Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 12 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Leue 15)8 Ta'. Bloch's Wochenschrift Nr. 12 Wie». (1 o i» i' -5 f o 11.) Ain 2. Niärz verschied im 48. Lebensjahre infolge Herzschlages Herr Jacob P o l I a f, Lcdergroßhänd- Icr, Mitches der Firma Jacob & Ludwig Pollak, ein wohn des vor vielen Jahren verstorbenen Rabbinaks-Assessors der Wiener Kultusgemeinde, Rabbiner Markus Pollak. Der Verstorbene erfreute sich in den weitesten Kreisen ob seiner strengen Redlichkeit und Rechtlichkeit, scines biederen Charakters und seiner vornehmen Gesinnung des besten Rufes und vollsten Vertrauens. Aus ganz kleinen Anfängen verstand er es, durch unermüdlichen Fleiß und rastlose Tätigkeit sich zu einer sehr geachteten Stellung in der Branche emporzuarbeiten, und die Nachricht von seinem Tode hat darum überall, wo man ihn kannte, aufrichtige Teilnahme und warmes Mitgefühl hervorgerufen. Jacob Pollak war ein herzensguter Mensch, eine vornehme Natur und ein überaus treuer Sohn seines Glaubens und Volkes. Seiner ganzen Familie hing er stets mit inniger Liebe und größter Zärtlichkeit an: er war ein selten guter Sohn und Bruder, Gatte und Vater. Sein schlichtes, bescheidenes Wesen — er war dabei nicht nur kaufmännisch, sondern auch allgemein gebildet — mußte jedermann, der mit ihm verkehrte, anziehen und für ihn gewinnen. Seinem Wunsche gemäß unterblieb jede Trauerrede, aber die große Zahl der Freunde und Bekannten, die seinem Sarge folgte, legte Zeugnis ab von der allgemeinen Beliebtheit und Wertschätzung, die der Verstorbene genoß. Er hinterläßt aus er der tiestrauerndcn Witwe, geb. Lazarus, noch zwei unmündige Kinder. Sein Name und Andenken werden gesegnet bleiben. - u Bitte um Nachricht Aer David Belftr aus HusftMn. Baronesse Mariska Augustin, die bekannte Malerin des Eisenstädter Ghetto, welche gegenwärtig an einem Wiener Spital als freiwillige Pslegerin verdienstvoll wirkt, bittet, durch die „Oesterreichische Wochenschrift" oder die „Weibliche Fürsorge", 1. Bez., Schottengasse 10, ihr Nachrichten über obgenannten neunzehnjährigen, in ihrer Pflege befindlichen völlig stummen Soldaten zukommen zu lassen, namentlich wer seine Angehörigen sind, ob er schon lange stumm ist usw. Austritte aus dem Judentum vom 5. März bis 11. März. Vehron Charlotte, Private, geb. 2. Januar 1874, Wien, 3. Bez., Münzgasse 1. Eifert Nelly, Private, geb. 14. August 189k, Wien, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11. Fischer Viktor, Stud. med., geb. 30. Dezember 1893, Iljoidek (Ungarn), 9. Bez., Lazarettgasse 18. Hecht Michael, Kaufmann, geb. 23. August 1872, Wien. 5. Bez., Margarethenstraße 110. Hirsch Ignaz Leopold, Fabrikant, geb. 15. März 1890, Budapest, 9. Bez., Türkenstraße 31. Kimelmann Andreas, Realgymnasiast, geb. 26. März 1900, Wien, 19. Bez., Silbergasse 43. Kimelmann Hedwig, geb. Kris, Gutsbesitzersgattin, geb. 20. Mai 1874, Wien, 19. Bez., Silbergasse 43. Kimelmann Oswald, Dr., Gutsbesitzer, geb. 20. April 1863, Uhrynkowcze, 19. Bez., Silbergasse 43. Selinko Felir, Kaufmann, geb. 31. Juli 1881, Wien, 4. Dez., Lothringerstraße 2. Brünn. (Todesfall.) Der bekannte Zeitungsherausgeber und Redakteur Mar Hicki ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Sonntag, den 5. d. M., starb nach kurzem Leiden sein einziger hoffnungsvoller und für sein jugendliches Alter auffallend begabter Sohn Theodor im 11. Lebensjahre. Dienstag, den 7. d. M., fand unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis des so jäh dahingeschiedenen Knaben statt. Herr Mar Hickl ist zur Kriegsdienstleistung eingerückt und traf ihn der Schlag ganz unerwartet. Den tiefgebeugten Eltern wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. _ NcuüyÄzorv. Der am hiesigen k. k. Gymnasium suppl. Lehrer Otto Butter, Sohn des verstorbenen Religionslehrers Leopold Butter, hat bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft seinen Austritt aus dem Judentumc und Eintritt zum Protest.