Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 12 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022208--24960-3050236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 12 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 193 b i n s k y, die Delegierten des Mariahilfer Frauenmvereines Frau Dr. Engel und Frau Ingenieur G e l b - Haus, Frau Ha im, den Obmann des Vereines „Nachlath Jeschurun" Dr. Karl Löwy und die Vertreter der Mischen Presse, Herrn Dr. I. S. Bloch und .Herrn Dr. Moriz Löwy. Nach Verlesung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung durch den Schriftführer, Herrn August Fischel, erstattete Präsident Dr. Jakob Engel den Tätigkeitsbericht über das Jahr 1915, in welchem er nach Konstatierung des gegenwärtigen Tiefstandes der Mitgliederzähl der Heimgegangenen Mitglieder mit folgenden Worten gedachte: „Auch Heuer verzeichnen wir in tiefer Wehmut den Verlust von treuen, langjährigen Mitgliedern, von denen drei in der Blüte ihres hoffnungsvollen Lebens den Heldentod gesunden haben: Ingenieur Semi Berliner, dessen für das Judentum und alles Edle und Gute warmschlagendes Herz von einer feindlichen Kugel in' jener denkwürdigen Durchbruchsschlacht bei Tarnow getroffen wurde, hat sein reges Interesse für unseren Tempel seit Jahren in hochherziger Weise bekundet und folgte hiebei den Intentionen seines Schwiegervaters, unseres hochverehrten, verdienstvollen Kollegen Leopold Walleier war ein treuer Besucher unseres Gotteshauses, ein äberzeugungsvoller Anhänger unseres Glaubens, ein edler Charakter, ein braver Mensch! Auf das schmerzlichste traf uns die Nachricht von dem Heimgange unseres langjährigen, allverehrten Mitgliedes Siegfried Strauß, der leider einem feindlichen Geschosse zum Opfer gefallen ist. Siegfried Strauß, dieser selten feine, hochherzig gesinnte Manu, ein Muster und Beispiel als Gatte, Sohn und Vater, hatsteine voritctjmc Gesinnung uns und allen dem Gemeinwohl die-- «enden Institutionen jederzeit in glänzendster Weise erwiesen. Nach dein Tode seines von uns noch immer ««'vergessenen edlen Vaters, Jakob Strauß, dessen Wirksamkeit der Geschichte unseres Vereines angehört, trat er in den Kreis unserer Mitglieder, um bei jeder sich darbietenden Gelegenheit sein warmes Interesse für das Gedeihen unseres Vereines im hellsten Lichte zu zeigen. Er -folgte hierbei der Tradition dieses echten Patrizierhauses, dem seine von uns alten so hochverehrte, teure Mutter, die für die Armen unseres Bezirkes so überaus warmfühlende Präsidentin des Mariahilfer Frauenvereines, Frau Frida Strauß, angehört. Freudig war er zu Kriegsbeginn dem Rufe des Vaterlandes gefolgt und hat mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit und Hingebung seine Pflicht gegen Kaiser und Reich erfüllt. Ehre und Ruhm seinem glorreichen Andenken! Das dritte Opfer des furchtbar wütenden Krieges war Oberleutnant Ludwig Liebermann. Noch immer hat der Name Liebermann einen guten Klang in unserem Vereine, denn unvergänglich und unauslöschlich ist das Andenken an Hermann Liebermann in unser aller Herzen verankert. Sein ältester Sohn, den wir in aufrichtiger Wehmut heute beklagen, war ein treuer Anhänger unseres Vereines, ein in seinem Berufe ungemein tüchtiger Mann von vortrefflichem Charakter, und unsere herzlichste Teilnahme wendet sich seiner ausgezeichneten Mutter zu, die irr ihrem erprobterr Gotlvertrauen für ihren Schmerz Trost finden möge. Wir betrauern weiter den Verlust zweier langjähriger, ehrenwerter Mitglieder, der Herren Simon B e r n - hard und Rudolf Klein. An dieser Stelle gedenken wir auch mit aufrichtiger Teilnahme des Heimganges des Ingenieurs Hans M a y e r, des Sohnes unseres geschätzten