Bericht der Zensoren über den Rechnungsabschluß pro 1915 und Beschlußfassung über denselben; 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1915 (§ 59, lit. c, der Statuten); 4. Beschlußfassung über die Aenderung der §§ 5 und 43 der Statuten; 5. Wahlen in den Administrationsrat; 6. Wahlen in das Zensoren-Kollegium und den Aufsichtsrat für die Filialen.