Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 11 (10.3.1916)
- Date
- 1916-03-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 11 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 179 es möglich, gemeinsam mit dem Verein zur Errichtung und Erhaltung von Kinderhorten und dem Ausspeisungsverein für die Bezirke XII—XV die Heimstätte zu eröffnen. Durch die kriegerischen Ereignisse und dem damit im Zusammenhang stehenden Elend und Unglück entstand in jüngster Zeit im Kuratorium der Gedanke, eine Anzahl von Kriegswaisen in die Heimstätte aufzunehmen. Durch die hochherzige Zuwendung eines anonymen Wohltäters wird es auch möglich sein, 20 solcher Kinder aufzunehmen. Eine Erweiterung der Anstalt im Hause, 15. Bezirk, Herklotzgasse 21, ist kaum durchführbar und müsse das Kuratorium nun darangehen, ein anderes geeignetes Objekt zu beschaffen. Wiewohl Herr Kultusvorsteher Em. Grünwald sich bereit erklärt hat, einen Platz für die Heimstätte zu schenken, ist ja bei der jetzigen Zeit an den Beginn eines Baues nicht zu denken. Das Kuratorium muß daher für einige Jahre ein geeignetes Objekt mieten oder ankaufen, um sobald als möglich die Aufnahme von Kriegswaisen durchführen zu können. Wenn das Kuratorium an die Ausführung dieser Idee schreite, so glaubt es auch damit im Sinne desjenigen zu handeln, dessen Andenken die heutige Feier geweiht ist. Der Obmann dankte Herrn Kultusvorsteher Em. Grünwald sür die hochherzige Schenkung des Baugrundes. Hierauf wurden die von den Familien Steiner und Bettelheim der Heimstätte gewidmeten Bilder der verewigten Gründer enthüllt, wobei die Zöglinge das „Schiwifi" und „Rühe, müder Wanderer" in ausgezeichneter Weise vortrugen. Der Obmann richtete noch einige Worte all die Zöglinge und ermahnte diese, im Sinne derjenigen zu leben, deren Bild sie von nun ab während ihres Aufenthaltes in der Heimstätte zu sehen Gelegenheit haben werden. Herr Kultusvorsteher S. Steiner dankte dein Kuratorium namens des Kultusvorstandes für die Bemühungen um die Heimstätte, sowie Herrn Vorsteher Grünwald für die edle Schenkung. Anschließend fand eine Besichtigung der Heimstätte statt, wobei die ausgezeichnete Führung der Anstalt und das gute Aussehen der Schützlinge konstatiert und dem Leiter der Heimstätte Direktor Camillo Baumgarten Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde. Generalversammlung des Döblinger Israel. Frauenvereines. S o n n t a g, d c n 5. M ä r z, hielt dieser Verein seine Generalversammlung im stimmungsvollen kleinen Betsaal des Döblinger Tempels ab. Dieselbe hatte einen ungemein regen Besuch aufzuweisen; es waren u. a. anwesend: Vertreter des Tempelvereines Döbling, des Wiedner, Hietzinger, Währinger Frauenvereines (Frau Doktor Feuchtwaug), des „Frauenhortes", der „Weiblichen Fürsorge" (Regine U l m ann und Reg ine M a y ), Do ktor Moriz Löwy von der Zentralstelle, Frau Dr. Frankfurter. Die Tätigkeit der Präsidentin Frau Dr. Si-' donie Kahn wurde nach Genehmigung des Berichtes der Schriftführerin Frau Dr. Annie Kohn und des Kassenberichtes der Kassierin Frau Rosa Spira sowohl von Herrn Dr. Jacob Kohn als Vertreter des Tempelvereines, als von Frau Ul mann namens der „Weiblichen Fürsorge" gefeiert, deren jüngstes, aber geliebtes und hervorragend tüchtiges Mitglied der Döblinger Veein ist. Frau Benedikt begrüßte den Verein als geborene Döblingerin, in deren Geburtshaus sowohl der Hausbesitzer Moses Hirschl als auch der damalige Prokurist des Hauses Rothschild, Ritter v. Goldschmidt, keinen Wiener jüdischen Armen unbeschenkt entließen, ferner