Vereinsmitgliedes Herrn Wilhelm Mayer, der als Opfer seiner Pflicht den Tod fürs Vaterland gefunden. Schmerzlich bewegt verzeichnen wir noch das Ableben unseres langjährigen Zweiten Kantors Moritz Czuczka, der am 17. Dezember 1915 einem tückischen Leiden erlag. Durch 21 Jahre hat Moritz Cznczka seine gottesdienstlichen Funktionen in ungemein gewissenhafter und pflichteifriger Weise versehen; seine Bescheidenheit, seine stete D ienstbereitschaft und sein schlichtes Wesen gewannen ihm die Sympathien des Vorstandes und der Tempelbesucher, die sich in der außerordentlich zahlreichen Beteiligung bei dem Leichenbegängnisse zeigten, bei welchem unser Ehrw. Herr Rabbiner dem Heimgegangenen den wohlverdienten Nachruf hielt. Sie haben, meine Hochverehrten, sich zum Zeichen Ihrer herzlichen Anteilnahme von Ihren Sitzen erhoben, welche Kundgebung auch im Protokoll der heutigen Sitzung Vermerkung finden wird. Auf die spezielle Tätigkeit des Vorstandes im ab-, gelaufenen Jahre übergehend, erwähnt der Bericht die Umwandlung des provisorischen Dienstverhältnisses unseres Herrn Rabbiners Dr. Jakob Drobinsky in ein definitives und wendet sich dann der Frage der Bei» ziehung der Bereinsfunklionäre zu den Leichenbegängnissen zu. Diese Frage ist schon ziemlich alt und wir müssen gestehen, daß eine uns und unsere Funktionäre befriedigende Lösung in den gegenwärtig geltenden Bestimmungen nicht gefunden werden kann, weshalb wir sowie auch alle anderen Tempelvereine eine anderweitige Lösung anstreben. Wir müssen jedoch unsere verehrten Mitglieder darauf aufmerksam machen, daß sie für eine Besserung der Verhältnisse tätig sein könnten, wenn man in weitesten Kreisen darauf aufmerksam macht, daß Mitglieder oder Bethausbesucher unserer Bezirke, die leider iu diese traurige Lage komlnen, das Recht haben, die Beiziehung unserer Funktionäre im Friedhofsamte zu verlangen. Wir hielten es für ein Gebot von Menschlichkeit und der sozialen Fürsorge für unsere braven Angestell-, ten, diesen ab 1. Juli v. I. bescheidene Teuerungszulagen zu bewilligen, und werden sie uns auch in Hinkunft bereit finden, innerhalb des Rahmens unserer freilich beschränkten Mittel ein klebriges zu tun. Ein weiterer Gegenstand unserer Beschlußfassung bildete die Versorgung der Witwe unseres dahingeschiedenen Zweiten Kantors. Die Witwe erhält die Versicherungsbeträge seiner beiden Polizzen und außerdem eine bescheidene Pension, sowie einen Erziehungsbeitrag für ihren mj. Sohn, welche Beträge die ihr gesetzlich von uns zustehenden Leistung gen um mehr als das Doppelte überschreiten. Wir wollen hier betonen, daß uns die Alters- und Reliktenversorgung unserer zumeist viele Jahre im Dienste stehenden Angestellten sehr am Herzen liegt und daß wir nicht zögern werden, für diese dringende Notwendigkeit die Beihilfe der Kultusgemeinde in Anspruch zu nehmen, wenn sich dies als notwendig erweisen wird." Der Bericht erwähnt der goldenen Hochzeitsfeier des verdienstvollen Tempelfunktionärs Herrn Salamon L i p p a und des 25 jährigen Amtsjubiläums des Vereinsorganisten Herrn Josef Her z, welchen beiden der Vereinsvorstand Anlaß genommen hat. Beweise der Anerkennung und der Sympathie an diesem Freudentage darzubringen. Nach allgemeinen Bemerkungen über die finanzielle Gebarung, Anführung der eingelaufenen Spenden, Jahrzeitstiftungen und Legate sowie nach Hinweis auf einzelne besonders bemerkenswerte Momente in der Chronik des Vereines, schließt der Bericht mit folgenden Worten: Als erfreulichstes und erhebendstes Moment im abgelaufenen Vercinsjähre sei der am 20. Juni 1915 in unserem Tempel abgehaltenen Jubelfeier anläßlich der Wiedereroberung Lembergs gedacht, die sich eines unge-