-helv. Glauben angemeldet. Derselbe hat die Gymnasialstudien in Jungbunzlau absolviert und wurde von den dortigen Gemeindemitgliedern unterstützt, indem sie ihm Freitische gewährten. Nagy-Kanizsa. Hier feierte am 10. März d. I. Herr Heinrich G r ü n h u 1 mit seiner Gattin Vilma, geb. R o s e n f e l d, in aller Stille das Fest der silbernen Hochzeit. Herr G r ü n h u t erfreut sich als langjähriger Präses der isracl. Kultusgeineinde in Nagy- Kanizsa allgemeiner Wertschätzung und größter Sympathien. Zwei Trauerfälle jn der Familie des Jubelpaares verhinderten jede Festlichkeit. Herr E r ü n h u t übergab, seinem Wohltätigkeitssinn entsprechend, 3000 Kronen der Gemeinde, deren Zinsen alljährlich an zwei Kriegswitwen oder -Waisen verteilt werden sollen." Herr E r ü n h u t ist auch in seiner Eigenschaft als Präses seiner Gemeinde bei jeder Gelegenheit, wo es gilt Gutes zu schaffen, zu finden. Möge er noch viele Jahre in seinem Ehrenamte zum Wohle seiner Gemeinde wirken und ihm sein Familienglück erhalten bleiben. L. W. Feuilleton. Die Jude» in der Schwei). Aus Zürich schreibt man der „Allg. Ztg. des Judentums": Der zürcherische Kantonsrat (das Parlameur des eidgenössischen Standes Zürich) hat heute den Handelsgerichtssekretär Dr. Arthur. Mamelok als. Nachfolger des verstorbenen Handelsgerichtspräsidenten Professor Dr. Wächter zum Mitglied des Obergerichtes, des höchsten Gerichtshofes des Kantons, gewählt. Dr. M a m c l o k ist als Sohn russischer Eltern in Breslau 1876 geboren, woselbst er das Gymnasium absolvierte. Die Eltern mir ihren Kindern verfielen seinerzeit der preußischen Ausweisungspraxis, wie sie in der Zeit des schlimmsten Stöckerschen und Hammersteinschen Radauautisemitismus beliebt lvar, und fanden in Zürich, deren Bürger sie geworden, ihre neue Heimat. Dr. Mamelok, als Schüler des in deutschen Juristeukreisen hochangesehenen, nunmehr verstorbenen Völkerrechtslehrers Friedrich Meili, ward später sein Mitarbeiter bei Herausgabe wissenschaftlicher Werke. Einige Jahre Auditor und Substitut am Bezirksgericht, praktizierte er dann als Anwalt, welcher Beruf dem stillen Gelehrten wenig lag. Bald wechselte er das Barreau mit der stelle, aus der er nun in „Anerkenung seiner hervorragenden Eignung und seiner Arbeitskraft" ins Obergericht gewählt wurde. Trotz seiner Parteilosigkeit, das heißt, trotzdem er keiner politischen Partei als eingeschriebenes Mitglied angehört! Man muß die hiesigen Verhältnisse kennen und wissen, was das in Zürich heißt. i Mit dieser Wahl ist ein Vorurteil aus der Welt geschafft, und von .gewisser Seite kann nun nicht mehr, wie vor kurzer Zeit, als es sich auch um eine Oberrichterwahl handelte, damit operiert werden, daß der Jude, oder wie es hieß, der polnische Jude nicht gewählt werde. Es gibt eben auch Imponderabilien bei Oberrichterwahlen. Deutlicher möchten wir an dieser Stelle nicht werden, um so mehr als die Freude in der ganzen schweizerischen Judenheit eine allgemeine ist über die Wahl Dr. Mameloks. Er wird ein KidduschHaschem sein als Richter, wie sein ganzes Leben 'bis anhin ein. solcher gewesen ist. Dr. Mamelok gehört auch dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Zürich an und bekleidet als Mitglied desselben das Präsidium der Srchulpflege, dem er sich mit Eifer und Ernst in echt jüdischem Sinne> widmet. Jn Baselland ist derzeit Dr. jur. V e i t h Landratspräsident, in St. Gallen der Schulpräsident der politischen Gemeinde Tr. med. R e i ch e n b a ch Großratspräsideut. Zwei Juden als Kammerpräsidenten und nun gar iu Zürich ein Oberrichter, nachdem vor wenigen Jahren das Volk des Bezirkes Winterthur den Dr. jur. Bieder m a u n zum Bezirksanwalt (Untersuchungsrichter) wählte. Es geht langsam, aber sicher vorwärts.