aber in Vertretung des „Frauenhortes", welcher als nächster Anrainer besonders in der Lage ist, die Verdienste des eiftigen Schwestervereines zu würdigen. Herr Dr. Moriz Löwy gab ein Expose der Aufgaben, welcher der jüdischen Wohltätigkeit nach dem Weltkriege harren werden, und kündigte eine baldige Recherchenaktion der Zentralstelle nach dieser Richtung an. Der Döblinger Verein gibt von den 7137 Kronen Jahresbudget, die ihm zur Verfügung stehen, 1740 Kronen auf Pensionen aus, eine höchst rationelle Gebarung, und beschränkt sich durchaus nicht auf seinen Bezirk. Der Verein hat leider noch nicht alle besitzenden Kreise seines Bezirkes, der doch heute fast die reichsten des Judentums umfaßt, zu seinen Gönnern, aber er wird zweifellos bald bei den Gebern so populär werden wie bei den Nehmern. Zum Schlüsse hielt Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g einen glänzenden Vortrag, in welchem er im Laufe von nur dreiviertel Stunden eine Geschichte der philosophischen Anschauungen aller Völker und Zeiten gab, und dartat, wie sich wieder die Anschauungen dieser Philosophen zum Problem des Krieges stellen mußten. Die Anschauung des Judentums deckt sich am meisten mit dem kategorischen Imperativ der Deutschen und billigt nur einen Krieg aus Notwendigkeit und der durch Wahrheit zu einer größeren Kultur, wie früher, führt, lieber die Stellung des Judentums nach dem Kriege denkt Redner sehr skeptisch und hebt hervor, daß das Judentum nur die Stelle einnehmen werde, die es sich selbst durch Selbsterkenntnis, Erziehung der Ostjuden und strenge Selbstzucht erringen wird. Brünn. Der Zugsführer Hermann K n a u l, von Beruf Uhrmacher, aus Wien hat sich 25 bis 30 Landsturmleute zusammengestellt und führte dieselben, bevor er das zweitemal ins Feld abging, in den Israel. Tempel, um von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Friedmann den priesterlichen Segen zu erhalten. Tiefergrisfen verließ die Mannschaft das Gotteshaus und konnte ihrem wackeren Zugsführer für die Veranstaltung dieses Gottesdienstes nicht genug danken. Herr Knaul, welcher vom jüdischen Geiste sehr durchdrungen ist, führte auch eine Spende wohltätigen Zwecken zu. Vermischtes. Oesterreichisches Landeskomitee und .Hilfskommission 1915 für Palästina. Wir machen nochmals aufmerksam: Unser Andachtsbüchlein .th pTrauerandachten- und Friedhofsgebete) wird auf Wunsch von unserer Hilfskommission, Wien, 4. Bez., Frankenberggasse 14, kostenfrei zugestellt. Alle jüdischen Opfer des Krieges aus unserer Monarchie und den verbündeten Staaten, deren Namen uns mitgeteitt werden, lassen .wir unentgeltlich zu dauerndem Andenken in Synagogen des heiligen Landes auf besonderen Ehrentafeln verzeichnen» damit der Ruhm ihres Heldentums auch an den Stätten nachhalle, die durch hie Heldentaten unserer Altvordern sür alle Zeiten geweiht sind. An allen Maskirtagen mfc'wv) wird daselbst für sie ein Seelengebet verrichtet werden. Wir bitten die Familienangehörigen der Gefallenen, sowie die Herren Feldrabbiner und die löblichen Kultusgemeinden, uns von den Verewigten den jüdischen Namen und den des Vaters anzugeben. » Für weitere Gedächtnisfeiern (Kaddeschim, Fahrzeiten und Mischnajaus-Lernen an den heiligen Stätten) wird eine Spende zugunsten unserer Aktion eingehoben, über die unser Buch Auskunft erteilt. Gleii^eitig sei auf unse.en, in künstle.ischer Ausführung he.g.stellten Kriegs-Mogen-Dovid hingewiesen, den wir gleichfalls kostenfrei versenden. Wir bitten alle Rabbinate und Religionslehrer, die unseren Mogen-Dovid noch nicht